Rems-Murr-Kreis

Gibt es im Kreisimpfzentrum in Waiblingen mehr Biontech? Was passiert, wenn man Astrazeneca nicht geimpft bekommen will?

Impfstoff Astrazenca
Sorgenkind der Impfkampagne: Der Impfstoff von Astrazeneca. © Benjamin Büttner

In der laufenden Corona-Impfkampagne jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Es wurde ständig Hoffnung gemacht, aber nicht geliefert. Und dann auch noch die mutmaßlichen Impfschäden. Nun sollen bereits mit Astrazeneca geimpfte Impfberechtigte unter 60 Jahren ihre Zweitimpfung nur noch mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Da Moderna derzeit nicht an die Kreisimpfzentren geliefert wird, bliebe nur Biontech. Wer wird jetzt also unter welchen Umständen mit welchem Impfstoff geimpft? Darf man als Impfwilliger den Impfstoff selbst auswählen? Es gilt, Antworten auf diese und andere brennende Fragen zur Impfkampagne zu geben und Breschen durch das Informationsdickicht zu schlagen.

Darf man als Impfwilliger den Impfstoff selbst auswählen?

Nein. „Selber auswählen darf man nach wie vor nicht“, sagt Juliane Jastram von der Pressestelle des Landratsamtes. „Impfberechtigten unter 60 Jahren, werden bei ihrem Termin im Kreisimpfzentrum (KIZ) in Waiblingen von nun an verstärkt Impfungen mit Biontech angeboten. Impfberechtigten über 60 Jahren wird Biontech und Astrazeneca angeboten. Je nach Impfstoffverfügbarkeit.“

Welche Wartelisten werden im Kreisimpfzentrum gerade abgearbeitet?

In der laufenden Woche wird seit vergangenem Samstag im Kreisimpfzentrum in Waiblingen ausschließlich Biontech verabreicht, erst kommenden Freitag (16.4.) wieder Astrazeneca. „Bislang haben wir unter der Woche Astrazeneca und an den Wochenenden Biontech verimpft“, erläutert Juliane Jastram. „Die Mitte März wegen des Astrazeneca-Impfstopps abgesagten rund 1200 Impftermine, die auf eine eigene Warteliste gesetzt worden waren, wurden auf 13., 14. und 15. April verschoben und können aktuell mit Biontech versorgt werden.“

Die aufgrund der Engpässe über die 116 117 entstandene Ü-80-Warteliste sei derweil mit rund 4100 Impfwilligen aus dem Rems-Murr-Kreis komplett abgearbeitet worden, sagt Juliane Jastram. „55 Prozent davon waren bereits geimpft oder hatten einen anderen Termin vereinbart (anderes Impfzentrum oder Impftruck) oder wollten keinen Termin mehr haben.“

Die verbliebenen 1850 der 4100 Ü-80-Jährigen wurden/werden am 15. und 22. März sowie am 10. und 17. April mit Biontech im KIZ geimpft. „Fast alle konnten über die hinterlegten Telefonnummern erreicht werden, rund 30 wurden zusätzlich noch angeschrieben. 1100 (knapp 60 %) davon sind bereits zum zweiten Mal geimpft, die Letzten erhalten ihre zweite Impfung am 8. Mai“, so Jastram „Vom Landes-Sozialministerium wurden für die Sonderaktion zwei Kartons Biontech geliefert, so dass die Warteliste zusätzlich abgearbeitet werden konnte.“

In den nächsten zwei Wochen sollen im KIZ noch an fünf Tagen (16. und 19. bis 22. April) jeweils 800 Menschen mit Astrazeneca erstmals geimpft werden. Danach sollten im KIZ bis auf weiteres für Astrazeneca eigentlich nur noch Zweitimpfungen stattfinden, sagt Jastram. „An den anderen Tagen werden zwischen 490 und 800 Biontech-Impfungen täglich durchgeführt.“

Allerdings wurde am Mittwochmorgen (14.4.) eine Einigung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern bekannt, wonach die mehr als zwei Millionen Menschen unter 60 Jahren, die in Deutschland bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, bei ihrer Zweitimpfung auf ein anderes Präparat umsteigen sollen.

Was ist mit den Impfberechtigten unter 60 Jahren und ihren Terminen für Erst- und für Zweitimpfungen?

„Wir halten uns auch bei den Zweitimpfungen mit Astrazeneca an die Vorgaben des Sozialministeriums. Die ersten Zweitimpfungen mit Astrazeneca sind bei uns im KIZ für den 27. April terminiert“, so Jastram.

Die Verantwortlichen des KIZ hofften eigentlich darauf, dass es für diese Zweitimpfungen dann auch Biontech-Sonderlieferungen durch das Land geben wird, weil sonst wieder Biontech für andere eigentlich geplante Impftermine fehlen würde.

