Rems-Murr-Kreis

Gericht holt Taterträge aus Millionenbetrug - Staat kann wohl rund 3 Millionen eintreiben

Landgericht
Landgericht Stuttgart © ALEXANDRA PALMIZI

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Millionenbetrüger aus Urbach (wir berichteten) berechnet die Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts, was von dem nach Brasilien abgehauenen Angeklagten noch zu holen ist. Wäre der heute 59-Jährige in Brasilien nicht wegen Kindesmordes ins Gefängnis gesteckt und ausgeliefert worden, so wäre sein millionenschwerer Kreditbetrug in Deutschland verjährt. Die Kammer holte nun den Insolvenzverwalter in den Zeugenstand, der die Pleite des Urbacher Geschäftsmannes zwischen November 2001 bis Oktober 2002 abzuwickeln hatte.

 Das Gewerbe des Angeklagten sei an insgesamt 13 Standorten gelaufen

Der 76-jährige Insolvenzverwalter und heutige Pensionär aus Leonberg versuchte, sich als Zeuge vor Gericht an die Firmen- und Privatpleite vor 20 Jahren zu erinnern. Persönlich kennenlernen können, informierte er den Vorsitzenden Richter Günter Necker, habe er den bereits Ausgewanderten nicht mehr und die Aktenlage in der Bäder-Geschäftsinsolvenz sei noch schlechter gewesen als in der Privatinsolvenz. Das Gewerbe des Angeklagten sei an insgesamt 13 Standorten gelaufen und die GmbH habe 80 Mitarbeiter gehabt, die zum Schluss keine Löhne mehr bekommen hätten. Auch mit seinen geschäftlichen Monatsmieten von etwa 150.000 Euro sei der Angeklagte schwer im Rückstand gewesen. Unter rund elf Millionen Euro Bankverbindlichkeiten stehend, führte der Insolvenzverwalter weiter aus, habe der Angeklagte aus Brasilien keine Angaben zu seinem Vermögen gemacht. „Relativ kooperativ“ gewesen sei dessen Vater, der jedoch nicht wirklich gewusst habe, was in der Firma läuft. Das Urbacher Privathaus des Angeschuldigten im Wert von etwa einer Million Euro und eine Eigentumswohnung im Wert von 230.000 Euro in Ravensburg seien zwangsversteigert worden.

Der rund drei Millionen Euro teure Firmenhauptsitz in Urbach kam ebenfalls unter den Hammer

Der rund drei Millionen Euro teure Firmenhauptsitz in Urbach kam nach Angeben des Zeugen ebenfalls unter den Hammer. Eine vermeintlich „positive Überraschung“ im Insolvenzverfahren habe sich „in Luft aufgelöst“: Rubine in einem Schließfach mit einer beiliegenden Expertise über den Wert von etwa 160.000 Euro hätten bei der Versteigerung lediglich 600 bis 700 Euro eingebracht. Denn bei der Expertise habe es sich um ein „Gefälligkeitsgutachten“ für die Edelsteine gehandelt.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Millionenbetrüger aus Urbach (wir berichteten) berechnet die Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts, was von dem nach Brasilien abgehauenen Angeklagten noch zu holen ist. Wäre der heute 59-Jährige in Brasilien nicht wegen Kindesmordes ins Gefängnis gesteckt und ausgeliefert worden, so wäre sein millionenschwerer Kreditbetrug in Deutschland verjährt. Die Kammer holte nun den Insolvenzverwalter in den Zeugenstand, der die Pleite des Urbacher

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