Rems-Murr-Kreis

Genial: Dreimal Deutscher Rotweinpreis für Jens Zimmerle aus dem Rems-Murr-Kreis

Zimmerle
Jens Zimmerle: Sein Zweigelt ist seine besondere Leidenschaft und hochgelobt. © Benjamin Büttner

Der Vinum-Rotweinpreis ist der renommierteste und etablierteste Rotweinpreis in Deutschland. Jens Zimmerle vom gleichnamigen Remstäler Weingut hat jüngst beim 36. Wettbewerb drei Preise abgeräumt. Man darf ihn als Rotweinpreiseinheimser bezeichnen. Und ja, nach diesem Erfolg stellt sich schon die Frage: Was hat der Zimmerle nach solchen Höhenflügen im nächsten Jahr vor? Und außerdem: Was hält er von Pfefferminztee?

Noch mal fürs Basis-Wissen: Der Vinum-Rotweinpreis

Den Vinum-Rotweinpreis gibt’s seit 1987. Offiziell heißt er „Deutscher Rotweinpreis“ und er wird vom Weinmagazin Vinum verliehen. Mehrere Jahre wurde er stilgerecht in der Fellbacher Alten Kelter vergeben – nach der Veranstaltung im Jahr 2019 musste er umziehen. Es gab Ärger mit der Nachbarschaft, der’s des späteren Abends zu laut war. Im Jahr 2020 – Corona machte jede größere Veranstaltung unmöglich – wurde der Weinpreis im Weingut Rings in Freinsheim an der frischen Luft verliehen. 2021 ging’s nach der Flutkatastrophe nach Ahrweiler. Inzwischen signalisiert Fellbach wohl, dass es doch schön wäre, der Preis käme zurück. Dann allerdings wird wohl die Schwabenlandhalle Veranstaltungsort sein. Dem Renommee wird das weniger weingeprägte Ambiente keinen Abbruch tun. Der Vinum-Rotweinpreis sei einfach „DER“ Rotweinpreis im deutschsprachigen Raum, sagt Jens Zimmerle.

Eine gute Beziehung: Jens Zimmerle und der Vinum-Rotweinpreis

Mehrere Rotweine hat Jens Zimmerle in diesem Jahr eingereicht, drei sind bepreist worden. Bei den Cuvées belegte der 42-Jährige mit seinem Cuvée AGE trocken von 2018 den dritten Platz. In der Kategorie „Deutscher Nachwuchs“, die mitnichten dem Alter der einreichenden Wengerter Rechnung trägt, sondern sich den Neuzüchtungen unter den Weinsorten widmet, hat Zimmerle mit dem Korber Sommerhalde Zweigelt trocken Goldadler von 2018 Platz zwei und mit dem Korber Sommerhalde Zweigelt trocken Goldadler 2019 den ersten Platz belegt.

Die Preise sind allerdings keine Premiere. Zimmerle hat schon in den Vorjahren bewiesen, dass er was kann. Und so hat er inzwischen sechs Vinum-Pokale im Regal stehen.

Genug Lobhudelei fürs schon Abgefüllte: Was soll der nächste Jahrgang abräumen?

Der Vinum-Rotweinpreis hat viele Kategorien. Ambitionierte Wengerter können zum Beispiel Spätburgunder, Lemberger, Cabernets, Merlots, Syrahs oder Frühburgunder einreichen. Es gibt auch die schöne Möglichkeit, bei „Deutsche Klassiker“ oder „Entdeckungen“ zu punkten. Was hätte der Jens Zimmerle noch gerne in seinem Portfolio? Das, sagt er, könne er echt nicht beantworten. Aber beim Zweigelt, da will er weiter Gas geben. Sein Zweigelt sei freilich seit Jahren gut und er gebe sich auch alle erdenkliche Mühe – aber bei so einem Preis, da spiele halt auch das Glück eine Rolle.

Ein Blick in die Nachbarschaft: Für was so ein Weinpreis noch gut ist

Wengerter, die den Weinbau so betreiben, wie’s Jens Zimmerle macht, die grubbeln nicht einfach vor sich hin. Der Jens Zimmerle bezeichnet sich als „Nerd“. Ein „Nerd“ wird definiert als – kurzer Blick ins Internetlexikon Wikipedia – ein „an Spezialinteressen hängender Mensch“, ein „ Individualist, der durch außergewöhnliche Fachkenntnisse entsprechende Anerkennung in technisch bewanderten Kreisen genießt“. Die weniger schmeichelhafte Einordnung („verschrobener Einzelgänger“) soll hier einfach mal vergessen werden.

