Rems-Murr-Kreis

Folgen der Corona-Krise: Wie geht es in den Schulen nach den Sommerferien weiter?

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Sie müssen noch Abstand halten – für alle Jugendlichen ab der fünften Klasse gelten aller Wahrscheinlichkeit nach auch im nächsten Schuljahr noch viele Einschränkungen in der Schule. © ZVW/ Gabi Schneider

Er findet endlich wieder statt, der ganz normale Unterricht. Na ja, beinahe jedenfalls. Seit dem 29. Juni dürfen die Erst- bis Viertklässler der Grundschulen, der Sonderpädagogischen Bildungszentren, die Kinder aus den Grundschulförderklassen, aus den Schulkindergärten und den Förderklassen wieder alle gemeinsam in ihre Klassenzimmer, müssen keine Sicherheitsabstände mehr einhalten und haben Schule, wie sie’s gewohnt waren. So soll’s auch nach den Sommerferien weitergehen, sofern das Coronavirus sich zurückhält. Trotz dieser Hoffnung kommt’s an dieser Stelle dann aber doch, das „Allerdings“. Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring und ihrem Team bleibt nichts anderes übrig, als viele Wenn und Aber hinterherzuschieben und zu planen, was das Zeug hält – in der Gewissheit, dass binnen kürzester Zeit alles wieder ganz anders aussehen kann.

Was wird wieder normal laufen für die Grundschulklassen, was ist nach wie vor coronabedingt anders?

Abstandsregelungen gelten seit dem 29. Juni nicht mehr: Schulklassen können wieder alle zusammen in ihr Klassenzimmer, die Kinder dürfen nebeneinandersitzen, miteinander spielen, gemeinsam auf den Pausenhof. Aber: Die Gruppen dürfen sich nicht mit anderen Gruppen mischen. Das heißt, dass keine Pausenglocke mehr alle ins Freie ruft. Sondern die Klassen gehen nacheinander. Ganz durchhalten lässt sich das jedoch nicht: Bei Ganztagsangeboten werden womöglich doch Kinder aus mehreren Gruppen aufeinandertreffen.

Haben die Kinder wieder Unterricht nach Stundenplan?

Die Stundenpläne aus der Vor-Corona-Zeit sind hinfällig. Zum einen fallen die Fächer Musik und Sport nach wie vor ganz aus, weil hier das Infektionsrisiko zu hoch ist. Religion kann, muss aber nicht unterrichtet werden – hier kommt es zu oft zu Gruppendurchmischungen. Außerdem wird auf die Kernfächer, etwa Mathe, Deutsch und Sachunterricht, der Schwerpunkt gelegt.

Dürfen oder können jetzt alle Lehrerinnen und Lehrer wieder arbeiten?

Es gibt eine rechtliche Änderung: Konnten Lehrerinnen und Lehrer bislang ohne Attest zu Hause bleiben, wenn sie selbst zur Risikogruppe gehörten oder innerhalb der Familie jemand gefährdet war, muss jetzt bei einer eigenen Gefährdung eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden. Dass nahestehende Personen gefährdet sind, zählt nicht mehr als Arbeitshinderungsgrund. Wer ein Attest hat, wird in der Verwaltung beschäftigt oder hilft bei Unterrichtsvorbereitungen und anderem. Das Schulamt Backnang hat alle Lehrerinnen und Lehrer diesbezüglich befragt: Es werden weiterhin so viele nicht in den Unterricht können, dass etwa fünf Prozent der Lehrerwochenstunden nicht besetzt werden können. Auch im Unterricht werden die Lehrerinnen und Lehrer etwas anders arbeiten: Fachlehrer werden recht pragmatisch eingesetzt – Lehrerinnen und Lehrer sind eher festen Gruppen zugeordnet.

Wie sollen die Kinder je den fehlenden Stoff wieder aufarbeiten können?

