Rems-Murr-Kreis

Go-Ahead: Neues Jahr, altes Leid?

Go-Ahead: Jetzt besser? Nun ja_0
Auch im Januar klagen Remsbahn-Pendler über vollgestopfte und zu kurze Go-Ahead-Züge. © ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Rems-Murr-Kreis.
Ein neues Jahr hat begonnen, aber die alte Liedweisheit unseres Lieblings-Soulsängers und Springsteen-Kumpels Southside Johnny gilt weiterhin: „Some things just don’t change“, manche Dinge ändern sich einfach nicht. Da kehrt man aus dem Urlaub zurück – und was findet man im Postfach? Beschwerden über Go-Ahead.

Bernd Hees mailte uns am 7. Januar: „Nachdem schon letzte Woche auf der Remsbahn nur zwei Waggons unterwegs waren, kam heute Morgen der Zug um 5.36 Uhr ab Plüderhausen nach Stuttgart wieder nur mit zwei Wagen. Ich habe keine Lust, von Plüderhausen bis Stuttgart zu stehen! Dafür zahle ich nicht im Monat etwa 140 Euro.“ Habe sich bei dem Unternehmen etwa „noch nicht herumgesprochen, dass ab 7. Januar die meisten Leute wieder ihre Arbeit aufnehmen? Oder werden die Züge im Filstal benötigt?“

„Fahrgäste stapeln sich auf dem Klo“

Go-Ahead fährt auch dort – und auf der Strecke im Kreis Göppingen geht es offenbar noch überfüllter zu als bei uns. Dieser Tage hat darüber die Südwestpresse berichtet: Kunden sprächen schon von „Viehtransporten“. Überschrift des Artikels: „Fahrgäste stapeln sich auf dem Klo“.

Die nächste Mail kam am 8. Januar – Pendler Frank Hesl: „Ich fahre um 5.44 Uhr ab Schorndorf nach Stuttgart, und wenn der Zug einfährt, stehen die Leute schon wie die Ölsardinen (und das vermutlich nicht erst seit Urbach). Beim Anfahren und Bremsen des Zuges kommen dann die nicht vorhandenen Haltegriffe ins Spiel. Nicht wenige stehende Reisende verlieren kurzfristig den Halt und treten den anderen auf die Füße.“ Hesls Eindruck nach sei manchmal sogar nur ein Einteiler unterwegs.

Ein-, Zwei- Dreiteiler? Der Pressesprecher ordnet ein

Anruf bei Erik Bethkenhagen, Pressesprecher von Go-Ahead: Ist das möglich? „Das kann nur ein absoluter Einzelfall gewesen sein. Ich habe nie gehört, dass nur ein Einteiler fährt.“ Und Zweiteiler? Normalerweise seien Dreiteiler im Einsatz.

Sicher, im Sommer und Herbst seien die Züge oft zu kurz gewesen. Mit den neuen Flirt-Triebwagen der Schweizer Firma Stadler gab es Startprobleme, die Software war nicht ausgereift und kam mit den unterschiedlichen Bahnsteighöhen im Remstal nicht klar. Schiebetritte fuhren nicht aus oder kollidierten mit dem Beton, Fehlermeldungen blockierten Türen, Wagen mussten in die Werkstatt. Aber: Mittlerweile habe Stadler eine neue Software programmiert, sie wurde in den Zügen aufgespielt – die Probleme seien also gelöst!

Was nichts daran ändert, dass uns Leser eben immer noch von Stummelbähnchen berichten. Dieser Widerspruch lässt sich auf die Schnelle nicht lösen. Deshalb unsere Zeitungsbitte: Liebe Pendler, falls in den nächsten Tagen morgens ein Ein- oder Zwei-, aber kein Dreiteiler kommen sollte – mailen Sie uns an kreis@zvw.de.

