Rems-Murr-Kreis

Frauen geschlagen und beleidigt: Zehn Monate Haft für 47-Jährigen aus Backnang

Kopie von Amsgericht Waiblingen
Das Amtsgericht Waiblingen hat den Backnanger zu zehn Monaten Haft verurteilt. © Benjamin Büttner

Kaum aus der Haft entlassen, ging es mit Beleidigungen und Körperverletzungen schon wieder los: Vor diesem Hintergrund wollte das Waiblinger Amtsgericht einen Backnanger nicht zum dritten Mal in eine Entziehungsanstalt einweisen. Der Mann zeigte weder eine Krankheitseinsicht noch war er sich bewusst darüber, was er fremden Personen – ausschließlich Frauen – auf seiner Jagd nach Alkohol angetan hatte.

Aus sechs Monaten Untersuchungshaft in den Gerichtssaal geführt, musste der 47-Jährige mit seinem Urteil von zehn Monaten Strafhaft gleich wieder dorthin zurück, wo er herkam: in die Justizvollzugsanstalt Stammheim. Richterin Figen Basoglu-Waselzada, die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und der Gerichtspsychiater Hermann Ebel versuchten vergeblich, vom Angeklagten zu erfahren, warum er jedes Mal wieder beleidigt und nach anderen schlägt, sobald er aus der Haft entlassen wird.

Nur zwei Tage nach der letzten Entlassung am 19. August vergangenen Jahres spielte sich in Backnang Folgendes ab: Der aus Russland stammende deutsche Staatsangehörige ging in einen Supermarkt in der Sulzbacher Straße, köpfte mitten im Laden eine Flasche Wodka sowie eine Flasche Limonade und wollte damit wohl seine Haftentlassung feiern, als eine 26-jährige Verkäuferin einschritt. Der Angeschuldigte schlug sie mit der Faust, die Frau ging zu Boden. Als sie sich wieder aufgerappelt hatte, schlug ihr der Mann erneut ins Gesicht.

Polizistinnen sexistisch beleidigt

Eine Polizistin vom Backnanger Revier beleidigte der Mann danach sexistisch. Ihre Kollegin wurde ebenfalls beschimpft. Verteidiger Bernd Kiefer gab für seinen Mandanten eine geständige Erklärung über die zwei Körperverletzungen an der 26-jährigen Verkäuferin und die Beleidigungen der 47- und 22-jährigen Polizeibeamtinnen ab.

Gearbeitet hat der Backnanger seit dem Jahr 2013 nichts mehr. Bei ihm hatten Gutachter schon zweimal eine Alkoholabhängigkeit festgestellt, worauf gerichtliche Einweisungen in Entziehungsanstalten folgten, die beide vorzeitig abgebrochen wurden. Auch Psychiater Ebel versuchte, den Backnanger in der U-Haft zu untersuchen, doch dieser öffnete sich ihm nicht.

Der Angeschuldigte war voll schuldfähig, als er die Polizeibeamtinnen beleidigte – bei den Faustschlägen gegen die Verkäuferin war er mit über drei Promille in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt. Nach über einem Jahr Gefängnis, so der auf forensische Psychiatrie spezialisierte Gutachter, habe der Backnanger sofort wieder die erste Gelegenheit genutzt, um an Alkohol zu kommen.

Nach zwei gescheiterten Aufenthalten in Entziehungsanstalten sehe er nicht unbedingt Hoffnung auf den Erfolg eines dritten, sondern vielmehr die Gefahr weiterer Straftaten, wenn der Backnanger auf freien Fuß kommt. Es handle sich um eine Person, bei der die Decke ziemlich dünn sei, analysierte der Experte auch das Prozessverhalten des Angeklagten und warnte im Gerichtssaal: „Etwas schärfer befragt, würde er sofort durch die Decke gehen.“

Keine weitere Entziehungskur 

Immer wieder Ladendiebstähle, Körperverletzungen und Beleidigungen: 19 Einträge umfasst das Vorstrafenverzeichnis. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf elf Monate Gefängnis, der Verteidiger auf eine bewährungsfähige Strafe. Letzterer sah in Sachen Sozialisierung in einer „bloßen Verwahrung“ seines Mandanten weniger Sinn als in der Hilfe beim Entzug.

Richterin Basoglu-Waselzada sah am Ende keine Möglichkeit, eine Bewährung oder gar eine dritte Therapie auf Staatskosten zu geben. Der Backnanger hatte sich im aktuellen Fall zwar bei allen Frauen entschuldigt, aber in der Vergangenheit keine Bewährungen durchgestanden. In der Urteilsbegründung heißt es: „Zu einer nochmaligen Chance reicht es nicht. Ich habe eher die Befürchtung, dass sich das Szenario fortsetzt. Wenn jemand so uneinsichtig und so unwillig ist, halte ich eine nochmalige Therapie auf Staatskosten für sehr zweifelhaft.“

Kaum aus der Haft entlassen, ging es mit Beleidigungen und Körperverletzungen schon wieder los: Vor diesem Hintergrund wollte das Waiblinger Amtsgericht einen Backnanger nicht zum dritten Mal in eine Entziehungsanstalt einweisen. Der Mann zeigte weder eine Krankheitseinsicht noch war er sich bewusst darüber, was er fremden Personen – ausschließlich Frauen – auf seiner Jagd nach Alkohol angetan hatte.

Aus sechs Monaten Untersuchungshaft in den Gerichtssaal geführt, musste der

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