Rems-Murr-Kreis

Geht der Weg zum schnellen Internet im Rems-Murr-Kreis nicht noch etwas schneller?

breitbandkabel
Verlegung von Glasfaser in Winnenden-Nellmersbach. © Gaby Schneider

Home-Office, Videokonferenzen, Online-Unterricht an Schulen ... Wie schön wäre es, wenn der Internetanschluss leistungsfähiger wäre. Die Corona-Pandemie hat zwar den Trend zur Digitalisierung enorm beschleunigt. Mit dem Ausbau des Glasfasernetzes geht es nicht so rasch, wie es sich manche Menschen wünschen. In Abwandlung einer Volksweisheit über Gras wächst offenbar auch Glasfaser nicht schneller, wenn man daran zieht.

Der Breitbandausbau im Rems-Murr-Kreis schreitet voran und ist im Zeitplan. So lautete die Nachricht der Telekom und der Gigabit Region Stuttgart bei der Sitzung bei der Versammlung des Zweckverbandes Breitbandausbau Rems-Murr am Donnerstag. Dessen Aufgabe ist es, den Ausbau zu begleiten. Der Zweckverband ist Bindeglied zwischen den Kommunen und Kreis auf der einen Seite und der Telekom auf der anderen. Die Telekom hat sich verpflichtet, bis 2025 sämtliche Gewerbegebiete in der Region mit Glasfaser zu versorgen und bis 2030 auch 90 Prozent aller Haushalt mit schnellem Internet zu verbinden. Umsonst gibt es den Glasfaseranschluss übrigens nicht.

Stadtwerke Schorndorf bauen das Glasfasernetz selbst aus

Einzig die Stadt Schorndorf ist im Rems-Murr-Kreis aus der Gigabit-Region ausgeschert; deren Stadtwerke bauen das Glasfasernetz auf eigene Faust aus. Hintergrund ist die nicht unberechtigte Sorge, dass die großen Telekommunikationsunternehmen nur lukrative Gebiete ans Glasfasernetz anschließen wollen. Dass sich die Telekom 2018 überhaupt auf das bundesweit einmalige Gigabit-Projekt eingelassen hat, war nicht zuletzt eine Folge aus den schon sehr weit gediehenen Plänen der Kommunen und Kreise in der Region Stuttgart, die Infrastruktur für schnelles Internet selbst in die Hand zu nehmen.

Grundsätzlich sind die Städte und Gemeinden mit der bisherigen Arbeit der Telekom zufrieden. Die Verbandsversammlung stimmte dem Jahresabschluss 2019 und dem Haushaltsplan 2021 zu. Dennoch gab es Kritik, wie die Telekom Glasfaser verlegt. Die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull monierte, mit welchen Baufirmen die Telekom unter dem Kappelberg zusammenarbeitet. „Wir hatten zumindest zu Beginn massive Probleme.“ Wünschenswert wäre es gewesen, wenn es zumindest keine Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Mitarbeiter des französischen Subunternehmens und ihren Kollegen im Tiefbauamt gegeben hätte.

Klemens Treffert, der Telekom-Projektleiter in der Region Stuttgart, räumte Probleme mit den beauftragten Baufirmen ein. Ihm wäre es auch lieber, wenn verlässliche deutsche Baufirmen den Zuschlag erhalten, versuchte Treffert den Mitgliedern des Zweckverbandes den Baustellenärger zu erklären. Doch stoße die Telekom bei der Auftragsvergabe zum einen auf Kapazitätsengpässe in der Baubranche; zum anderen achteten in Bonn, dem Sitz der Telekom, die Einkäufer bei den Vergaben eben auch und vor allem auf den Preis.