Unruhe auch in Aalen

Und die Pünktlichkeit? Dazu gibt es auf www.go-ahead-bw.de recht aktuelle Statistiken. Die Daten geben zwar nicht punktgenau für das Remstal Auskunft, sondern nur pauschal für alle Go-Ahead-Fahrten in Baden-Württemberg – aber ein grobes Bild zeichnet sich doch ab:

Laut interner Go-Ahead-Auswertung lag die Pünktlichkeit in den letzten beiden Dezemberwochen 2019 bei akzeptablen 91 Prozent und zwischen Ende November und Mitte Dezember bei etwa 79 Prozent, was schlecht ist. Diese Werte sind obendrein doppelt relativierungsbedürftig ...

„Pünktlich“ bedeutet nicht „auf die Minute da“, sondern „maximal sechs Minuten verspätet“. Haargenau fahrplankonform kam, grob über den Daumen gepeilt, nur etwa jeder zweite Zug.

Die Besucher schimpften ordentlich

Züge, die ganz ausfallen oder nur einen Teil der vorgesehenen Strecke fahren, fließen nicht in die Pünktlichkeitsstatistik ein – von Mitte bis Ende Dezember verging kaum ein Tag, an dem die Teil- oder Totalausfallquote nicht um die 10-Prozent-Marke herum pendelte.

Die Probleme wühlen auch den benachbarten Ostalbkreis auf: In Aalen fand vor einigen Tagen eine Gesprächsrunde mit dem örtlichen CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter statt. Die Besucher schimpften ordentlich – wobei sich aber wieder einmal zeigte, dass Go-Ahead eindeutig nicht an allem schuld ist.

Zuständig für die Strecken-Infrastruktur ist nämlich die DB Regio. Und wegen Stellwerkstörungen oder Bauarbeiten sind immer wieder zwischen Gmünd und Stuttgart Passagen unbefahrbar. Ersatzbusse pendeln dann zur Überbrückung. Eigentlich ...

Die Züge seien immerhin sauber

Ein Mann aber erzählte: Er sei auf dem Weg von Stuttgart nach Aalen nachts um 23 Uhr in Waiblingen gestrandet und nicht mehr weitergekommen; kein Ersatzbus in Sicht. Also habe er für 160 Euro per Taxi heimfahren müssen – die Deutsche Bahn habe ihm eine Schadensersatzzahlung verweigert.

Ein anderer berichtete von einer Tour nach Stuttgart, die in Gmünd geendet sei. Ersatzbus? Nichts, nada, niente. Taxipreis zum Flughafen: 148 Euro. Seither führe er einen Papierkrieg mit der DB um Entschädigung.

Bei der Frustsitzung in Aalen gab es neben vielen Beschwerden auch ausdrückliches Lob für Go-Ahead: Die Züge seien immerhin sauber – und das Personal glänze mit Freundlichkeit, Geduld, Hilfsbereitschaft. Das können wir von der Zeitung aus eigener Pendler-Erfahrung bestätigen.

Bemerkenswert: Im Publikum saßen sogar zwei Go-Ahead-Beschäftigte. Ein Zugbegleiter sagte, er arbeite 200 Stunden pro Monat, weil es an Personal fehle. Seine Kollegin erklärte: Trotz aller Nöte – sie habe bei Go-Ahead ihren „Traumjob“ gefunden.

Solange diese Leute so motiviert sind, geben wir die Hoffnung nicht auf.


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Ein neues Jahr hat begonnen, aber die alte Liedweisheit unseres Lieblings-Soulsängers und Springsteen-Kumpels Southside Johnny gilt weiterhin: „Some things just don’t change“, manche Dinge ändern sich einfach nicht. Da kehrt man aus dem Urlaub zurück – und was findet man im Postfach? Beschwerden über Go-Ahead.

Bernd Hees mailte uns am 7. Januar: „Nachdem schon letzte Woche auf der Remsbahn nur zwei Waggons unterwegs waren,

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