Rems-Murr-Kreis

Frau in Backnang erstochen: Mutmaßlicher Mörder war in Corona-Quarantäne

Landgericht
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Der 29-jährige mutmaßliche Mörder, der nach islamischem Recht mit dem 25-jährigen Opfer verheiratet war und vor dem Stuttgarter Landgericht bislang nicht mehr als dessen „Tötung im Affekt“ zugegeben hat, stand vor der Tat unter Corona-Quarantäne. Das hat sich am zweiten Verhandlungstag herausgestellt.

Unter falscher, syrischer Identität Asyl beantragt

An der Kaltmiete von 350 Euro gemessen, muss der Türke, der in Deutschland unter falscher, syrischer Identität Asyl beantragt und einen Aufenthaltstitel bekommen hat, mit seiner Frau in einer eher kleinen Wohnung in Backnang gelebt haben. Dort war er vor der Tat als Corona-Infizierter unter Quarantäne. Dem Gericht liegt ein Schreiben der Stadt Backnang vor, dass ein Coronatest des Angeklagten positiv ausgefallen war und er bis zum 4. Mai zu Hause im Seehofweg zu bleiben hat. Falls er keinen habe, der für ihn einkauft, solle er sich an den Einkaufsservice des Seniorenbüros der Stadt Backnang wenden.

Am letzten Tag vor Ende der 14-tägigen Quarantäne lag die 25-jährige Frau tot in der Wohnung.

Verstorben an fünf wuchtigen Stichen mit einem Ausbeinmesser in den Bauch und in den Rücken, wie die Gerichtsmedizin feststellte. Vom Angeklagten fehlte jede Spur, bis er auf der Landesstraße zwischen Großbottwar und Großaspach einen Unfall hatte. Im nahen Hardtwald von der Polizei gestellt, soll er eine Bemerkung gemacht haben, welche die dortigen Polizeibeamten dazu veranlasste, die Wohnung in Backnang zu durchsuchen. Sie stießen gegen 17 Uhr auf die Leiche der 25-Jährigen.

Der mutmaßliche Mörder wurde nach seiner Festnahme ins Rems-Murr-Klinikum gebracht, wo die Ärzte eine Intoxination mit den Schmerztabletten Ibuprofen und Paracetamol feststellten, die der Mann „vermutlich in suizidaler Absicht“ an sich vorgenommen haben könnte. Eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit, die der 29-Jährige bei den Angaben zu seiner Person anführte, ergaben die Blutproben eher nicht. Im Strafverfahren lief er zunächst unter falschem Namen als Syrer, bis die Ermittler seine wahre Identität herausfanden.

In fünf Jahren Deutschland habe er ein gutes Leben gehabt

Aus niedrigen Beweggründen seine Frau ermordet zu haben, wie es in der Anklagte steht, bestreitet der Backnanger. Was der Gerichtspsychiater, Dr. Peter Winckler, über seine Person herausgefunden hat: Der Angeklagte stammt aus einer siebenköpfigen Familie aus einem türkischen Westgebiet, in dem überwiegend Kurden leben. Er ging, nachdem er zusammen mit einem Bruder in Istanbul angeblich für einen Backnanger Diebstähle gegen Bezahlung begangen hat und in Istanbul sowohl in einem herkömmlichen als auch in einem Sicherheitsgefängnis saß, nach Deutschland. Mit einem Freispruch, wie er vor der Stuttgarter Justiz beteuert. In fünf Jahren Deutschland habe er ein gutes Leben gehabt und dreieinhalb Jahre lang ununterbrochen gearbeitet.

„Es ist alles gelogen, was er sagt“

„Es ist alles gelogen, was er sagt“, kommentierte der Vater des Opfers als Nebenkläger die Angaben des Beschuldigten zu seiner Person. Der vorsitzende Richter Norbert Winkelmann ließ Briefe verlesen, die der 29-Jährige aus dem Untersuchungsgefängnis Stuttgart-Stammheim an jeden einzelnen seiner Familienmitglieder verschickt hat. Darin hieß es unter anderem, er sei bei der Tat betrunken gewesen und habe „keine Ahnung“, warum er das getan habe. „Im Zustand des Wahsinns“ habe er etwas getan, was er zutiefst bereue. Glücklich zu sein, sei jedermanns Recht, aber manche Menschen würden es eben nicht schaffen, von diesem Recht Gebrauch zu machen.

„Wer sich von der Herde trennt, wird vom Wolf gefressen, so wie es mir passiert ist“, schrieb der Backnanger an seine Eltern und bat um Zusendung von Familienfotos nach Stammheim, wo es ihm mittlerweile ganz gut gehe.

„Ich habe etwas sehr Schlimmes getan und bin im Gefängnis"

Aus dem Brief des Beschuldigten an sein „Schwesterherz“: „Ich habe etwas sehr Schlimmes getan und bin im Gefängnis, weil ich einer Dame etwas angetan habe.“ Vor Gericht behauptet der Beschuldigte im Übrigen, er sei nie verheiratet gewesen. Dazu, ob er die 25-Jährige aus Rache umgebracht hat, weil sie ihn wegen seiner falschen Identität bei der Polizei angezeigt hat, schweigt er sich bislang auch aus.

Der 29-jährige mutmaßliche Mörder, der nach islamischem Recht mit dem 25-jährigen Opfer verheiratet war und vor dem Stuttgarter Landgericht bislang nicht mehr als dessen „Tötung im Affekt“ zugegeben hat, stand vor der Tat unter Corona-Quarantäne. Das hat sich am zweiten Verhandlungstag herausgestellt.

Unter falscher, syrischer Identität Asyl beantragt

An der Kaltmiete von 350 Euro gemessen, muss der Türke, der in Deutschland unter falscher, syrischer Identität Asyl beantragt

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