Rems-Murr-Kreis

Geflüchtete Kinder sollen Rems-Murr-Schulen besuchen: Eine Mammutaufgabe

Schule Lernen Rechtschreibung Grammatik Deutsch
Symbolbild. © Gabriel Habermann

Eine Mammutaufgabe ist zu schultern: Geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sollen möglichst schnell in die Schule gehen können, damit sie etwas Fuß fassen und eine Tagesstruktur haben. Die Kinder sprechen kein Deutsch, sie haben Schlimmes erlebt, und an den Schulen ist die Situation eh schon angespannt, weil Lehrer/-innen fehlen. Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Schulamts Backnang, schildert auf Anfrage dieser Zeitung, wie das Schulamt vorgeht:

Wie viele Kinder aus der Ukraine sind bereits in den Schulbetrieb im Rems-Murr-Kreis integriert?

Leider kann ich Ihnen aktuell noch keine konkreten und belastbaren Zahlen liefern. Erst seit diesem Montag steht den Schulen ein landesweites Abfragetool zur Verfügung, in das jede Schulleitung fortlaufend, spätestens aber bis Ende der Woche, die Zahl der aufgenommenen Schüler/-innen eintragen muss.

Aber es besuchen schon Kinder, die vor dem Krieg geflüchtet sind, Schulen im Rems-Murr-Kreis, oder?

Ja, seit Montag letzter Woche besuchen Kinder und Jugendliche aus der Ukraine Schulen im Schulamtsbezirk Backnang. Die Familien – meist sind es nur die Mütter – gehen häufig direkt auf die Schule am Ort zu. Andere rufen bei uns an, oder ihre Gastfamilien nehmen Kontakt mit uns auf. Sowohl die Schulen vor Ort als auch wir, insbesondere unsere Koordinierungsstelle „Bildungsangebote für Schülerinnen und Schüler aus Flüchtlingsfamilien“, gehen so vor, dass immer der Einzelfall betrachtet wird und in jedem Einzelfall entschieden wird, an welcher Schule das Kind aufgenommen werden und ein passendes Bildungsangebot erhalten kann.

Die Kinder haben eine schlimme Zeit hinter sich, sind von der Flucht und vom Krieg traumatisiert. Wie gehen die Lehrer/-innen damit um?

Der Umgang mit den traumatisierten Kindern ist eine große Herausforderung für unsere Schulen. Sie müssen gute Wege finden, um die ukrainischen Schülerinnen und Schüler unterrichten und begleiten zu können. Sie vor dem Hintergrund ihrer Schicksale in der Schule zu integrieren und ihnen Lernen zu ermöglichen, ist pädagogisch vermutlich die größte Aufgabe. Ich weiß, dass sich unsere Schulen darum viele Gedanken machen, und ich bin mir sicher, dass gute pädagogische Konzepte gefunden werden. Unterstützung gibt es über entsprechende Fortbildungen und über Angebote der schulpsychologischen Beratungsstellen.

Die Unterrichtsversorgung ist doch ohnehin schon auf Kante genäht. Wie schaffen Sie das, genügend Lehrpersonal zu finden?

Es ist für die Schulen und für uns eine sehr große Herausforderung, dass wir trotz äußerst angespannter Unterrichtsversorgung Lehrerressourcen finden müssen, die wir für die Bildungsangebote für die ukrainischen Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stellen können. Wir haben deshalb nochmals einen Appell an alle Schulleitungen gerichtet, dass sie uns bei der Gewinnung von weiteren Lehrkräften unterstützen und ihre Netzwerke nutzen, um infrage kommende Menschen zu erreichen und anzusprechen.

Neben den Lehrkräften mit erster und zweiter Staatsprüfung können für Vorbereitungsklassen auch Personen eingestellt werden, die beispielsweise nur die erste Staatsprüfung abgelegt haben. Auch Pensionäre können zum Einsatz kommen. Und wir hoffen natürlich auch auf Personen, die aktuell in Elternzeit sind oder die bereit sind, ihr Deputat aufzustocken. Wer einen Beitrag leisten kann, melde sich bitte in jedem Fall bei uns! Ganz unabhängig von der Gewinnung zusätzlicher Lehrkräfte versuchen wir, gemeinsam mit den Schulleitungen die vorhandenen Ressourcen umzubauen und so zu nutzen, dass weitere Bildungsangebote für die Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine geschaffen werden können.