Leider gab das Sozialministerium aber am Mittwoch bekannt: „Menschen unter 60 Jahren, die bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, können die Zweitimpfung nach neun oder zwölf Wochen mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Damit bleiben alle bereits gebuchten Astrazeneca-Zweitimpftermine gültig.“ Wer sich als unter 60-jähriger Impfberechtigter nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse vor Ort dennoch für eine Astrazeneca-Impfung entscheidet, könne dies tun, so Minister Manfred Lucha. Alle anderen unter 60-Jährigen würden im Impfzentrum bei der Zweitimpfung auf einen „vorhandenen mRNA-Impfstoff“ umgebucht. „Dies geschieht direkt vor Ort. Sollte ein mRNA-Impfstoff an diesem Tag nicht zur Verfügung stehen, erhalten die Bürgerinnen und Bürger vor Ort einen neuen Termin für eine Zweitimpfung.“

Biontech und Moderna sind mRNA-Impfstoffe, an die KIZ wird aber derzeit nur Biontech geliefert. Die Formulierung „vorhandener mRNA-Impfstoff“ lässt darauf schließen, dass es leider keine zusätzlichen Biontech-Lieferungen geben wird, sehr zur Enttäuschung der KIZ-Verantwortlichen.

Den Impfberechtigten im Alter von unter 60 Jahren, die bisher noch keine Impfung erhalten haben und sich online über das Anmeldeportal selbst einen Termin buchen wollen, sollten hierfür unbedingt einen neuen Vermittlungscode anfordern, so das Landes-Sozialministerium.

„Mit den alten (vor dem 31. März angeforderten) Vermittlungscodes, die vor der Änderung der Altersempfehlung für Astrazeneca erstellt wurden, werden den Impfberechtigten im Alter von unter 60 Jahren weiterhin nur Astrazeneca-Termine angeboten (geimpft werden soll ihnen ja aber Biontech) Da diese Termine in den Impfzentren vor Ort nicht auf einen anderen Impfstoff umgebucht werden können, könnte in diesen Fällen keine Impfung erfolgen“, so das Ministerium.

Und die über 60-Jährigen und über 70-Jährigen?

Die Ständige Impfkommission hatte Anfang April Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige empfohlen, weil bei rund 1,5 von 100 000 mit Astrazeneca Geimpften Hirnvenen-Thrombosen in zeitlicher Folge festgestellt worden waren. Diese Nachricht führte zur Verunsicherung unter den Impfwilligen. Einige machten einen Rückzieher, nahmen ihre Termine im KIZ nicht wahr oder gingen nach der ärztlichen Aufklärung ungeimpft wieder weg. Zudem führten missverständliche Bekanntmachungen dazu, dass die Ü-60-Impfempfehlung mit einer Ü-60-Impfberechtigung gleichgesetzt wurde.

Im April waren bislang 3300 Astrazeneca-Termine im KIZ in Waiblingen vereinbart gewesen. Ohne Impfung wieder gegangen sind davon 222 Menschen. Gar nicht erst gekommen sind 535. Menschen, die wieder weggeschickt werden mussten, weil sie nicht impfberechtigt sind, fallen unter „nicht gekommen“, so Juliane Jastram.

Zumindest dieser Frust könnte bald vorbei sein: Ab kommenden Montag (19.4.) sind in Baden-Württemberg alle Ü-60-Jährigen impfberechtigt. „In einzelnen Zentren bleiben aktuell Astrazeneca-Termine frei“, so Minister Manfred Lucha in einer Mitteilung. „Das ist zwar verständlich, aber in der Sache unbegründet. Der Impfstoff ist hochwirksam und ungefährlich.“ Auch wer über 70 Jahre alt ist, sollte die Chance nutzen, jetzt einen Termin zu vereinbaren, so Lucha. Die Impfstoff-Lieferungen seien stark angestiegen. „Gleichzeitig stellen wir fest, dass täglich nur noch rund 20 bis 40 Menschen die Warteliste für die über 80-Jährigen in Anspruch nehmen. Von dieser Altersgruppe haben bereits deutlich über 70 Prozent eine Erstimpfung erhalten.“ Deshalb gehen wir jetzt den nächsten Schritt und öffnen für alle Menschen über 60 Jahren.“

In der laufenden Corona-Impfkampagne jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Es wurde ständig Hoffnung gemacht, aber nicht geliefert. Und dann auch noch die mutmaßlichen Impfschäden. Nun sollen bereits mit Astrazeneca geimpfte Impfberechtigte unter 60 Jahren ihre Zweitimpfung nur noch mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Da Moderna derzeit nicht an die Kreisimpfzentren geliefert wird, bliebe nur Biontech. Wer wird jetzt also unter welchen Umständen mit welchem Impfstoff geimpft? Darf man als

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