Rems-Murr-Kreis

Frühere Lebensgefährtin und deren neunjährige Tochter in Allmersbach im Tal getötet: Der Prozess am Landgericht hat begonnen

Landgericht
Das Stuttgarter Landgericht. © Alexandra Palmizi

Seine Schuld wiege „besonders schwer“, heißt es in der Anklageschrift: Ein 36-jähriger Industriemechaniker muss sich seit diesen Dienstag vor dem Stuttgarter Landgericht wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes verantworten. Ihm wird vorgeworfen, er habe am frühen Morgen des 21. Juni seine frühere Lebensgefährtin und deren neunjährige Tochter in Allmersbach im Tal getötet. Der Versuch, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Gaildorf ebenfalls zu töten, misslang, weil er nicht in deren Wohnung vordringen konnte.

Der Anklage zufolge hat der Mann, ein Deutscher aus dem Heilbronner Raum, seine beiden Opfer mit einer Holzlatte bewusstlos geschlagen und sie dann mit einem Messer getötet. Der 36-Jährige sei eifersüchtig gewesen und habe sich erniedrigt gefühlt, weil seine frühere Partnerin die Beziehung beendet hatte. Zudem habe er das Kind für das Scheitern der Beziehung verantwortlich gemacht. Heimtückisch und „aus sonstigen niederen Beweggründen“ habe der Mann gehandelt.

Die Beziehung zu der Getöteten währte nur ein paar Monate. Am Tag vor der Tat hatte der Angeklagte seine 41-jährige Ex-Freundin mit einem anderen Mann auf der Terrasse sitzen sehen. Er geriet laut Anklage in Zorn und wurde sehr eifersüchtig.

Der Angeklagte will später zur Sache aussagen

Am ersten Prozesstag sagte der Beschuldigte noch nicht zur Sache aus. Er werde im Verlauf der Verhandlung schildern, was aus seiner Sicht vorgefallen ist, kündigte sein Rechtsanwalt an. So blieb es am Dienstag bei Angaben zur Person.

Der Andrang war groß, der Saal viel zu klein: Längst nicht alle Zuhörer erhielten Zutritt. Als Nebenkläger sind der Vater des getöteten Kindes und Verwandte der Frau am Prozess beteiligt.

Die Eltern des Angeklagten haben laut dem Vorsitzenden Richter Norbert Winkelmann bereits im Vorfeld angekündigt, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Die Ehefrau des Beschuldigten, von der der Mann seit knapp drei Jahren getrennt ist und die er laut Anklage ebenfalls töten wollte, möchte unter keinen Umständen aussagen, solange sich der 36-Jährige im selben Raum befindet. Der Angeklagte hatte im Vorfeld eine Vernehmung per Video abgelehnt; in diesem Punkt hat er ein Mitspracherecht. Nach einem Appell des Vorsitzenden Richters stimmte der 36-Jährige dann doch zu.

Der mutmaßliche Mörder ist Vater zweier Kinder

Der Mann hat zwei Kinder mit seiner Noch-Ehefrau. Seit gut einem Jahr bestehe kein Kontakt mehr zu den Kindern, sagte er. Er habe zunächst sein Umgangsrecht eingeklagt, doch hätten ihm die Kinder einen knappen Brief geschrieben. Darin hieß es, „dass ich sie in Ruhe lassen soll und sie keinen Kontakt zu mir wollen.“

Seinen früheren Chef beschuldigte der Mann, ihn jahrelang gemobbt und ihn mit Psychoterror gequält zu haben. Sein Anwalt fragte ihn im Zuge der Vernehmung, ob er schon einmal selbstkritisch hinterfragt habe, inwieweit auch er zu den massiven Problemen am Arbeitsplatz beigetragen haben könnte. Der Mann schwieg kurz – und wies erneut alle Verantwortung für die Konflikte seinem Chef zu. „Er hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben. Das war nicht mehr zu ertragen.“ 2018 habe er sich selbst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, dort drei Wochen verbracht und eine Zeitlang Psychopharmaka genommen.

"Man sitzt da eingesperrt"

Nach langen Querelen, vielen Abmahnungen und nachdem das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, hatte man dem Industriemechaniker nahegelegt, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Er willigte ein, zum 1. Juli 2020 in eine Transfergesellschaft zu wechseln, die ihm helfen sollte, einen neuen Job zu finden. Dazu kam es dann nicht mehr.

Über die Bedingungen in der Untersuchungshaft beklagte sich der Beschuldigte bitterlich. Er sitze in einer Vierer-Zelle, weil er zunächst als selbstmordgefährdet eingestuft worden sei. Arbeiten dürfe er nicht, man könne jeden Tag nur kurz in den Hof und außerhalb der Zelle den Gang entlang gehen. „Man sitzt da eingesperrt. Alles ist abgeschnitten“, klagte der Mann. „Wir reden hier nicht über irgendwelche Kleinigkeiten“, entgegnete Richter Norbert Winkelmann und wies den Angeklagten explizit darauf hin, dass Angehörige der Getöteten im Saal sitzen: „Wie denken Sie, dass es weitergeht mit Ihnen?“

„Das schlimme Vorkommnis möglichst schnell bewältigen“

„Das ist eine sehr gute Frage. Die Frage kann ich so gar nicht beantworten“, sagte der 36-Jährige. Er habe im Gefängnis bereits Kontakt zu einem Seelsorger gehabt und wolle „das schlimme Vorkommnis möglichst schnell bewältigen.“ Er spreche öfter mit Mithäftlingen, die er „Kollegen“ nannte.

Jetzt sei „alles an die Wand gefahren“, sagte der Mann, der viele Jahre lang als Hobby eine kleine Schafherde betreute, offenbar einen Weinberg besitzt und ein Haus, der gern kickt, wandert und Karten spielt.

Die Verhandlung wird diesen Freitag fortgesetzt. Im neuen Jahr sind elf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Das Urteil fällt voraussichtlich im März.

Seine Schuld wiege „besonders schwer“, heißt es in der Anklageschrift: Ein 36-jähriger Industriemechaniker muss sich seit diesen Dienstag vor dem Stuttgarter Landgericht wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes verantworten. Ihm wird vorgeworfen, er habe am frühen Morgen des 21. Juni seine frühere Lebensgefährtin und deren neunjährige Tochter in Allmersbach im Tal getötet. Der Versuch, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Gaildorf ebenfalls zu töten, misslang, weil er nicht in

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