Rems-Murr-Kreis

Fellbacher Hundezaun-Streit: Messerstecher kommt mit Strafe auf Bewährung davon

Landgericht
Blick ins Landgericht Stuttgart. © ALEXANDRA PALMIZI

Im Fall des Messerstichs beim Streit zwischen zwei Hundehaltern (wir berichteten) hat das Stuttgarter Landgericht das Urteil gesprochen: Mit zwei Jahren Haft auf Bewährung kommt der 51-jährige Fellbacher nach fast einem halben Jahr Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß.

Der in das Urteil eingeflossene Besitz von Marihuana wirkte sich nach dem Gutachten des Psychiaters Dr. Christopher Dedner nicht auf die Schuldfähigkeit des Fellbachers aus, bei dem nach der Tat THC im Blut festgestellt wurde. Er hatte beim Warten auf die Polizei zur Beruhigung einen Joint geraucht.

Mit dem Urteil folgte das Landgericht dem Strafantrag des Verteidigers Bernd Kiefer, der seinen Mandanten schon fast in der Nähe der Notwehr sah, konnte aber auch das Plädoyer von Staatsanwalt Thomas Hochstein ein Stück weit nachvollziehen. Dieser hatte drei Jahre und neun Monate Gefängnis gefordert.

Wie es zur Eskalation kam: Die Rekonstruktion des Richters

Richter Joachim Holzhausen (hier einer seiner im Rems-Murr-Kreis berühmtesten Fälle) sah das Opfer, das vom Angeklagten bereits 10.000 Euro Schmerzensgeld erhalten hatte, damit gut bedient. Holzhausen zeichnete die Szenerie vom Mittwochmorgen des 9. Februar dieses Jahres am Zaum zwischen dem Hundefreilauf und einem seit Corona besonders beliebten Hundespaziergängerweg noch einmal nach: Der Verurteilte habe sich von all den Gassi-Gehern, die aufgrund des allgemeinen Wegerechts ihre Hunde dort ausführen dürfen, bei seiner Arbeit im Freilauf beeinträchtigt gefühlt. Beim Opfer, einem 42-Jährigen aus Fellbach, sei der Appell des Verurteilten, nicht ausgerechnet immer diesen Weg zu wählen, sicherlich nicht auf fruchtbaren Boden gefallen – und der Mann habe durch sein Auftauchen mit seinem American Stafford Terrier die im Gehege befindlichen Hunde wild gemacht.

Daran, wie es dazu kam, dass sich ein Wortgefecht hochschaukelte, habe sich der Spaziergänger vor Gericht nicht mehr erinnern wollen. „Komm’ doch raus, das klären wir draußen“: Mit dieser Aufforderung hat nach Überzeugung des Gerichts er und nicht der Verurteilte den Schritt zur Gefährlichkeit gemacht. Anstatt mit seinem Hund einfach nach Hause zu gehen, so Richter Holzhausen weiter, sei der von seiner eigenen Körperlichkeit eingenommene Spaziergänger zum Eingang des Anwesens vom Verurteilten gegangen, habe diesen, eine viel schmächtigere Person, am Kragen gepackt und nach unten gedrückt.

In diesem Moment habe der Verurteilte ein Einhandmesser, das er immer in der Hosentasche bei sich trage, gezückt, die Klinge seinem Kontrahenten in den Bauch gerammt, wieder herausgezogen und dann – vielleicht ein Stück weit über sich selbst erschrocken – den Rückzug angetreten.

Weshalb die Nerven blanklagen: Hintergründe der Eskalation

Medizinisch gesehen ging die Sache mit der Bauchverletzung zum Glück glimpflich ab. Es war jedoch der Urteilsbegründung zufolge „reiner Zufall, dass kein Darminhalt in die Bauchhöhle des Opfers geflossen ist“.

Die Kammer konnte verstehen, dass der Fellbacher zur Tatzeit schlicht genervt war, weil es besonders in der Coronazeit an seinem Zaun zuging wie in der Wilhelma, während er selbst finanzielle Sorgen, das Ableben seines Vaters und die Trennung von seiner Freundin zu verarbeiten hatte.

All das war aber kein Grund, um mit einem Messer zuzustechen, lautete die richterliche Warnung.

Damit es dem Fellbacher gelingt, an seiner Dünnhäutigkeit zu arbeiten, bekommt er einen Bewährungshelfer – und damit er mal woanders hinkommt als zu seinen Hunden, darf er 100 Stunden gemeinnützig im Altenheim arbeiten.

Im Fall des Messerstichs beim Streit zwischen zwei Hundehaltern (wir berichteten) hat das Stuttgarter Landgericht das Urteil gesprochen: Mit zwei Jahren Haft auf Bewährung kommt der 51-jährige Fellbacher nach fast einem halben Jahr Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß.

Der in das Urteil eingeflossene Besitz von Marihuana wirkte sich nach dem Gutachten des Psychiaters Dr. Christopher Dedner nicht auf die Schuldfähigkeit des Fellbachers aus, bei dem nach der Tat THC im Blut

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