Außergewöhnliche Fachkenntnisse weisen allerdings auch andere Wengerter im Remstal auf. Jens Zimmerle hat in Bezug auf den „Nerd“ nicht umsonst von „wir“ gesprochen. Und weil ein solcher Spezialist wissen will, was die anderen auf der Pfanne haben, trinkt Jens Zimmerle erstens gern einen guten Rotwein von anderswo. Und dann gibt’s noch die Siegerliste vom Vinum-Rotweinpreis. Da muss Jens Zimmerle die Kategorie „Lemberger“ ins Auge gestochen sein. Er selbst ist dort nicht zu finden. Aber sowohl die Fellbacher Weingärtner als auch das Fellbacher Weingut Aldinger.

Was früher war: Wie wird man zum Rotweinpreis-Crack?

Der unstillbare Wunsch, sich dem Wein zu widmen, der kam bei Jens Zimmerle spät. Eigentlich erschreckend spät angesichts der Tatsache, dass er da schon eine Weinbau-Lehre hinter sich hatte und mitten im Weinbau-Studium steckte. Sehr früh allerdings, sagt er, machte er Sachen, von denen andere bis in ihre späteren Jahre träumen.

Sein erster Schluck Wein? Der, meint er, war vermutlich illegal. Treckerfahren durfte er auch. ‘S war halt nötig im Weingut. Jens Zimmerle konnte auch Noten lesen, noch bevor er die Buchstaben auseinanderzuhalten vermochte. Mandoline hat er gespielt. Und später dann in Discos die Platten aufgelegt. Vielleicht wäre er lieber Musiker geworden. Ist er aber nicht. Wie gut.

Rotwein-Rausch: Tipps vom Rotwein-Profi

Ja, Jens Zimmerle hat auch schon den einen oder anderen Rausch gehabt. Und auch er stellt fest, dass die Fähigkeit des Menschen, eine gewisse – womöglich größere – Menge zu vertragen, proportional zum steigenden Alter schrumpft. Wer mal viel trinken will, sagt er, möge daher bitte den Spruch „Das Beste kommt zum Schluss“ in die Tonne treten und die guten Weine am Anfang trinken. Am Ende nämlich könne man sich an diese nicht mehr erinnern. Außerdem rät er zu viel Wasser. Jens Zimmerle fürchtet vor allem die „Raritätenweinproben“. Dann, wenn besonders wertvolle, alte Jahrgänge zu verkosten sind, bekommt er schrecklich Kopfweh.

Immer nur Rotwein: Trinkt Jens Zimmerle eigentlich auch noch was anderes?

Na klar, Jens Zimmerle trinkt zum Beispiel Weißwein. Er baut ihn auch an. Auf immerhin 40 Prozent seiner Fläche. Der Riesling und der Chardonnay sind seine Lieblinge. Womit er Probleme hat, ist der Glühwein. Okay, der würde sich auch niemals in der Kategorienliste des Vinum-Rotweinpreises finden lassen. Dennoch: Auf den Weihnachtsmärkten ist er schlichtweg dominant. Jens Zimmerle aber mag ihn einfach nicht.

Dabei ist der preisgekrönte Wengerter geschmacklich gar nicht abgehoben. Praktikanten beispielsweise sagt er gerne, sie mögen die Karotte doch nicht einfach nur so runterfuttern, sondern sich dabei mal der Sensorik widmen. Die Sensorik übrigens, so definiert es die Deutsche Gesellschaft für Sensorik, beschäftigt sich mit der „Wahrnehmung, Beschreibung und Bewertung von Produkteigenschaften“, und zwar mittels der Sinnesorgane. Bei der Karotte wären es somit der Geruchs-, der Geschmacks- und der Tastsinn. Beim Wein – wir sind ja bei einem Wengerter – dürften’s wohl selbige sein. Und so ist’s nur logisch, dass Jens Zimmerle auch in Bezug auf den Trinkgenuss bei Pfefferminztee zumindest ein „Jooaaa“ übrig hat. Auch hier könne man schmecken. Und außerdem: „Kamille wär’ schrecklicher."

Der Vinum-Rotweinpreis ist der renommierteste und etablierteste Rotweinpreis in Deutschland. Jens Zimmerle vom gleichnamigen Remstäler Weingut hat jüngst beim 36. Wettbewerb drei Preise abgeräumt. Man darf ihn als Rotweinpreiseinheimser bezeichnen. Und ja, nach diesem Erfolg stellt sich schon die Frage: Was hat der Zimmerle nach solchen Höhenflügen im nächsten Jahr vor? Und außerdem: Was hält er von Pfefferminztee?

Noch mal fürs Basis-Wissen: Der Vinum-Rotweinpreis

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