Rems-Murr-Kreis

Gerichtsurteil zum Oeffinger Fall des versuchten Totschlags: „Erschreckend brutale“ Schläger

Gerichtfeature
Versuchter Totschlag: Die jugendlichen Schläger von Oeffingen müssen ins Gefängnis. © Pavlovic

Das Stuttgarter Landgericht hat das Urteil über den versuchten Totschlag am Gemeindezentrum Oeffingen (wir berichteten) gefällt: Der 17-Jährige wurde des versuchten Totschlags schuldig gesprochen und bekam dreieinhalb Jahre Jugendgefängnis. Dem 21-Jährigen hat die vierte Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Cornelie Eßlinger-Graf drei Jahre und zwei Monate Jugendhaft aufgebrummt. Was die beiden mit dem 47-jährigen Opfer gemacht haben, fand nicht nur die Staatsanwaltschaft „erschreckend brutal“.

Ungeladen Party im Gemeindezentrum besucht, Bus verpasst und mit Freunden auf eine Parkbank gesetzt: Bis dahin ist am 9. Februar dieses Jahres noch nichts passiert. Als aber ein 47-jähriger zufällig vorbeikommender Handballer einen Kumpel der beiden Angeklagten darauf hinweist, dass es nicht in Ordnung ist, an die Kirchenwand zu pinkeln, wird er zum Opfer.

Wuchtiger Faustschlag auf den Kopf

Der damals noch 16-jährige Angeklagte springt ihn an und streckt ihn mit einem wuchtigen Faustschlag auf den Kopf zu Boden. Das Opfer verliert das Bewusstsein und wird von dem Jugendlichen so ins Gesicht getreten, dass er an den Gesichtsbrüchen hätte sterben können. Der damals 20-jährige Angeklagte kickt den schutzlos am Boden liegenden Bewusstlosen in den Oberkörper wie beim Fußball. Auch die daraus resultierenden Rippenbrüche sind lebensgefährlich. Außerdem droht der 47-Jährige an dem Blut, das ihm in den offenen Rachen läuft, zu ersticken.

Einer 21-jährigen Pfadfinderin aus Oeffingen und ihren zwei Begleitern hat es der 47-Jährige zu verdanken, dass er noch am Leben ist. Sie kamen aus dem Gemeindezentrum, rannten sofort zum Tatort und riefen „aufhören, aufhören“. Alle drei sagten aus, wenn sie nicht gewesen wären, hätten die Angeklagten weiter getreten.

Aus den beiden Angeklagten aus Stuttgart sind nun Verurteilte geworden. Der heute 17-jährige Deutsche, ein gebürtiger Waiblinger, ist zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und der 21-jährige Portugiese zu drei Jahren und zwei Monaten. Beide kommen aus sehr schwierigen Familienverhältnissen und beide sind einschlägig vorbestraft. Der 17-Jährige befand sich vor dem Prozess zur gesetzlich vorgeschriebenen Vermeidung der Untersuchungshaft in einer Einrichtung der Jugendstraffälligenhilfe. Der 21-Jährige saß als Untersuchungshäftling im Gefängnis.

An den 47-jährigen Oeffinger, der im Prozess als Nebenkläger auftrat, sind im Gerichtssaal 500 Euro Schmerzensgeld von dem 21-Jährigen geflossen. Der 17-Jährige gibt ihm 1000 Euro, sobald er seine Kindergeldnachzahlung bekommt. Dem Opfer bleibt es unbenommen, zivilrechtlich auf weiteres Schmerzensgeld zu klagen.

"Hohe kriminelle Energie" und "Grausamkeit"

Während sie das Opfer als „sehr ehrlich“ erlebte, hatte die Anklägerin bei den beiden im Prinzip geständigen Schlägern streckenweise Zweifel. Sie bescheinigte beiden eine „hohe kriminelle Energie“ und „Grausamkeit“. Die Tat in Oeffingen bezeichnete sie als „erschreckend brutal“. Und dafür ist die Tatsache, dass sie aus äußerst problematischen Familienverhältnissen kommen und in ihren Familien Gewalt erfahren haben, nach den Worten von Richterin Eßlinger-Graf keine Entschuldigung.

Der 17- und der 21-Jährige haben in gleicher Besetzung schon einmal fast dieselbe Tat begangen, und alle erzieherischen Maßnahmen des Jugendgerichts haben nichts genützt. Selbst die Verteidiger sehen einen „harten, steinigen Weg“, den die beiden jungen Männer gehen müssen, um von ihrer Gewaltbereitschaft wegzukommen. Michael Lepp sagte über seinen 17-jährigen Mandanten, dieser sei „vor sich selber erschrocken“. Stefan Holoch fasste über seinen 21-jährigen Mandanten zusammen: „Daheim der Hausengel und draußen der Gassenteufel.“

Das Stuttgarter Landgericht hat das Urteil über den versuchten Totschlag am Gemeindezentrum Oeffingen (wir berichteten) gefällt: Der 17-Jährige wurde des versuchten Totschlags schuldig gesprochen und bekam dreieinhalb Jahre Jugendgefängnis. Dem 21-Jährigen hat die vierte Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Cornelie Eßlinger-Graf drei Jahre und zwei Monate Jugendhaft aufgebrummt. Was die beiden mit dem 47-jährigen Opfer gemacht haben, fand nicht nur die Staatsanwaltschaft „erschreckend

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