Rems-Murr-Kreis

Frau und Kind in Allmersbach im Tal getötet: Ex-Partner legt Geständnis ab

Beziehungstat, Mutter und Tochter ermordert von Exfreund der Mutter, Im Wacholder, Allmersbach-Heutensbach, 21.06.2020.
Spurensicherung am Tatort in Allmersbach im Tal. © Benjamin Beytekin

Nach der Tötung einer 41-Jährigen und deren neunjähriger Tochter in Allmersbach im Tal hat der 36-jährige Ex-Partner der Frau die Tat gestanden. Zum mutmaßlichen Motiv machte die Polizei am Montag keine näheren Angaben: „Die Ermittlungen dauern an.“

Der 36-jährige mutmaßliche Täter ist laut Polizeisprecher Holger Bienert „nicht polizeibekannt“. Der Mann soll in der Nacht auf Sonntag in Allmersbach im Tal seine frühere Lebensgefährtin und deren neunjährige Tochter getötet haben.

Trauerzimmer an der Grundschule eingerichtet

An der Grundschule „Im Wacholder“ in Allmersbach im Tal beginnt jene Klasse, der das neunjährige Mädchen angehörte, erst kommende Woche wieder mit dem Unterricht. Die Schule hat noch am Sonntag ein Trauerzimmer eingerichtet für alle, die des toten Mädchens gedenken möchten oder mit jemandem über das Verbrechen reden wollen. Im Trauerzimmer sind Seelsorger oder Psychologen von der Schulpsychologischen Beratungsstelle als Ansprechpartner vor Ort, berichtet Schulamtsleiterin Sabine Hagenmüller-Gehring. Noch am Sonntag hatte sie Kontakt mit der Leiterin der Grundschule und der Schulpsychologischen Beratungsstelle aufgenommen und lange mit den Leiterinnen beraten, wie die Kinder an der Schule in dieser Situation begleitet werden können. Die Schulpsychologische Beratungsstelle kümmert sich um die Schulgemeinschaft, heißt es auf Anfrage.

Die Frau wird als herzensgut und hilfsbereit beschrieben

Die 41-Jährige und ihre Tochter galten in Allmersbach im Tal als beliebt und bestens ins Gemeindeleben eingebunden. Die Frau wird als herzensgut, lebensbejahend und hilfsbereit beschrieben; beide Eltern hätten sich auch nach der Trennung liebevoll um die Tochter gekümmert.

Vor etwa drei Monaten hatte die Frau offenbar den fünf Jahre jüngeren Mann kennengelernt, der nun als mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft eingeliefert worden ist. Erst vor einigen Tagen hatte die Frau die Beziehung zu diesem Mann beendet – zumindest nach außen hin ohne Streit, wie es aus dem Umfeld heißt. Dem Vernehmen nach hatte die Frau sich getrennt, weil sie sich wünschte, der Mann möge zunächst eigene Probleme lösen.

Beziehungstat vor rund vier Monaten: 55-Jährige stirbt

Was genau in der Nacht von Samstag auf Sonntag passiert ist, wird anhand der Spurenlage zu klären sein. In welcher Ausführlichkeit der Beschuldigte sich zum Tatvorwurf äußert, bleibt im Zuge der Ermittlungen zunächst geheim.

Die letzte mutmaßliche Beziehungstat im Rems-Murr-Kreis liegt erst knapp vier Monate zurück. Anfang März hatte die Polizei eine 55-jährige Frau in einer Wohnung in Rudersberg tot aufgefunden. Ihr Lebenspartner, mit dem sie dort zusammenlebte, wurde wegen dringenden Tatverdachts festgenommen.

Zu einer zehnjährigen Haftstrafe wurde im Februar dieses Jahres ein 31-Jähriger verurteilt. Er hatte gestanden, Anfang Juli 2019 seine ehemalige Freundin erwürgt zu haben. Die Leiche der Frau wurde erst Tage später an der Rems gefunden.

Beziehungstaten: In  Deutschland alle paar Tage

Wegen eines Formfehlers wird derzeit ein Mordfall neu verhandelt, der ebenfalls in die Kategorie Beziehungstat fällt. Ein heute 25-Jähriger hatte im Herbst 2017 seine damals 22-jährige frühere Lebensgefährtin und Mutter seines Sohnes in Backnang-Strümpfelbach getötet. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, und das Landgericht bescheinigte dem Mann eine besondere Schwere der Schuld. In der zweiten Auflage des Prozesses soll das Landgericht Näheres zum Motiv klären und zur Frage, ob die Tat juristisch als Mord oder als Totschlag zu betrachten ist.

122 Frauen und 26 Männer sind in Deutschland 2018 innerhalb von (Ex-)Partnerschaften getötet worden. Dies geht aus einem Bericht des Bundeskriminalamtes hervor.

Mutmaßungen zu den Gründen für diese Taten

Vergangenes Jahr kam es weltweit zu Protesten gegen Femizide, also Morden an Frauen wegen ihres Geschlechts. In welchen Zusammenhängen der Begriff „Femizid“ angebracht ist oder nicht, ist umstritten.

Zu den Gründen für einen Mord innerhalb oder nach dem Ende einer Partnerschaft gibt es viele Mutmaßungen. Fürsorge und Sich-Kümmern werden noch immer als eher weibliches Verhalten angesehen, und es gebe Männer, die einen Anspruch darauf zu haben glauben. Bleibt die Zuwendung aus, kommt es gar zu Zurückweisung und Trennung, reagiert eine bestimmte Personengruppe offenbar potenziell mit Gewalt.

Nach der Tötung einer 41-Jährigen und deren neunjähriger Tochter in Allmersbach im Tal hat der 36-jährige Ex-Partner der Frau die Tat gestanden. Zum mutmaßlichen Motiv machte die Polizei am Montag keine näheren Angaben: „Die Ermittlungen dauern an.“

Der 36-jährige mutmaßliche Täter ist laut Polizeisprecher Holger Bienert „nicht polizeibekannt“. Der Mann soll in der Nacht auf Sonntag in Allmersbach im Tal seine frühere Lebensgefährtin und deren neunjährige Tochter getötet

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