Rems-Murr-Kreis

Funkloch neben Funkloch: So schlecht ist das Mobilfunknetz im Rems-Murr-Kreis

Mobilfunk
Dieser Mast stopft seit neuestem das Funkloch im Sandland bei Kaisersbach. © Benjamin Büttner

Wäre Telefonie wie der Golfsport, könnten sich Handynutzer im Rems-Murr-Kreis freuen: Es gibt hier viele Löcher. Funklöcher. Diese allerdings sind nicht Anlass zu Jubel, sondern tatsächlich ein Desaster. Der Notruf 112? CB-Warnungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe? Dort alles Fehlanzeige. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Ralf Nentwich hat die Löcher in seinem Wahlkreis aufgelistet. Sieht nicht gut aus.

Im Wahlkreis Backnang gibt's noch viele Funklöcher

Ralf Nentwich, Grünen-Landtagsabgeordneter, hat eine Umfrage in seinem Wahlkreis gemacht. Es ist der Wahlkreis Backnang, der die Gemeinden Alfdorf, Allmersbach im Tal, Althütte, Aspach, Auenwald, Backnang, Berglen, Burgstetten, Großerlach, Kaisersbach, Kirchberg an der Murr, Murrhardt, Oppenweiler, Spiegelberg, Sulzbach an der Murr, Weissach im Tal und Welzheim umfasst. Ein zwar großteils recht ländliches, nichtsdestotrotz großes Gebiet.

Nentwich stellt fest: „Trotz aller Aktivitäten zur Digitalisierung und zum Ausbau der Mobilfunknetze gibt es in der Region immer noch viele Funklöcher.“ Und dabei sei doch die flächendeckende Versorgung mit schnellem Mobilfunk heute „Teil der notwendigen Infrastruktur“. Die Mobilfunk-Abdeckung sei, sagt Nentwich, sowohl für Unternehmen als auch die Bevölkerung ein wichtiger Standortfaktor. Und in Krisen- und Pandemiezeiten sei sie „unentbehrlich“.

Soll bald kommen: Katastrophenwarnungen übers Handy

Tatsächlich: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe will – die Flutkatastrophe im Ahrtal mit ihren vielen Toten war ein Anlass dazu – den Cell Broadcast einführen. Mit Cell Broadcast werden, so heißt es auf der Homepage des Amtes, Warnungen an viele Mobilfunkgeräte in einem Gefahrengebiet geschickt. Am Donnerstag, 8. Dezember, findet eine erste Probewarnung statt. Die Einführung ist, Stand jetzt, auf Ende Februar 2023 vorgesehen.

Wer mit einer Cell Broadcast-Warnung vor einer Lebens- oder sonstigen Gefahr gewarnt werden muss, muss sich im Bereich eines Mobilfunkmastes befinden. Der zentrale Verteiler der Funkzelle kann dann, so die Erklärung des Bundesamts, Warnmeldungen an alle Mobilfunkendgeräte versenden.

Wer sich beispielsweise auf der Verbindungsstraße zwischen Aspach und Altersberg oder auf der Kreisstraße zwischen Oppenweiler und Backnang-Steinbach, auf einer mehrere Kilometer langen Strecke zwischen Sulzbach und Fischbach oder in den Ortschaften Jux, Nassach, Kurzach, Großhöchberg oder Dauernberg befindet, wird von der Testwarnung am 8. Dezember nichts mitbekommen. Auch die Bereiche zwischen Welzheim, Laufenmühle und Klingenmühle bis Klaffenbach und Breitenfürst, Bausche, Eselshalden und Steinbruck seien, so beschreibt Nentwich die Erfahrungen jener, die auf seine Umfrage geantwortet haben, „ein einziges Funkloch“.

Aber es geht nicht nur um Warnungen, die viele bis sehr viele Menschen betreffen. Etwa Warnungen vor Unwetter, Feuer, Überschwemmungen und anderen Katastrophen. Auch ein einzelner Mensch in einer ganz individuellen und niemanden sonst betreffenden Not kann auf das Mobilfunknetz angewiesen sein. Was zum Beispiel macht jemand, der auf der Kreuzung bei der Mülldeponie Steinbach einen Unfall hat und dringend ärztliche Hilfe braucht? Oder ein Wanderer verunglückt bei den Wasserfällen hinter Murrhardt – was macht der oder sein Begleiter, wenn’s nicht mehr weitergehen kann? Dort im Wald ist die 112 vollkommen nutzlos.

Kein Arbeiten möglich auf der Murrbahn zwischen Murrhardt und Backnang

Ralf Nentwich findet’s auch ärgerlich, dass auf der Murrbahn-Strecke zwischen Murrhardt und Backnang mit Funknetz nicht viel los ist. Gerne würde er im Zug arbeiten. Geht nicht.

Wie es im restlichen Rems-Murr-Kreis aussieht? Im dicht besiedelten Bereich entlang von B 14 und B 29 wird’s keine Probleme geben. Je weiter der handynutzende Mensch jedoch ins Ländliche vordringt, desto mehr Probleme wird er haben, vermutet Nentwich. Das Land wolle diese blinden Flecken jetzt zwar angehen. Doch ob tatsächlich alle Funklöcher bekannt sind und ob Mittel zu deren Beseitigung eingeplant sind, ist noch offen. Nentwich hat beim zuständigen Landesminister Thomas Strobl eine Anfrage gestellt.

Wäre Telefonie wie der Golfsport, könnten sich Handynutzer im Rems-Murr-Kreis freuen: Es gibt hier viele Löcher. Funklöcher. Diese allerdings sind nicht Anlass zu Jubel, sondern tatsächlich ein Desaster. Der Notruf 112? CB-Warnungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe? Dort alles Fehlanzeige. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Ralf Nentwich hat die Löcher in seinem Wahlkreis aufgelistet. Sieht nicht gut aus.

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Im Wahlkreis Backnang gibt's noch viele

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