Rems-Murr-Kreis

Funklöcher im Rems-Murr-Kreis: Wo hakt die Netzabdeckung tatsächlich?

Funklöcher im Rems-Murr-Kreis
Weiße Flecken, graue Flecken: Das mobile Telefonieren ist nicht überall im Rems-Murr-Kreis möglich. © Büttner

Die Mobilfunkabdeckung im Rems-Murr-Kreis ist schlecht? Der Kreis steht, heißt es aus der Pressestelle des Innenministeriums, das auch für die Digitalisierung zuständig ist, viel besser da als der Landesdurchschnitt. Es gibt, um das kontrollieren zu können, mehrere Karten. Diese aber sind erstens nicht deckungsgleich, zweitens schwer zu interpretieren. Und drittens, na ja, können sie stimmen?

Funklöcher im Rems-Murr-Kreis: Viel weniger als im Rest von Deutschland

Ralf Nentwich, Landtagsabgeordneter der Grünen aus dem Rems-Murr-Kreis, hat eine Umfrage zur Mobilfunkabdeckung gemacht und festgestellt: In seinem Wahlkreis Backnang gibt es „viele Funklöcher“. Für die anderen Flächen im Kreis vermutet er: Je weiter man von den Bundesstraßenachsen und der dichten Besiedelung wegkommt und ins Ländliche gerät, desto schlechter wird’s wohl sein. Wie in den Gegenden um Backnang, Murrhardt, Berglen, Welzheim und Alfdorf halt auch.

Das aber, so legt es die Antwort auf die Anfrage ins Innenministerium nahe, könne den aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur zufolge – Stand Oktober 2022 – so schlimm nicht sein. Der Anteil an den sogenannten „weißen Flecken“, wo es gar keinen Empfang gibt, läge im Rems-Murr-Kreis bei 1,95 Prozent. Wer’s anschaulicher haben will: Der Rems-Murr-Kreis hat eine Fläche von 858 Quadratkilometern. 1,95 Prozent davon sind 16,73 Quadratkilometer.

Dann gibt’s auch noch die „grauen Flecken“. Das sind die Gebiete, in denen nur ein einziger Anbieter ein Netz zur Verfügung stellt. Die Kunden der anderen Anbieter haben keinen Empfang. Die grauen Flecken nähmen, so die Pressestelle des Innenministeriums, einen Anteil von 19,86 Prozent der Rems-Murr-Kreis-Fläche ein. Das sind 170,39 Quadratkilometer.

Gar nichts geht auf gut vier Prozent der Fläche

Im Landesdurchschnitt dagegen, so die Pressestelle, läge der Anteil an weißen Flecken, wo gar nichts geht, bei 4,26 Prozent, und der Anteil an grauen Flecken, wo für viele gar nichts geht, bei 24,95 Prozent.

Stellt sich da die Frage, was das Gejammer soll? Na ja, all jene, die sich hauptsächlich in den Ballungsgebieten tummeln, tun das Problem vermutlich als vernachlässigbar ab. Ist’s denn wirklich so schlimm, dass hinter den Hörschbachwasserfällen mitten im Murrhardter Wald kein Netz zu haben ist? Muss man denn in der freiwillig aufgesuchten unberührten Natur unbedingt telefonieren?

Es ist aber nicht nur der tiefe Wald, der mobilfunkmäßig schlecht daherkommt. Sagen zumindest Menschen, die mit dem Handy unterwegs sind und hier und dort den Netzanschluss verloren haben. Aber wo hakt’s denn jetzt tatsächlich?

Wo ist 5G verfügbar?

Die Bundesnetzagentur bietet mit ihrem „Breitbandatlas“ eine Übersicht über den Grad der Mobilfunkversorgung. Der Atlas arbeitet mit Grüntönen. Dunkelgrün steht für 5G. Das scheint im Bereich rund um Schorndorf, entlang der B 29 bis nach Waiblingen und Fellbach verfügbar zu sein. Genauso von Waiblingen die B-14-Route entlang bis Winnenden, weiter nach Backnang, Allmersbach und Auenwald. Im Ring rund um diese Gegend – Steinach, Hößlinswart, Oppelsbohm, Sechselberg und an Sulzbach vorbei gibt’s dieser Karte nach 4G. 2G – das Grün wird immer heller – in einigen Löchern zwischen Klaffenbach bis Breitenfürst, bei Hintersteinenberg, im Gäu um Spiegelberg, Sulzbach und Murrhardt.

