Meinung

Geschäftsführer Marc Nickel geht: Was die Rems-Murr-Kliniken jetzt brauchen (Kommentar)

Rems Murr Kliniken PK
Dr. Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken (im Hintergrund Landrat Richard Sigel). © Benjamin Büttner

Marc Nickel verlässt als Geschäftsführer die Rems-Murr-Kliniken. Die Kluft zwischen ihm und den Chefärzten war am Ende offenbar unüberbrückbar. Wie lautet die Bilanz des Chef-Sanierers? Dürfen die Chefärzte sich als Sieger fühlen? Und welche Aufgaben kommen nun auf die neue Geschäftsführung zu? Ein Kommentar.

Marc Nickel und die Rems-Murr-Kliniken: Eine Erfolgsbilanz

Marc Nickel hat als Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken große Erfolge vorzuweisen. In vieler Hinsicht hat er die Erwartungen, die sich mit dem Chef-Sanierer verbanden, übertroffen.

Er trat 2015 an, als die Krankenhäuser in schwerer Not waren. Es gab kein richtiges medizinisches Konzept, keine klare Definition, in welchen Bereichen sich jedes Haus durch eigene Schwerpunktbildung getrennt profilieren könnte und auf welchen Gebieten Winnenden und Schorndorf eng zusammenarbeiten sollten. Sicher, es gab den Winnender Neubau: einen wahren Rohdiamanten. Aber ein schönes Gebäude garantiert noch keine gute Medizin.

Mittlerweile steht nicht nur das Medizinkonzept. Nickel hat auch eine Fülle kleinerer, für das Image der Kliniken aber äußerst tückischer Probleme abgeräumt: von der Winnender Parkplatznot (gelöst mit einem neuen Parkhaus) bis zum anfänglichen Drama um Desorganisation und episch lange Wartezeiten in der Winnender Notaufnahme (gelöst durch einen Umbau und die Anwerbung des hochkompetenten Troubleshooters Torsten Ade als neuen Chefarzt).

Unsere Kliniken sind längst absolut konkurrenzfähig im harten Wettbewerb in der Region Stuttgart, bieten den Menschen im Rems-Murr-Kreis eine sehr gute medizinische Versorgung – und haben sich in der Coronakrise glänzend bewährt: haben eine Infektionsstation im Rekordtempo hochgezogen, die Eingangsbereiche umgebaut zu Quasi-Flughafenterminals und Tausenden von Covid-Patienten geholfen.

Marc Nickel und die Probleme: Eine nachvollziehbare Trennung

All das ist gewiss nicht nur Nickels Verdienst. Zu feiern ist vor allem die gesamte ärztliche und pflegerische Belegschaft für ihr Engagement. Und die Steuermannrolle des Landrats und Aufsichtsratsvorsitzenden Richard Sigel ist auch nicht zu unterschätzen. Dennoch: Der Geschäftsführer Nickel hat gehalten, was man sich von ihm versprach, als er 2015 antrat.

Nur gab es gerüchteweise schon immer die Schattenseite des Sanierers: seine wuchtige Art, bisweilen Druck aufzubauen. Insofern kann man sagen: Vielleicht wird nun, da die schlimmsten Geburtsfehler und Kinderkrankheiten nach Inbetriebnahme des Winnender Neubaus überwunden sind, tatsächlich eine umgänglichere Geschäftsführung gebraucht.

Was die Rems-Murr-Kliniken jetzt brauchen

Allerdings: Ein wirtschaftliches Frühstücksdirektorium – immer nett, aber nicht durchsetzungsstark – unter der Fuchtel mächtiger Chefärzte darf es auch künftig nicht geben. Die Starmediziner werden weiter eine starke Geschäftsführung brauchen. Denn so fachlich kompetent sie sind – strategisch lagen manche von ihnen auch schon kapital daneben. Im Frühjahr 2016 preschten zwölf Winnender Chefärzte mit einem Brandbrief vor: Sie bezeichneten eine mögliche Sanierung des Standorts Schorndorf als „Fehlinvestition“ und empfahlen, Schorndorf zu einem Mini-Krankenhäusle – „allenfalls“ mit „zweistelliger Bettenzahl“ – zu schrumpfen. Nickel konterte damals: „Wir brauchen Schorndorf. Punkt.“ Von einer Verzwergung Schorndorfs redet heute niemand mehr, der Standort ist etabliert und geschätzt, der Landkreis plant eine Erweiterung für 100 Millionen Euro.

Vor allem aber: Wirtschaftliche Herausforderungen wird es auch künftig geben. Die Nachwirkungen der Coronakrise sind immer noch brutal zu spüren. Falls Bund und Land ihre Rettungsschirme gänzlich einklappen und falls obendrein die Kliniken es nicht schaffen, die Zahl der Behandlungen jenseits von Covid wieder richtig hochzufahren, droht für das Jahr 2022 ein Defizit zwischen 20 und 33 Millionen Euro.

Für die Chefärzte bedeutet das: Sie werden die Anforderungen, die man an sie als Hochleister und Hochverdiener zu Recht stellt, erfüllen müssen. Auch die künftige Geschäftsführung sollte darauf pochen.

Insofern ist jetzt die eierlegende Wollmilchsau gefragt: weniger kontrovers im Umgang als Marc Nickel – aber nicht weniger strategisch begabt und entschlossen.

Siehe dazu auch den Artikel zur Trennung.

Marc Nickel verlässt als Geschäftsführer die Rems-Murr-Kliniken. Die Kluft zwischen ihm und den Chefärzten war am Ende offenbar unüberbrückbar. Wie lautet die Bilanz des Chef-Sanierers? Dürfen die Chefärzte sich als Sieger fühlen? Und welche Aufgaben kommen nun auf die neue Geschäftsführung zu? Ein Kommentar.

Marc Nickel und die Rems-Murr-Kliniken: Eine Erfolgsbilanz

Marc Nickel hat als Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken große Erfolge vorzuweisen. In vieler Hinsicht hat

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