Rems-Murr-Kreis

Fellbach, krasse Eskalation mit Messer: Landgerichtsprozess um Totschlag-Vorwurf

Messer
Ein Messer spielte eine Schlüsselrolle bei einem Streit in Fellbach, mit dem sich nun das Landgericht befasst. © Gabriel Habermann

Es begann beim gemeinsamen Essenmachen in der Küche – und endete damit, dass ein Mann mit lebensgefährlichen Messerwunden vor dem Haus lag: Das Stuttgarter Landgericht hat den Prozess gegen einen 29-jährigen Fellbacher eröffnet, der versuchten Totschlag an seinem Mitbewohner begangen haben soll.

Chronik einer Entgleisung: Der mutmaßliche Geschehensablauf

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer am Abend des 11. Dezember 2021 Streit bekamen, weil der Mitbewohner der Zweier-Wohngemeinschaft mal wieder seine Stromrechnung nicht bezahlt hatte. Im Zuge dieses Streits, so die Staatsanwaltschaft, habe der Angeschuldigte dem Mitbewohner zunächst ein Mobiltelefon an den Kopf geworfen. Dann habe er ein etwa 30 Zentimeter langes Messer aus der Küche geholt und dem Mitbewohner damit in den Hinterkopf gestochen.

Das Opfer habe sich umgedreht, versucht, das Messer zu greifen, sich dabei an der Hand verletzt und sich in sein Zimmer geflüchtet. Der Angeklagte sei ihm hinterhergerannt und habe noch mehrmals zugestochen: in den Arm, in den Bauch und in die Achselhöhle.

Lebensgefährlich verletzt, so die Anklage weiter, habe sich der Mitbewohner aus dem Haus geschleppt und sei auf dem Gehweg liegen geblieben. Drei Passanten kamen zu Hilfe und holten den Rettungsdienst, während der Angeklagte zum Fellbacher F3-Freizeitbad flüchtete, wo er kurz darauf festgenommen wurde.

Der Arbeitgeber als Zeuge

Bei der Festnahme geholfen hat der Arbeitgeber des damals als Reinigungskraft in Teilzeit beschäftigten Beschuldigten. Mit seinem Chef hat er, der selbst vor Gericht noch keine Angaben zum Tatvorwurf gemacht hat, nach der Tat telefoniert. Der 35-jährige Arbeitgeber war bereits im Zeugenstand, wo er von jenem Samstagabend berichtete, er habe mehrere Anrufe vom Angeklagten auf dem Handy gehabt und dann zurückgerufen.

Zuerst habe der 29-Jährige nur „Hallo“ gesagt und wieder aufgelegt. „Beim dritten Gespräch sagte er, er hätte einen erstochen“, gab der Zeuge an. Daraufhin habe er dem 29-Jährigen geraten, sich zu stellen – und selber gleich die Polizei gerufen.

Telefonisch war nach den Angaben dieses Zeugen auch davon die Rede, dass das Opfer, von dem der Angeklagte geglaubt habe, es sei tot, zuerst mit einem Messer angegriffen habe. Die Polizei fand beim Opfer auch tatsächlich ein Teppichmesser, an dem aber keinerlei Spuren waren.

„Ich war wie gelähmt“, schilderte der Zeuge seine Fahrt zum F3, wo er gehofft habe, nicht vor der Polizei anzukommen, die den 29-jährigen iranischen Staatsangehörigen an der Bushaltestelle vor dem Freizeitbad verhaftet hat. „Er war wie ein kleiner Bruder für mich“, erzählte der ehemalige Chef des Beschuldigten, wie er dessen Bitte nachgekommen sei, einen Anwalt zu organisieren. „Ich hätte nie gedacht, dass der so etwas macht.“

Der Verwundete musste in Winnenden notoperiert werden

Nach dem derzeitigen Stand der Beweisaufnahme will der Angeklagte vor der Tat beim Kochen gewesen sein und sein Mitbewohner beim Salatmachen – wobei die Salat-Behauptung bei der Gerichtsverhandlung zum ersten Mal auftauchte. Ein Polizeibeamter aus Fellbach wusste nicht mehr, wer ihm von dem Salat erzählt hatte. Das könne nur der Angeklagte nach der Festnahme gewesen sein, ergänzte er das Polizeiprotokoll.

Die Tatwohnung, in der die beiden Männer zusammen lebten, beschrieb der Polizist als nur etwa anderthalb Kilometer von dem Fellbacher Freizeit- und Erlebnisbad entfernt, wo der Angeschuldigte ab und zu die Scheiben gereinigt hat.

Über das Opfer wurde so viel bekannt, dass es dieselbe Sprache spricht wie der Angeklagte aus dem Iran und dass es im Rems-Murr-Klinikum Winnenden notoperiert werden musste.

Der Angeklagte, auch mit Aliaspersonalien unterwegs, lebte als Asylbewerber zunächst in Waiblingen, zog dann weiter nach England, wurde aus Calais wieder zurückgeschickt und landete in Fellbach, wo er mit dem Opfer den Zwei-Mann-Haushalt führte.

Es begann beim gemeinsamen Essenmachen in der Küche – und endete damit, dass ein Mann mit lebensgefährlichen Messerwunden vor dem Haus lag: Das Stuttgarter Landgericht hat den Prozess gegen einen 29-jährigen Fellbacher eröffnet, der versuchten Totschlag an seinem Mitbewohner begangen haben soll.

Chronik einer Entgleisung: Der mutmaßliche Geschehensablauf

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Männer am Abend des 11. Dezember 2021 Streit bekamen,

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