Rems-Murr-Kreis

Fast zehn Jahre Haft für Gerüstdieb und Drogendealer aus Backnang

Symbolfotobauen
Symbolfoto Baugerüst. © Gaby Schneider

Zu neuneinhalb Jahren Gefängnis hat das Stuttgarter Landgericht den Gerüstbauer aus Aspach bei Backnang verurteilt, der seinen Drogenhandel mit dem Diebstahl von Baugerüstteilen in Weinstadt und Dürmentingen finanziert hat (wir berichteten). Nach Überzeugung des Vorsitzenden Richters der 18. Großen Strafkammer, Wolfgang Wünsch, ist der 33-jährige Deutsche nicht alleine, sondern „in Mannschaftsstärke angetreten“, um bei Gerüstfirmen Einbruchsdiebstähle zu begehen.

Zwei Jahre und acht Monate wird der Verurteilte, welcher angab, vom Kokainkonsum bereits ein Loch in seiner Nasenscheidewand zu haben, im Vorwegvollzug in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Einen 35-jährigen deutschen Lageristen, der mitangeklagt war, hat die Kammer zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Aspacher Haupttäter hat vor Gericht nur das zugegeben, was für den Tatzeitraum zwischen Februar vergangenen Jahres und Februar 2021 sowieso schon erwiesen war. Namen von Mittätern, die geholfen haben, Gerüstteile zu stehlen und diese mit in Aspach und Heilbronn gestohlenen Fahrzeugen abzutransportieren, wollte er keine nennen.

Drogenpaket aus Spanien, das „so groß wie eine Mikrowelle“ war

Vor der Urteilsverkündung hörte die Kammer noch einen 58-Jährigen, der mit dem selbstständigen Gerüstbauer in Aspach zusammengewohnt und sich über ein Drogenpaket aus Spanien gewundert hat, das „so groß wie eine Mikrowelle“ war. Der Zeuge stellte das Paket in die Gemeinschaftsküche der Wohngemeinschaft direkt neben die dort vorhandene Mikrowelle und war dadurch einigermaßen zuverlässig in der Größen- und Gewichtsangabe. Angaben zu seinem ehemaligen Mitbewohner, für den der Staatsanwalt Dr. Michael

Wahl zwölf Jahre und acht Monate Gefängnis beantragt hat, hätte der Zeuge keine machen müssen, weil gegen ihn ebenfalls ein Strafverfahren läuft. Er wollte aber etwas sagen zu dem Haus in Aspach, wo er sich nicht einmal mehr zur Toilette getraut habe, weil ständig „halb Aspach“ auf dem Flur herumgestanden hätte. Angefangen hätte es damit, dass ein Drogenpaket auf seinen Namen gekommen sei und noch zwei oder drei Pakete hinterher. Der Gerüstbauer hätte ihm 100 bis 150 Euro dafür angeboten, dass er Pakete annimmt, von denen er nicht gewusst habe, was drin ist. Im Übrigen habe es im ganzen Haus nach Marihuana gestunken. 13 Kilo Marihuana und drei Kilo Amphetamin in Paketen aus Spanien waren für die Anklage zusammengekommen. Kokain, mit welchem sich der Gerüstbauer angeblich ein Loch in seine Nasenscheidewand gesnieft hat, hat die Polizei nur eine Kleinmenge gefunden.

Wie viel Geld der Gerüstbauer mit dem Absatz von Drogen im Raum Backnang gemacht hat, konnte das Gericht nicht mehr nachvollziehen. Den Wert der zur Finanzierung des Drogenhandels gestohlenen Gerüstteile bezifferte es auf fast 40 000 Euro. Den Betrag versucht der Staat bei dem Gerüstbauer wieder einzutreiben.

Aus der Sicht des Gerichts waren es kriminelle Geschäfte „im großen Stil“

Aus der Sicht des Gerichts waren es kriminelle Geschäfte „im großen Stil“, die der 33-jährige „massiv Vorbestrafte“ zusammen mit einer ganzen Bande betrieben hat. „Um nachts Baugerüste zu stehlen, braucht man Leute, die zupacken und im Team arbeiten können“, meinte der Staatsanwalt dazu. Die bestohlenen Gerüstbaufirmen, bei denen die Bande jeweils mehrmals auftauchte, stopften nur noch Löcher in ihren Zäunen, die teilweise mit einem Bolzenschneider aufgeschnitten wurden, den die Polizei sichergestellt hat.

Bei der Drogenbeschaffung, so viel zum Hintergrund, gab es wegen Corona Lieferschwierigkeiten und deshalb wurden die Drogen eben in Spanien bestellt. Einen Teil der Pakete konnten die Polizei und der Zoll abfangen.

Wohin die Bau- und Fassadengerüstteile zur Finanzierung des Drogenhandels verscherbelt wurden, bleibt allerdings dahingestellt.

Zu neuneinhalb Jahren Gefängnis hat das Stuttgarter Landgericht den Gerüstbauer aus Aspach bei Backnang verurteilt, der seinen Drogenhandel mit dem Diebstahl von Baugerüstteilen in Weinstadt und Dürmentingen finanziert hat (wir berichteten). Nach Überzeugung des Vorsitzenden Richters der 18. Großen Strafkammer, Wolfgang Wünsch, ist der 33-jährige Deutsche nicht alleine, sondern „in Mannschaftsstärke angetreten“, um bei Gerüstfirmen Einbruchsdiebstähle zu begehen.

Zwei Jahre und acht

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