Rems-Murr-Kreis

Glasfaserausbau im Rems-Murr-Kreis kommt voran: Jeder zwölfte Haushalt hat bereits schnelles Internet

Glasfaser-Ärger
Symbolfoto. © Gaby Schneider

Die Region Stuttgart hat beim Glasfaserausbau im Jahr 2020 einen großen Sprung nach vorne gemacht. Wie aus den jetzt aktualisierten Zahlen des „Breitbandatlas des Bundes“ hervorgeht, hatten zum Ende des vergangenen Jahres 113 587 Haushalte und Unternehmensstandorte eine Zugangsmöglichkeit zum Glasfasernetz, sprich: schnelles Internet. Dies entspreche einem Anteil von 8,6 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 69 324 oder 5,2 Prozent gewesen, teilt die Gigabit-Region Stuttgart mit, die den Glasfaser-Ausbau in der Region Stuttgart koordiniert.

Den größten Zuwachs habe der Rems-Murr-Kreis zu verzeichnen. Waren Ende 2019 nur 1,2 Prozent der Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen, so sind es aktuell rund 8,1 Prozent. Spitzenreiter in Sachen schnelles Internet bleibe der Landkreis Göppingen, der leicht auf 16,2 Prozent zulegte, gefolgt vom Landkreis Ludwigsburg, der sich von 9,7 auf 13,3 Prozent steigern konnte. Für Böblingen notiert der Breitbandatlas zum Jahresende 2020 8,7 Prozent, für die Landeshauptstadt Stuttgart 5,1 Prozent Glasfaser bis ins Gebäude.

„In diesem Tempo wollen wir weitermachen“

Die Daten des Breitbandatlas beruhen auf freiwilligen Meldungen der Telekommunikationsunternehmen, erläutert die Gigabit-Region. Da sich ein Teil der verlegten Anschlüsse erst mit zeitlicher Verzögerung im Atlas niederschlage, seien die realen Zahlen in der Regel höher. „Auch wenn man die Zeitverzögerung berücksichtigt, ergibt sich ein eindeutiges Bild: Der Zuwachs an Glasfaser bis ins Haus ist überwiegend auf das Gigabitprogramm der Region Stuttgart zurückzuführen“, kommentiert der Breitbandbeauftragte der Region und Geschäftsführer der Gigabit-Region Stuttgart GmbH Hans-Jürgen Bahde die Zahlen des Breitbandatlas. Seit Mitte 2019 bis Ende 2020 habe der Ausbaupartner Telekom rund 100 000 Haushalte und Gewerbetreibende versorgt, die noch nicht alle im Breitbandatlas abgebildet sind. „In diesem Tempo wollen wir auch in den nächsten Jahren weitermachen.“

Im Jahr 2019 hatte die Region Stuttgart eine Kooperationsvereinbarung mit der Telekom unterzeichnet. Im Fokus des Gigabitprogramms stehe der partnerschaftliche Ausbau des ultraschnellen Glasfasernetzes. Bis zum Jahr 2025 sollen nicht nur 50 Prozent der Haushalte und alle Unternehmen, sondern auch die Schulen in der Region schnell ins Internet kommen, bis 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte Zugang zu einem Glasfaseranschluss haben. Um die zeitlichen Ausbauziele zu erreichen, seien Kooperationen mit weiteren Akteuren notwendig. Insbesondere Stadtwerke in der Region werden in die Ausbauplanungen mit einbezogen. Investitionen weiterer Marktteilnehmer seien willkommen.

Im Rems-Murr-Kreis bauen 30 von 31 Kommunen ihr Glasfasernetz zusammen mit der Gigabit-Region Stuttgart und der Telekom aus. Die Stadt Schorndorf wollte sich nicht auf die Telekom verlassen und legt den Ausbau in die Hände der Stadtwerke. Die Kooperation mit dem einstigen Monopolisten Telekom war eine Überraschung. Jahrelang fühlten sich die Städte und Gemeinden von den Telekommunikationsfirmen, allen voran die Telekom, im Stich gelassen. Statt Datenautobahnen zu schaffen und neue Glasfaserkabel zu verlegen, versuchte die Telekom mit ihren alten Kupferkabeln Gewinne zu machen. Wie wichtig mittlerweile schnelles Internet geworden ist, führte die Coronapandemie vor Augen. Voraussetzung für Home-Office, Videokonferenzen, Online-Unterricht an Schulen und Digitalisierung schlechthin ist ein Breitbandnetz mit hohen Datenraten. Doch die sind in Deutschland vor allem in der Fläche Fehlanzeige. Als Reaktion auf dieses Marktversagen schlossen sich die Kommunen in der Region Stuttgart zusammen und wollten in eigener Regie und auf eigene Kosten das Netz aufbauen. Um diese neuen Netzstrukturen zu verhindern und um nicht noch mehr Kunden zu verlieren, ging die Telekom mit der Gigabit-Region Stuttgart eine Kooperation ein.

Als erste Kommunen im Rems-Murr-Kreis sind in Fellbach, Allmersbach im Tal, in der Backnanger Innenstadt und in den Winnender Ortsteilen Schelmenholz und Hanweiler Glasfaserkabel verlegt und Haushalten und Gewerbetreibenden Angebote unterbreitet worden, sich anzuschließen. Wer einen Vertrag mit der Telekom unterschreibt, bekommt den Anschluss direkt in die Wohnung gelegt. Bei allen anderen Häusern werden die Anschlüsse in den Gehweg so vorbereitet, dass ein Hausanschluss später ohne große Grabereien auf öffentlichem Grund möglich ist.

Telekom baut Glasfasernetz erst, wenn Abschlussquoten erfüllt sind

Knackpunkt beim Ausbau des Glasfasernetzes durch die Telekom ist jedoch, wie viele Haushalte sich den teuren Glasfaseranschluss überhaupt leisten mögen. Erst ab einer gewissen, für die Telekom lukrativen Anschlussquote bei der Vorvermarktung lässt die Telekom die Bagger auffahren. Wenn sich ein Ausbau mangels anschlusswilliger Haushalte für die Telekom nicht lohnt, werden die Städte und Gemeinden zur Kasse gebeten und öffentliche Fördertöpfe angezapft. Das war beispielsweise in Welzheim der Fall. Förderanträge gestellt hat auch die Gemeinde Kaisersbach.

Die Region Stuttgart hat beim Glasfaserausbau im Jahr 2020 einen großen Sprung nach vorne gemacht. Wie aus den jetzt aktualisierten Zahlen des „Breitbandatlas des Bundes“ hervorgeht, hatten zum Ende des vergangenen Jahres 113 587 Haushalte und Unternehmensstandorte eine Zugangsmöglichkeit zum Glasfasernetz, sprich: schnelles Internet. Dies entspreche einem Anteil von 8,6 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 69 324 oder 5,2 Prozent gewesen, teilt die Gigabit-Region Stuttgart mit, die den

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