Rems-Murr-Kreis

Gibt es im Rems-Murr-Kreis aktuell genügend Blutkonserven?

Blutspende
Dringend benötigt werden Spender mit der Blutgruppe „0 Rhesus negativ“. © Alexandra Palmizi

Die Warnung war eindringlich: In Deutschland werde viel zu wenig Blut gespendet. „Es gibt kaum Reserven, in den Regalen ist es fast überall leer“, warnte ein Sprecher des Blutspendediensts des Deutschen Roten Kreuzes im Juni. Die angespannte Lage wurde einerseits darauf zurückgeführt, dass wegen der Ferienzeit Spender nicht greifbar sind. Andererseits seien die Blutspenden während der Corona-Pandemie mit Lockdowns und eingeschränktem Zugang zu Kliniken zurückgegangen. Nicht zuletzt macht sich der demografische Wandel bemerkbar: Die Menschen werden immer älter, brauchen tendenziell mehr Blutpräparate. Zugleich darf man nur bis zu einem gewissen Alter Blut spenden: Erstspender sollten maximal 65 Jahre alt sein, wer bereits öfter Blut gespendet hat, darf bis zum Tag vor seinem 73. Geburtstag spenden. Vor einigen Tagen warnten Transfusionsmediziner erneut, dass die Versorgung mit Blutprodukten in Deutschland mittelfristig gefährdet sei

Wie ist die Versorgungslage aktuell? Sind die Blutkonserven im Rems-Murr-Kreis knapp?

Rems-Murr-Kliniken beziehen Blut vom DRK-Blutspendedienst

Nein, beruhigt Stefan Kath, Chefarzt Labormedizin der Rems-Murr-Kliniken. Die Situation habe sich verbessert. Der zeitweise Rückgang der Spendenbereitschaft habe sich Mitte Juli kompensieren lassen, unter anderem durch zusätzliche Spendetermine. „In den Rems-Murr-Kliniken ist die Versorgung mit Blutkonserven gesichert“, sagt der Mediziner. Die Rems-Murr-Kliniken führen selbst keine Blutspendeaktionen durch, sondern beziehen die Blutkonserven vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen.

Auch der Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen gibt Entwarnung: Trotz des weitgehenden Entfalls der Corona-Restriktionen und der damit zurückgewonnenen „Bewegungsfreiheit“, der starken Reisetätigkeit während der Sommerferien und der enormen Hitze während des Sommers könnten Patienten bedarfsdeckend mit Blut versorgt werden, sagt eine Sprecherin. „Aufgrund der kurzen Haltbarkeit einiger Blutpräparate ist es aber sehr wichtig, dass kontinuierlich genügend Blutspenden für die Patientenversorgung zur Verfügung stehen.“

Immer wieder Phasen der Knappheit

Es gebe immer wieder Phasen, in denen die Blutspenden knapp würden, beispielsweise beobachte der Blutspendedienst seit vielen Jahren in den Feiertagswochen im Frühjahr Engpässe. Wenn die Menschen wieder mehr draußen unternehmen oder Kurzurlaube machen könnten, „schmelzen“ die Blutvorräte der Blutspendedienste regelmäßig, erklärt die Sprecherin. „Wegen der begrenzten Haltbarkeit der Blutprodukte ist die Schaffung eines größeren Lagerbestandes in der ,kalten‘ Saison nicht möglich.“ Auch wenn die Versorgung momentan gesichert sei, freue sich der Blutspendedienst über jeden Blutspender, dringend benötigt werden aktuell Blutspender der Blutgruppe „0 Rhesus negativ“. Immer wieder unterstützt der Blutspendedienst die Blutspendeaktionen vor Ort durch kleine Aktionen. Bis 30. September können Spender, die ein Team aus einem erfahrenen Spender und einem Blutspende-Neuling bilden, beispielsweise Kinokarten erhalten.

Unabhängig von solchen Aktionen gibt es für Blutspenderinnen und Blutspender beispielsweise in Fellbach ein Getränk und ein gesundes Lunchpaket, berichtet Werner Steiniger, stellvertretender Bereitschaftsleiter beim DRK-Ortsverein Fellbach und dort mit für die Organisation der Blutspendeaktionen verantwortlich. In Fellbach sei das Blutspenden traditionell gewachsen, der Ortsverein habe viele Stammspender.

Hohe Spendenbereitschaft beim DRK-Ortsverein Fellbach

Während die Corona-Pandemie sich mancherorts negativ auf die Spendenbereitschaft ausgewirkt hatte, wird in Fellbach eher mehr Blut gespendet. „Um die Abstandsregelungen einhalten zu können, mussten wir die Blutspendeaktionen aus unseren eigenen Räumlichkeiten verlegen in größere Lokalitäten wie die Alte Kelter, die Schwabenlandhalle und die Festhalle Schmiden“, erklärt Steininger. Durch diese Veränderung könnten nun immer zwei Teams des Blutspendediensts pro Aktion parallel arbeiten und rund 230 Spendenwillige verarzten. „Einmal hatten wir sogar rund 50 Erstspender auf einmal – eine Gruppe Studenten, die sich wegen der Pandemie nicht treffen durften und deshalb beschlossen haben, wenigstens zusammen Blutspenden zu gehen.“ Einige dieser Spender seien dabeigeblieben, kämen nun regelmäßig.

Die Spendenbereitschaft, glaubt Steiniger, sei häufig weniger das Problem: „Viele Blutspender wollen regelmäßig spenden. Wenn in kleineren Gemeinden nur ein oder zwei Termine im ganzen Jahr angeboten werden, gehen sie nicht oder woanders spenden.“ Und nicht zuletzt dürfe man auch nicht vergessen, dass die Blutspendeaktionen nicht nur von Spendern, sondern auch ehrenamtlichen Helfern abhängig seien: Sechs bis zehn Helfer braucht der Ortsverein Fellbach pro Aktion – und diese Ehrenamtlichen sind wie überall nicht immer leicht zu finden.

Der DRK-Ortsverein Waiblingen ist zurzeit ebenfalls zufrieden, die letzten beiden Spendeaktionen waren ausgebucht. In Waiblingen hatte es im Frühjahr und Frühsommer einen Einbruch bei der Spendenbereitschaft gegeben, berichtet Carsten Magunia. Erklären könne er sich diesen nicht. Grundsätzlich habe die Corona-Pandemie das Blutspenden eher positiv verändert: „Weil man sich nun über die Blutspende-App oder die Homepage des DRK-Blutspendediensts zur Aktion anmelden muss, werden Wartezeiten vermieden und jeder Spender ist in rund 45 Minuten mit allem fertig“, sagt Magunia. Das komme bei den meisten Spendern gut an.

Die Warnung war eindringlich: In Deutschland werde viel zu wenig Blut gespendet. „Es gibt kaum Reserven, in den Regalen ist es fast überall leer“, warnte ein Sprecher des Blutspendediensts des Deutschen Roten Kreuzes im Juni. Die angespannte Lage wurde einerseits darauf zurückgeführt, dass wegen der Ferienzeit Spender nicht greifbar sind. Andererseits seien die Blutspenden während der Corona-Pandemie mit Lockdowns und eingeschränktem Zugang zu Kliniken zurückgegangen. Nicht zuletzt macht

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