Rems-Murr-Kreis

Gasumlage kommt Stihl teuer zu stehen, Kärcher ist nicht so abhängig vom Gas

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Erdgas wird bei Stihl vor allem für die Gebäudebeheizung, aber auch für Produktionsprozesse gebraucht. © Benjamin Büttner

Beim Waiblinger Motorsägen-Hersteller Stihl resultiert ein Großteil des Energieverbrauchs aus der Nutzung von Erdgas. Die Gasumlage könnte deshalb teurer werden. Beim anderen Weltunternehmen des Rems-Murr-Kreises, Kärcher in Winnenden, spielt Gas weder für die Gebäudeheizung noch bei Produktionsprozessen eine zentrale Rolle. Stihl erarbeitet zudem derzeit einen Notfallplan für das Szenario eines Mangel- und Teuerungswinters, während Kärcher entspannter ins zweite Halbjahr gehen kann.

Ein Drittel des Energieverbrauchs bei Stihl entfällt auf Erdgas

„Rund 32 Prozent unseres gesamten Energieverbrauchs entfällt auf Erdgas, das vor allem für Gebäudebeheizung genutzt wird. 2021 haben wir weltweit 160 GWh verbraucht“, sagt Hien Nguyen, Referentin Externe Kommunikation der Andreas Stihl AG & Co. KG.

Grundsätzlich sei Stihl, wie auch andere Unternehmen, von steigenden Energiepreisen betroffen, ergänzt Sabrina Haufler, ebenfalls Referentin für externe Kommunikation. Die ab dem 1. Oktober 2022 geplante Gasumlage werde auch bei Stihl zu spürbaren Auswirkungen bei den Energiekosten führen, diese würden derzeit intern genau analysiert und quantifiziert.

Gasumlage wird teuer für Stihl

Von den weltweit 2021 verbrauchten 160 GWh entfiel auf die Stihl-Standorte in Deutschland ungefähr die Hälfte. Das wären 80 GWh jährlich und durchschnittlich 6,6 GWh (6,6 Millionen kWh) pro Monat. Theoretisch könnten also ab Oktober bei einer angekündigten Gasumlage von 2,419 Cent für jede genutzte, aus Gas gewonnene Kilowattstunde monatliche Mehrkosten von 16.126.665 Cent anfallen: 161.266 Euro. Soweit zumindest die ungefähre Vorab-Rechnung, aber genaue und verlässliche Zahlen sind noch nicht bekannt. Und: Vielleicht wird es doch noch zu Entlastungen für Unternehmen kommen. . .

Der Gasverbrauch bei Stihl in Deutschland verteilt sich im Wesentlichen auf unterschiedliche Prozesstechnologien wie zum Beispiel die Gießerei im Stihl Magnesium-Druckgusswerk in Weinsheim oder die Härterei in Waiblingen, sagt Sabrina Haufler. „Wir arbeiten kontinuierlich an Maßnahmen, um kurz- und langfristig sowohl den Energieverbrauch zu reduzieren als auch Erdgas durch nachhaltige Energieträger für die Versorgung der Werke – zumindest teilweise – zu substituieren.“

Zudem erarbeite das Unternehmen derzeit einen Notfallplan für den Winter 2022/23, um die Produktion im Falle eines Ausfalls oder Reduzierung der Gasversorgung bestmöglich aufrechtzuerhalten, sagt Hien Nguyen. Eine Reduzierung des Erdgasverbrauchs bis zu einem gewissen Umfang könnte durch die bereits vorbereiteten Maßnahmen mit Mehrkosten, aber ohne Produktionsstillstände, abgebildet werden, sagt Hien Nguyen.

„Ein Komplettausfall von Gas ohne Ersatz würde auch bei Stihl zu deutlichen Produktionskürzungen beziehungsweise teilweise zu Produktionsausfällen führen“, so Nguyen.

Kärcher ist im Vergleich zu Stihl unabhängiger von Erdgas

Viel weniger abhängig von Erdgas ist man beim Reinigungsgerätehersteller Kärcher in Winnenden. „In unserem gesamten Energieverbrauch hatte Erdgas im vergangenen Jahr einen Anteil von nur 13 Prozent“, sagt Sprecherin Anouk von Hochmeister. „Für die wenigen Fertigungsanlagen, die noch gasbetrieben sind, suchen wir bereits nach alternativen Antriebsarten.“

Kärcher habe im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie schon lange vor der kriegsbedingten Gasverknappung sein Energiemanagement neu ausgerichtet: „Unserem zentralen Ziel, unseren Energieverbrauch deutlich zu reduzieren, sind wir beispielsweise im vergangenen Jahr mit einer globalen Reduktion um 18 Prozent wieder ein Stück näher gekommen – das betraf vor allem fossile Energieträger.“

Zum anderen baue Kärcher gerade massiv die Infrastruktur für mehr selbst erzeugte Energie aus. „Dafür investieren wir dieses und nächstes Jahr allein in Deutschland einen siebenstelligen Betrag in Photovoltaikanlagen für die Dächer unserer Gebäude. Ansonsten heizen wir nahezu ausschließlich mit Holzhackschnitzeln, Pellets, Geothermie und Eisspeichern. Auch unsere älteren Gebäude haben wir durch entsprechende Sanierungen energetisch optimiert, womit wir die Aufwendungen für Energie um bis zu 75 Prozent senken konnten“, sagt Anouk von Hochmeister.

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Beim Waiblinger Motorsägen-Hersteller Stihl resultiert ein Großteil des Energieverbrauchs aus der Nutzung von Erdgas. Die Gasumlage könnte deshalb teurer werden. Beim anderen Weltunternehmen des Rems-Murr-Kreises, Kärcher in Winnenden, spielt Gas weder für die Gebäudeheizung noch bei Produktionsprozessen eine zentrale Rolle. Stihl erarbeitet zudem derzeit einen Notfallplan für das Szenario eines Mangel- und Teuerungswinters, während Kärcher entspannter ins zweite Halbjahr gehen

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