Rems-Murr-Kreis

Fragen und Antworten zum Kita-Streik im Rems-Murr-Kreis am Mittwoch (4.5.)

Kindergarten
Viele Kinder-Rucksäcke werden an den Streiktagen nicht gebraucht. Eltern müssen  eine alternative Betreuung finden. © Alexandra Palmizi

Für die Eltern gibt es kein Aufatmen. Nachdem erst am Mittwoch, 27. April, viele Kindertageseinrichtungen im Rems-Murr-Kreis ganz oder teilweise geschlossen waren, ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bereits diese Woche erneut zu Warnstreiks auf. Am Mittwoch, 4. Mai, werden erneut viele Kitas und Einrichtungen des schulischen Ganztags nicht oder nur teilweise öffnen.

Warum wird überhaupt gestreikt?

Die letzte reguläre Tarifrunde für Beschäftigte im öffentlichen Dienst war 2020, die nächste ist Anfang 2023. Bei den aktuellen Verhandlungen handelt es sich um eine Sondertarifrunde des Sozial- und Erziehungsdiensts. Dazu zählen neben Erzieherinnen und Erziehern in Kitas auch Beschäftigte sozialer Dienste und Einrichtungen. „Bei den Sondertarifrunden geht es um die Aufwertung dieser Berufe, in denen größtenteils Frauen arbeiten“, erklärt Andreas Henke, Pressesprecher der Gewerkschaft Verdi. So verdiene ein bei einer Stadt beschäftigter Ingenieur beispielsweise deutlich mehr als eine dort angestellte Sozialpädagogin, die eine Kindertageseinrichtung leite. Es ist nach 2009 und 2015 die dritte Sondertarifrunde.

Warum wird ausgerechnet jetzt gestreikt?

Viele Eltern haben Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen und Erzieher. Nichtsdestotrotz ist es vor allem für berufstätige Eltern schwer, eine alternative Betreuung zu organisieren, vor allem wenn die Abstände zwischen den Warnstreiktagen kürzer werden. Hinzu kommt, dass die vergangenen Monate für viele Familien schwierig waren: Wegen Quarantänen, Corona-Infektionen und gewöhnlichen Winterkrankheiten haben viele Eltern ohnehin schon einige Fehltage und hatten auf etwas Normalität und Entspannung im Frühling gehofft.

Die andere Seite ist: Die Corona-Pandemie war auch für Erzieherinnen und Erzieher eine besonders schwierige Zeit, sagt Andreas Henke. Während etwa Schulen über viele Monate geschlossen waren, habe es in den Kitas immer zumindest eine Notbetreuung gegeben, ohne Luftfilter und nahezu ohne Schutzmaßnahmen. „Erzieherinnen und Erzieher hatten von allen Berufsgruppen das größte Risiko, zu erkranken“, sagt Henke. Außerdem habe die Pandemie zahlreiche zusätzliche Anforderungen an die Einrichtungen gestellt und gezeigt, dass sich an den Arbeitsbedingungen etwas ändern müsse.

Was fordern Erzieherinnen und Erzieher konkret?

Einerseits geht es natürlich ums Geld, die Berufsgruppe soll besser eingruppiert werden. Konkret: von der Entgeltgruppe 8a (2932 bis 3980 Euro) in 8b (2996 bis 4447 Euro). Wichtiger ist der Gewerkschaft und den Streikenden aber die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, und dabei besonders zwei Punkte: Einerseits geht es um mehr Zeit für Vor- und Nachbereitung, welche die Pädagoginnen und Pädagogen zurzeit laut Henke entweder in ihrer Freizeit oder aber zwischen Tür und Angel machen müssen. Andererseits geht es um sogenannte Entlastungstage, also einen Freizeitausgleich für Erzieherinnen und Erzieher nach besonders belastenden Zeiten.

Warum ist die Streikbereitschaft so hoch?

Traditionell ist die Streikbereitschaft in der Region hoch, sowohl in Stuttgart als auch im Rems-Murr-Kreis, sagt Henke. Bei dieser Tarifrunde komme hinzu, dass die Erzieherinnen und Erzieher lange auf sie gewartet haben: Ursprünglich hatte es bereits 2020 Termine für die Sondertarifrunde gegeben, die dann wegen der Corona-Pandemie verschoben wurden. „Jetzt ist die Stimmung unter den Beschäftigten so, dass sie auch endlich einmal dran sind, sich für ihre Belange einzusetzen“, sagt Henke.

Wie geht es weiter?

Natürlich hätten Gewerkschaft und Erzieherinnen und Erzieher Verständnis dafür, dass die Situation für die Eltern schwierig sei. Genau deshalb müsse man jetzt aber Druck machen, sagt Henke: „Wir hoffen, dass wir dann bei der dritten Verhandlungsrunde am 16. und 17. Mai zu einem Ergebnis kommen.“ Zu diesem Druck gehöre auch, dass es vermutlich in der kommenden Woche einen weiteren Streikaufruf geben werde. An den Finanzen dürfe der Abschluss nicht scheitern: Die Arbeitgeber rechnen laut Henke mit rund einer halben Milliarde Euro Kosten, würden die Forderungen erfüllt. Das ist für Verdi eine Summe, an der es in einer so wichtigen Sache wie der frühkindlichen Bildung nicht scheitern dürfe.

Doch auch wenn die Verhandlungen Mitte Mai abgeschlossen werden, eine lange Ruhepause ist Eltern kleiner Kinder vermutlich nicht vergönnt. Denn im Januar 2023 steht die nächste reguläre Tarifrunde im öffentlichen Dienst an.

Für die Eltern gibt es kein Aufatmen. Nachdem erst am Mittwoch, 27. April, viele Kindertageseinrichtungen im Rems-Murr-Kreis ganz oder teilweise geschlossen waren, ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bereits diese Woche erneut zu Warnstreiks auf. Am Mittwoch, 4. Mai, werden erneut viele Kitas und Einrichtungen des schulischen Ganztags nicht oder nur teilweise öffnen.

Warum wird überhaupt gestreikt?

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