Wer auf dieser Karte nach den „Unversorgt“-Stellen sucht, weiß dargestellt, braucht eine Lupe. Es gibt sie bei Oberrot, Spiegelberg, Hintersteinenberg, Urbach. Gefilde, die kaum zu benennen sind, irgendwelche Gewanne. Kann das echt sein?

Wer’s genauer wissen will und vielleicht auf den Breitband-Monitor der Bundesnetzagentur geht, um dort dann das Mobilfunk-Monitoring anzuklicken, findet eine bunte Karte. Im Großen und Ganzen stimmen deren Angaben mit dem Breitbandatlas überein. Die weißen Flecken allerdings sind, so scheint’s, im Rems-Murr-Kreis vollkommen eliminiert. Einfach nicht zu finden. Nicht einmal in der die Farben erklärenden Kartenlegende. Ist das glaubwürdig?

Netzverfügbarkeit per App erfassen

Bleibt noch der Versuch mit der Funkloch-App und der Karte von Breitbandmessung.de. Wird übrigens auch wieder von der Bundesnetzagentur angeboten. Handynutzer können mit Hilfe der Funkloch-App die Netzverfügbarkeit ihres Mobilfunkanbieters erfassen, Funklöcher ermitteln und die Daten an den Anbieter übermitteln. Die Daten fließen dann in eine Karte ein.

Die Karte zur Netzabdeckung für den Rems-Murr-Kreis zeigt dann: ganz viel Fliederlila. Das steht für 4G. Ein paar Fleckchen 5G in Orange. Auch ein paar Fleckchen Himmelblau – 2G. Einige offenbar von Handynutzern noch nicht aufgesuchte und durchgecheckte Orte in der Landschaft. Die sind ohne Farbhinterlegung. „Kein Empfang“ – zartgrün – gibt’s nicht. Jedenfalls nicht im Rems-Murr-Kreis. Seltsam. Wo sind die 16,73 Quadratkilometer Empfangslosigkeit? Und die 170,39 Quadratkilometer Fast-Empfangslosigkeit? Wird hier was schöngefärbt? Oder spinnen all die, die bei Nentwichs Umfrage mitgemacht haben?

Fördermittel für Mobilfunkanbieter

Die Verantwortung für den Ausbau der Mobilfunknetze läge in den Händen der privaten Mobilfunknetzbetreiber, schreibt die Pressestelle des Innenministeriums. Das ist seit dem Jahr 1998 so. Da wurde der Mobilfunkmarkt „liberalisiert“. Die Bundesnetzagentur habe aber die Mobilfunkunternehmen „zu einem sehr weitgehenden Ausbau verpflichtet“. Dazu gehöre auch, dass 500 weiße Flecken zu schließen seien. Die Mobilfunkanbieter müssen übrigens nicht alle Erschließungen aus eigener Tasche bezahlen – es gibt auch Fördermittel.

Im Rems-Murr-Kreis, so die Pressestelle weiter, wird zurzeit bei drei Gebieten ein „Markterkundungsverfahren“ durchgeführt. Man erkundet, ob und wie Mobilfunknetzbetreiber auf eigene Kosten ausbauen werden. Es geht um Gebiete rund um Großerlach, Murrhardt, Sulzbach und Kaisersbach. Am 15. Dezember sollen die Verfahren abgeschlossen sein. Schau ‘mer mal.

Die Mobilfunkabdeckung im Rems-Murr-Kreis ist schlecht? Der Kreis steht, heißt es aus der Pressestelle des Innenministeriums, das auch für die Digitalisierung zuständig ist, viel besser da als der Landesdurchschnitt. Es gibt, um das kontrollieren zu können, mehrere Karten. Diese aber sind erstens nicht deckungsgleich, zweitens schwer zu interpretieren. Und drittens, na ja, können sie stimmen?

Funklöcher im Rems-Murr-Kreis: Viel weniger als im Rest von Deutschland

Ralf

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