Dessen ungeachtet, ist Fellbach nach Allmersbach im Tal, der Backnanger Innenstadt und Winnenden (Schelmenholz, Hanweiler) nun die vierte Kommune, in der im Auftrag der Telekom Glasfasernetze verlegt wurden beziehungsweise noch werden. Seit Mitte 2019 seien 15 500 Haushalte im Kreis mit schnellem Internet versorgt worden. Wer einen Vertrag mit der Telekom unterschreibt, bekommt den Anschluss direkt in die Wohnung gelegt. Bei allen anderen Häusern werden die Anschlüsse in den Gehweg so vorbereitet, dass ein Hausanschluss später ohne große Grabereien auf öffentlichem Grund möglich ist.

Der Knackpunkt beim Ausbau des Glasfasernetzes durch die Telekom ist, wie viele Haushalte sich den teuren Glasfaseranschluss überhaupt leisten mögen. Erst ab einer gewissen, für sie lukrativen Anschlussquote bei der Vorvermarktung lässt die Telekom die Bagger auffahren. Wenn sich jedoch ein Ausbau mangels anschlusswilliger Haushalte nicht lohnt, lässt sich die Telekom beim Ausbau von den Städten und Gemeinden und mit weiteren öffentlichen Fördergeldern unterstützen. Das ist beispielsweise seit August in Welzheim der Fall. Förderanträge laufen ferner in Althütte, Aspach, Backnang, Großerlach, Kaisersbach, Murrhardt, Spiegelberg und Sulzbach, wo voraussichtlich schon 2021 ein Baustart erfolgen kann.

Neue Richtlinien bei der Förderung durch den Bund

Der Bund ändert 2021 seine Förderrichtlinien. Die Schwelle, ab denen mit viel Geld für den Ausbau zu rechnen ist, steigt von 30 MBit/Sekunde auf 100 MBit/s. Ausgenommen sind sogenannte sozioökonomische Schwerpunkte, zu denen unter anderem Schulen, medizinische Einrichtungen, Unternehmen, Behörden oder Rettungsdienste zählen. Die Folge ist jedoch, dass Ortschaften aus der hohen Bundesförderung herausfallen können. Das sorgt in den Rathäusern für Unsicherheit. Umso dringlicher appellierte Gigabit-Geschäftsführer Hans-Jürgen Bahde an die Kommunen, ihre Förderanträge möglichst bald, nämlich nach den alten Richtlinien, einzureichen und „nicht auf die Bremse zu treten“.

Die Nachfrage nach einem Breitbandanschluss ist bei privaten Haushalten verhalten. Darauf deutet die Tatsache hin, dass konkurrierende Telekommunikationsunternehmen mit wenigen Ausnahmen – wie in den Winterbacher Teilorten Engelberg und Manolzweiler oder in einigen Neubaugebieten – nur geringes Interesse zeigen, auch auf eigene Kosten und Risiko Glasfaser zu verlegen.

Anders sieht es in Gewerbegebieten aus. Dort herrscht reger Wettbewerb unter den Telekommunikationsfirmen. „Die Bewegung im Markt ist wohl auch ein Nebeneffekt der Bemühungen der Gigabit Region Stuttgart und der Kooperation mit der Deutschen Telekom, der ausdrücklich begrüßt wird“, schreibt der Zweckverband. „Ziel der Gigabit Region ist ein flächiger Ausbau mit Glasfaser, aber nicht, dass dieser zwingend durch nur einen Anbieter erfolgt.“ Seit 2019 habe die Telekom im Kreis zwölf Gewerbegebiete erschlossen.

Home-Office, Videokonferenzen, Online-Unterricht an Schulen ... Wie schön wäre es, wenn der Internetanschluss leistungsfähiger wäre. Die Corona-Pandemie hat zwar den Trend zur Digitalisierung enorm beschleunigt. Mit dem Ausbau des Glasfasernetzes geht es nicht so rasch, wie es sich manche Menschen wünschen. In Abwandlung einer Volksweisheit über Gras wächst offenbar auch Glasfaser nicht schneller, wenn man daran zieht.

Der Breitbandausbau im Rems-Murr-Kreis schreitet voran und ist im

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