Rems-Murr-Kreis

Freiwillig an die „Coronafront“: Warum ein Mitarbeiter des Landratsamtes im Schnelltestzentrum aushilft

Lebensmittelkontrolleur
Gerhard Holzwarth ist von Haus aus Lebensmittelkontrolleur: Derzeit ist er aber an der „Coronafront“ und überwiegend im Schnelltestzentrum in Winnenden tätig. © Diana Feuerstein

Gerhard Holzwarth ist Teamleiter im „Amt für Veterinäres und Lebensmittelüberwachung Rems-Murr“, das im Waiblinger Landratsamt angesiedelt ist. In normalen Zeiten ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Hygienevorschriften eingehalten, Lebensmittel sachgerecht gelagert und verarbeitet werden, so dass von ihnen keine Gefahr für die Gesundheit, Leib und Leben der Verbraucher ausgeht.

In „normalen Zeiten“. Seit 9. November verbringt Holzwarth zwischen 60 und 70 Prozent seiner Arbeitszeit im Corona-Schnelltestzentrum, das der Rems-Murr-Kreis gemeinsam mit den Rems-Murr-Kliniken und dem DRK-Kreisverband im Winnender Klinikum eingerichtet hat.

„Landratsamt und Rathäuser sind eine kommunale Familie“

Und er sei nicht der einzige Mitarbeiter des Landratsamtes, der sich neben seiner Tagesarbeit freiwillig an der „Coronafront“ einbringt. Mehr als hundert Beschäftigte des Landratsamts, ergänzt Martina Keck, die Pressesprecherin des Landratsamtes, waren Anfang Dezember direkt in der Pandemiebekämpfung eingesetzt, dazu weitere 26 aus der „Kreisfamilie“, also aus der Kreissparkasse oder aus dem nichtmedizinischen Bereich der Kliniken.

Sie unterstützen zum Beispiel die Mitarbeiter des Gesundheitsamts oder die 21 „Kümmerer“, die den Kontakt zwischen Landratsamt und Gemeinden pflegen und den Rathäusern bei Engpässen und hohen Fallzahlen unter die Arme greifen. „Landratsamt und Rathäuser sind eine kommunale Familie“, so Keck, „und Familie heißt zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen!“

Es sei wichtig, Prioritäten zu setzen, erklärt Keck. Und dies sei im Augenblick die Bekämpfung der Pandemie. Dies könnten die Bürger von ihrer Verwaltung erwarten. Daneben müsse aber selbstverständlich auch das Tagesgeschäft weitergehen. Diese Doppelbelastung sei nur möglich, weil die Kolleginnen und Kollegen sich gegenseitig unterstützten und auffingen, miteinander praktische Solidarität lebten. So würde das Gesundheitsamt auch die Wochenenden über „durchrödeln“, während es von Mitarbeitern des Jugendamts an der Hotline entlastet werde, die bedingt durch ihre Erfahrung das nötige Gespür mitbringen, um mit Rat- und Hilfesuchenden umzugehen. Mitarbeiter aus dem Umweltamt wiederum würden die Terminplanung im Testzentrum organisieren.

Das Corona-Schnelltestzentrum wurde eingerichtet, erklärt Keck, damit Reihentestungen in Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen durchgeführt werden können, ohne dabei die Ärzte im Kreis mit Aufgaben zu überlasten. Es arbeite in enger Abstimmung mit der Kreisärzteschaft und dem Backnanger Schulamt, zusätzlich zu den Coronatests in den Corona-Schwerpunktpraxen im Landkreis, der Schorndorfer Corona-Ambulanz und dem Infektionsmobil, das direkt an den Brennpunkten der Pandemie zum Einsatz komme.