Wie steht’s mit den Vorbereitungsklassen (VKL), also den Klassen, die Kinder ohne Deutschkenntnisse auf den Regelunterricht vorbereiten? Gibt es denn genügend Plätze momentan?

Zu Beginn des Schuljahres hatten wir weitaus mehr Vorbereitungsklassen geplant, als es heute gibt. Der Grund dafür ist natürlich die äußerst angespannte Situation in der Unterrichtsversorgung. Mit Zunahme der Ausfälle von Lehrkräften mussten wir, um den Pflichtunterricht in den Regelklassen abdecken zu können, auch auf die Lehrerressourcen in den Vorbereitungsklassen zurückgreifen. Es gab aber natürlich immer weiterhin Vorbereitungsklassen, die teilweise auch jetzt noch freie Plätze haben. Diese werden jedoch auf Dauer nicht ausreichen. Seit Beginn des Krieges versuchen wir, nun jene Vorbereitungsklassen, die aufgelöst werden mussten, wieder einzurichten und zusätzlich bedarfsorientiert neue zu bilden. Das Ganze ist momentan einer großen Dynamik unterworfen. Wenn ich von Vorbereitungsklassen spreche, dann bedeutet das allerdings nicht unbedingt, dass die Kinder über die ganze Unterrichtszeit in einer Lerngruppe sind. Die meisten Schulen nutzen diese Ressourcen so, dass sie die VKL-Kinder integrativ in den Regelklassen beschulen und die Stunden für den Deutschunterricht in kleinen Gruppen verwenden. Nur manche Schulen bilden separat geführte Vorbereitungsklassen.

Wäre es auch denkbar, eigene Klassen für geflüchtete Kinder einzurichten? Mit Lehrer/-innen aus der Ukraine?

Es gibt inzwischen schon Schulen, die eigene Klassen nur für ukrainische Schüler/-innen einrichten und ukrainische Lehrkräfte für die Klassenführung zum Einsatz kommen. Aktuell können wir ukrainische Lehrkräfte zwar noch nicht einstellen, aber sie können über andere Wege, zum Beispiel als Lehrbeauftragte, eingesetzt werden.

Zeitnah wird es dann wohl auch die Möglichkeit geben, ukrainische Lehrkräfte einzustellen, die die Einstellungsvoraussetzungen insbesondere in sprachlicher Hinsicht nicht erfüllen können. Sie können dann aber die ukrainischen Klassen in vielen Fächern in ukrainischer Sprache unterrichten. Das wäre eine große Entlastung im Hinblick auf die Ressourcenlage.

Welches sind jetzt die nächsten Schritte; die Situation wird sich ja aller Voraussicht nach nicht schnell entspannen?

Wir gehen davon aus, dass immer mehr Menschen aus der Ukraine zu uns kommen werden und stellen uns darauf ein, dass wir entsprechend viele Bildungsangebote an unseren Schulen bereithalten müssen. Den genauen Bedarf kennt natürlich derzeit niemand. Wir haben uns deshalb entschieden, sehr kurzfristig in allen sieben Raumschaften unseres Landkreises zu Besprechungen einzuladen. Teilnehmen werden Vertreter/-innen der Schulträger, die Geschäftsführenden Schulleitungen und die Schulleitungen, an deren Schulen aktuell eine VKL eingerichtet ist. Gemeinsam werden wir erörtern, wie viele Vorbereitungsklassen an welchen Schulen im nächsten Schuljahr eingeplant werden sollen und wie wir mit dem Bedarf im laufenden Schuljahr umgehen. Mit diesen Abstimmungsgesprächen wollen wir wegkommen von der derzeitigen Praxis, dass wir immer im Einzelfall agieren. Unser Ziel ist eine vorausschauende Planung, die allen mehr Sicherheit gibt.

Eine Mammutaufgabe ist zu schultern: Geflüchtete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sollen möglichst schnell in die Schule gehen können, damit sie etwas Fuß fassen und eine Tagesstruktur haben. Die Kinder sprechen kein Deutsch, sie haben Schlimmes erlebt, und an den Schulen ist die Situation eh schon angespannt, weil Lehrer/-innen fehlen. Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Schulamts Backnang, schildert auf Anfrage dieser Zeitung, wie das Schulamt

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