Im Hinblick aufs Lernen, ist sich Sabine Hagenmüller-Gehring sicher, werde man alles aufholen können, was in der Corona-Krise verpasst wurde. Es müsse sich niemand Sorgen um den Lebenslauf und die zukünftigen Chancen am Arbeitsmarkt machen. Die Kinder hätten in der Corona-Zeit vielmehr Kompetenzen erworben, die sie sich sonst erst sehr viel später, etwa im Arbeitsleben oder während des Studiums, angeeignet hätten. Es geht um selbstständiges, selbst organisiertes Lernen und den Umgang mit digitalen Medien. Um den verpassten Lernstoff reinholen zu können, sei der Einstieg in den kleinen Gruppen sehr hilfreich gewesen. Und natürlich werde das individualisierte Lernen immer wichtiger.

Welche Angebote wird es noch geben, um verlorene Zeit aufzuholen?

Schulamt und Kultusministerium denken über Angebote in den Ferien nach. Eventuell könnte es zum Beispiel eine Woche Sommerschule gegen Ende der Ferien geben. Die Backnanger Mörikeschule bietet das schon seit vielen Jahren an und hat beste Erfahrungen gemacht. Es gibt immer viel mehr Anmeldungen als Plätze. Das allerdings ist noch nicht spruchreif. Das Ziel sei, dass alle Schulen das anbieten, die Teilnahme soll aber freiwillig sein.



Wie geht es in den weiterführenden Schulen weiter?

Da ist leider noch alles offen. „Wir wissen noch nichts“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring. Bis zu den Ferien gehen die Kinder und Jugendlichen im rollierenden System zur Schule. Das heißt, die Klassen werden in Gruppen aufgeteilt, diese Gruppen wechseln sich in der Schule ab. Die Schülerinnen und Schüler müssen auch nach wie vor die Abstandsregeln einhalten. Das bedeutet für Schulen einen großen Aufwand, auch in den Pausen und auf den Fluren.

Es scheint, als ob jede Schule macht, was sie will?

Tatsächlich musste jede Schule ihr eigenes System entwickeln. Das liegt an den unterschiedlichen Gegebenheiten vor Ort. Je größer die Schulen zum Beispiel sind, desto schwieriger wird es, die Pausen mitsamt der notwendigen Aufsicht auf dem Hof und in den Gängen zu organisieren. Deshalb haben manche Schulen ganz auf Pausen verzichtet und machen den Unterricht sehr kompakt. Andere Schulen kämpfen mit Schwierigkeiten, die gar nicht mit der Schule an sich zusammenhängen. Die Sonderpädagogischen Bildungszentren zum Beispiel müssen den Fahrdienst, der die Kinder zur Schule bringt, ganz neu organisieren. Denn zum einen fangen nicht mehr alle gleichzeitig an, zum anderen dürfen nicht mehr so viele Kinder in einem Bus sitzen. Die Fahrdienste haben aber gar nicht so viele Fahrzeuge, wie es eigentlich bräuchte.

Und nach den Ferien?

Was nach den Ferien in den weiterführenden Schulen passiert, ist noch völlig im Dunkeln. Wenn die Abstandsgebote weiterhin eingehalten werden müssen wie seither, wird es auch nach den Ferien weniger Präsenzunterricht für die Kinder geben. Und somit auch weiterhin Home-Schooling. Ob der Stoff in seiner Fülle und Vielfältigkeit dem angepasst wird? Noch ist nichts entschieden. Sicher ist nur: Das Hauptaugenmerk in puncto Schulbesuch liegt dann, wie jetzt auch schon, auf den Abschlussklassen.

Was ist, wenn eine neue Infektionswelle kommt?

Nun, es wird weitergehen. Und zwar ruhiger als im März. Die Lehrerinnen und Lehrer haben sich digitale Kompetenzen angeeignet, man hat alles schon mal gemacht, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring. Das Schulangebot werde, ist sie überzeugt, qualitativ gut sein – auch wenn’s wieder ein reiner Fernunterricht ist.

Er findet endlich wieder statt, der ganz normale Unterricht. Na ja, beinahe jedenfalls. Seit dem 29. Juni dürfen die Erst- bis Viertklässler der Grundschulen, der Sonderpädagogischen Bildungszentren, die Kinder aus den Grundschulförderklassen, aus den Schulkindergärten und den Förderklassen wieder alle gemeinsam in ihre Klassenzimmer, müssen keine Sicherheitsabstände mehr einhalten und haben Schule, wie sie’s gewohnt waren. So soll’s auch nach den Sommerferien weitergehen, sofern das

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