Holzwarth: Viele Kinder sind eingschüchtert und haben Angst

Holzwarth und seine Teamkolleginnen und -kollegen empfangen im Zentrum die Personen, die zum Test kommen, nachdem sie von ihrer Schule oder Betreuungseinrichtung angemeldet wurden, registrieren sie und schicken sie zu den Rotkreuzmitarbeitern weiter, die dann den Schnelltest vornehmen. Nach ungefähr zwanzig Minuten liege das Ergebnis vor. „Zeitnah und schnell weiß man bereits, was Sache ist, so kann man verhindern, dass die Pandemie aus dem betroffenen Personenkreis hinausgetragen und weiter verbreitet wird“, erklärt Holzwarth. „Was meine Kollegen und ich hier für die Kinder tun, das tun wir letztendlich auch für uns selbst, damit wir alle so gut es geht aus dieser Ausnahmesituation herauskommen.“ Bei seinen Klienten handle es sich um Kinder, oftmals vier, fünf Jahre alt.

Viele von ihnen seien eingeschüchtert, hätten Angst, ihre Eltern seien besorgt. „Wir selbst tragen selbstverständlich FFP2-Masken, sind aber in normaler Straßenkleidung. Aber dann werden die Kinder an die Rot-Kreuz-Mitarbeiter im Vollschutzanzug weitergeleitet, da kann man sich gut vorstellen, dass es dabei nicht nur um Verwaltung und Datenerhebung geht. Dann sind Fingerspitzengefühl und Behutsamkeit gefragt“. Es müsse erklärt werden, beruhigt, Angst genommen. Und das galt selbstverständlich auch an „Spitzentagen“ mit fast 200 Tests. Da benötige man Stressresistenz, auch bei einem entsprechenden Lärmpegel.

Angst, sich selbst anzustecken?

Entschädigt werde man dann, wenn einem während eines Einsatzes im Besuchertestzentrum des Klinikums ein junger Mann erkläre, was für ein Stein ihm von der Seele genommen wurde, als er erfuhr, dass er selbst negativ sei und sich nun keine Sorgen um seine Frau machen müsse, die der Entbindung entgegengehe. Oder wenn man miterlebe, wie glücklich eine alte Dame sei, die nun keine Angst mehr hat, dass sie ihren Mann nicht mehr besuchen darf, der stationär liegt.

Angst, sich während seines Einsatzes selbst anzustecken, habe er keine, betont Holzwarth. Hinter der FFP2-Maske sei er geschützt, dank eines hervorragend ausgetüftelten Systems dauere die Datenerfassung und -eingabe lediglich zwei, drei Minuten.

Selbstverständlich habe man die Warn-App aufs Handy aufgespielt, achte man auf Abstände, und die Einrichtung verfüge über ein detailliertes Hygienekonzept. In den Pausen werde desinfiziert und durchgelüftet. „Die Maske fehlt nie, denn schließlich möchte ich mit meiner Frau und meinen Kindern gesund Weihnachten feiern. Und wenn ich Angst hätte, dass ich mich angesteckt habe, dann wäre ich hier ja genau am richtigen Ort, um einen Schnelltest machen zu lassen“, lacht Holzwarth.

Aber natürlich hätten sie in der Familie ausführlich und offen über seine Arbeit im Testzentrum gesprochen. Wie lange sein freiwilliger Einsatz im Schnelltestzentrum noch dauern wird? Das sei wohl die große Frage. Über die Ferien werde es wohl etwas ruhiger werden, danach könne sich die Situation möglicherweise wieder verschärfen. „Wir im Landratsamt lassen es auf uns zukommen und stehen bereit“, so Holzwarth.

Dieser Artikel ist bereits am 10. Dezember 2020 in der ZVW-Beilage "Solidarität - So stark ist der Rems-Murr-Kreis" erschienen.

Gerhard Holzwarth ist Teamleiter im „Amt für Veterinäres und Lebensmittelüberwachung Rems-Murr“, das im Waiblinger Landratsamt angesiedelt ist. In normalen Zeiten ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Hygienevorschriften eingehalten, Lebensmittel sachgerecht gelagert und verarbeitet werden, so dass von ihnen keine Gefahr für die Gesundheit, Leib und Leben der Verbraucher ausgeht.

In „normalen Zeiten“. Seit 9. November verbringt Holzwarth zwischen 60 und 70 Prozent seiner

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper