Rems-Murr-Kreis

Fest aufs Gas – das hat fatale Folgen: Unfallbilanz für den Rems-Murr-Kreis

Unfall-Feature
Symbolfoto. © pixabay

Die Vision Zero bleibt vermutlich, was sie ist: eine Vision. Sie besagt, null Komma null Verkehrstote seien anzustreben – alles andere wär’ auch zynisch.

Immerhin ist die Zahl der Verkehrstoten im Rems-Murr-Kreis 2021 zurückgegangen: Drei Menschen starben bei Unfällen – das ist eine im Vergleich zu den Jahren seit 2014 geringe Zahl. Den Angehörigen hilft das nicht weiter.

Raserei spielt stets eine beachtliche Rolle: Zu hohe Geschwindigkeit war bei 40 Prozent der tödlichen Unfälle die Ursache, heißt es in der Unfallbilanz des Polizeipräsidiums Aalen fürs Jahr 2021.

Bei den Motorradunfällen liegt der Anteil mit fast 60 Prozent noch viel höher. Im Rems-Murr-Kreis wurden vergangenes Jahr 180 Motorradunfälle gezählt, das sind fast 13 Prozent weniger als im Vorjahr. 54 Personen und damit gut zwölf Prozent mehr als 2020 erlitten schwere Verletzungen. Eine Person starb.

Hauptaugenmerk bei Kontrollen richtet sich auf Motorräder

Bei Motorradunfällen „kommt es nahezu immer zu gravierenden Unfallfolgen mit schwer verletzten oder im schlimmsten Fall getöteten Personen“, analysiert die Polizei im Jahresbericht. Nicht ohne Grund legen die Beamt/-innen ihr Hauptaugenmerk bei Verkehrskontrollen erstens auf Motorräder, zweitens auf Geschwindigkeit, drittens auf die allzeit bekannten beliebten Motorradstrecken im Präsidiumsbereich. In allen drei Landkreisen, für welche das PP Aalen zuständig ist, also im Rems-Murr- und Ostalbkreis sowie in Schwäbisch Hall, hat die Polizei vergangenes Jahr bei alles in allem 284 Kontrollen 4536 Motorräder ins Visier genommen, sei es mit Hilfe von Videofahrzeugen, Handlasermessgeräten, Lichtschranken oder Dienstmotorrädern. Die Gesamtzahl der Beanstandungen beziffert die Polizei auf 794.

Motorradlärm: Es hört einfach nicht auf

Lärmbelästigung durch Motorräder ist und bleibt ein Thema: Man hört sie gar nicht selten schon lange, bevor sie um die Ecke pfeifen. Manipulierte Abgasanlagen verursachen Geräusche, die der lärmunempfindlichen Fraktion unter den Bikern wie Musik in den Ohren klingen und Anwohner/-innen der einschlägigen Strecken in den Wahnsinn zu treiben drohen. Die Polizei versucht, mit Lärmmessungen an auffälligen Motorrädern gegenzuwirken: 205 Verstöße wegen technischer Mängel hat sie 2021 registriert und zur Anzeige gebracht.

Unfälle mit Pedelecs: 20 Schwerverletzte im Kreis

Zweiräder anderer Art bereiten der Polizei ebenfalls Kopfzerbrechen: Die Nachfrage nach Pedelecs ist ungebrochen, und vermutlich wächst sie mit Blick auf die Benzinpreise noch weiter. Die gute Nachricht: Trotz der großen Nachfrage sind die Unfallzahlen zurückgegangen. 88 Unfälle mit Pedelecs sind 2021 im Rems-Murr-Kreis passiert, 16 weniger als im Jahr davor. 20 Menschen haben schwere Verletzungen erlitten. Nicht immer, aber oft hängt es mit der Helmfrage zusammen, wie ein Unfall endet. Laut Polizei lag die „Helmtragequote“ präsidiumsweit bei Verkehrsunfällen mit Fahrrädern, Pedelecs und E-Bikes bei 55,6 Prozent.

Mit Elektrokleinstfahrzeugen, also etwa E-Rollern, sind acht Personen verunglückt. Drei von ihnen zogen sich schwere Verletzungen zu.

Sieben Schwerverletzte bei Unfällen mit Lastern

Ein auffälliger Zuwachs ist bei den Unfällen mit Lastern zu verzeichnen: Zu 407 Unfällen dieser Art kam es im vergangenen Jahr im Rems-Murr-Kreis – das entspricht einem Plus von fast einem Fünftel. Sieben Menschen wurden dabei schwer verletzt, 67 leicht.

Zurück zu den Unfallursachen: Besonders bei tödlichen Unfällen ist auffällig oft Alkohol im Spiel. Das PP Aalen legte den Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden 2021 insgesamt 1290 Anzeigen wegen Fahrens unter Alkoholeinwirkung vor. 493 Führerscheine wurden einbehalten. 59 Strafanzeigen wurden ausgestellt, weil Fahrer/-innen mutmaßlich unter Drogeneinfluss am Steuer gesessen hatten.

Drogen im Spiel: Viel mehr Unfälle dieser Art im Kreis

Im Rems-Murr-Kreis verzeichnete die Polizei vergangenes Jahr 132 Unfälle, bei welchen Alkohol im Spiel war. Die Zahl bewegt sich in etwa auf Vorjahresniveau. Heftig zugenommen hat unterdessen die Zahl der Unfälle, bei welchen von Drogen beeinflusste Personen beteiligt waren: 29 Unfälle dieser Art zählte die Polizei 2021 und damit gut 60 Prozent mehr als im Jahr davor.

Sie hauen einfach ab: Wieder viele Unfallfluchten

Sechs bis sieben Verkehrsteilnehmer machen sich – statistisch – an jedem einzelnen Tag des Jahres nach einem Unfall einfach aus dem Staub: Die Zahl der Unfallfluchten verharrt im Rems-Murr-Kreis mit 2391 im vergangenen Jahr auf anhaltend hohem Niveau.

Ein Großteil der Unfallflüchtigen kommt nicht ungeschoren davon: Präsidiumsweit konnte die Polizei knapp 39 Prozent der Fälle aufklären. Die Quote liegt etwa vier Prozentpunkte überm Landesschnitt. Es handelt sich bei diesen Fällen längst nicht immer nur um Parkrempler. Präsidiumsweit sind bei Unfällen, nach welchen mutmaßliche Verursacher einfach weggefahren sind, 161 Menschen leicht verletzt worden, 23 sogar schwer.

Bei Unfällen mit schwer verletzten Personen lag die Aufklärungsquote vergangenes Jahr präsidiumsweit bei knapp 35 Prozent. Die Aufklärungsquote bei Unfällen mit leicht verletzten Personen beziffert die Polizei auf knapp 46 Prozent. Im Jahr davor lag der Wert noch bei rund 58 Prozent.

Die Vision Zero bleibt vermutlich, was sie ist: eine Vision. Sie besagt, null Komma null Verkehrstote seien anzustreben – alles andere wär’ auch zynisch.

Immerhin ist die Zahl der Verkehrstoten im Rems-Murr-Kreis 2021 zurückgegangen: Drei Menschen starben bei Unfällen – das ist eine im Vergleich zu den Jahren seit 2014 geringe Zahl. Den Angehörigen hilft das nicht weiter.

Raserei spielt stets eine beachtliche Rolle: Zu hohe Geschwindigkeit war bei 40 Prozent der tödlichen

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