Rems-Murr-Kreis

Gute Zeiten für Arbeitssuchende: Rems-Murr-Betriebe im Aufwind, aber nicht alle

Baukräne
Im Bausektor brummt das Geschäft. © Benjamin Büttner

Konjunkturprognosen zielen in die Bauchgegend. Sie erzeugen gute Laune – oder auch nicht. Das wirkt sich auf Entscheidungen im Hier und Heute aus – in der Wirtschaft wie im Privaten. So gesehen ist der Blick in die Zukunft eng verflochten mit der Gegenwart.

Die neuesten Prognosen einer Reihe von Rems-Murr-Betrieben fallen naturgemäß reichlich unterschiedlich aus. In manchen Branchen hat die Pandemie die Geschäfte sogar noch angeheizt. Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel sind nach wie vor die Leidtragenden, die einen mehr, die anderen weniger.

Risikofaktor Fachkräftemangel

Glänzende Zukunftsaussichten sind nicht erst seit gestern einer Gruppe von Menschen beschert, welche die Industrie- und Handelskammer in ihrem Konjunkturbericht unterm Schlagwort „Fachkräfte“ zusammenfasst. Es handelt sich ganz offenbar um eine seltene Spezies, denn um sie scheint sich die Wirtschaftswelt regelrecht zu schlagen: Fachkräftemangel steht seit langem in der Liste der Risikofaktoren ganz weit oben, sprich: Können Firmen Stellen nicht besetzen, wird das ihren wirtschaftlichen Erfolg gefährden, dieser Zusammenhang leuchtet unmittelbar ein. Aktuell rangiert das „Geschäftsrisiko Fachkräftemangel“ direkt hinter der Corona-Pandemie auf Platz zwei im Ranking der Unsicherheiten. Wegen der steigenden Rohstoff- und Energiepreise machen sich Wirtschaftsvertreter/-innen ebenfalls Sorgen, und das nicht zu knapp.

Im Vergleich zur Umfrage im Spätherbst 2021 verzeichnet die IHK-Bezirkskammer Rems-Murr dieses Mal eine unterm Strich leicht schlechtere Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Das dürfte nach wie vor an Corona liegen, ferner an Problemen bei der Lieferung von Vorprodukten, am Halbleitermangel, an Absagen von Messen und Veranstaltungen sowie an ausbleibenden Dienstleistungsaufträgen, wie es in der Analyse der IHK heißt. „Überwiegend stabil“ werde der Auftragseingang bewertet: „Vor allem bei einer Mehrzahl der Industrieunternehmen sind die Auftragsbücher für die nächsten Monate voll.“

Exporterwartungen: Es kommt aufs Land an

Was die Exporterwartungen angeht, verzeichnet die IHK einen positiven Trend, zumindest unterm Strich. Mehr als zwei Drittel der befragten Industriebetriebe im Rems-Murr-Kreis berichten von gestiegenen Exportumsätzen. Dass Firmen angesichts der Entwicklungen in Russland bei diesem Empfängerland eher Zurückhaltung üben, versteht sich von selbst. Zudem verliert Großbritannien ein Jahr nach dem Brexit „als Exportmarkt weiter an Bedeutung für die heimischen Unternehmen“. Mit Blick auf Exporte in die Europäische Union, nach Lateinamerika und Asien zeigen sich die befragten Industrieunternehmen sehr viel positiver gestimmt.

Die Geschäfte im Industrie- und Bausektor laufen unterdessen so gut, dass der Umfrage zufolge mehr als jedes zweite Unternehmen Investitionen im Inland plant, wobei es sich vorrangig um Ersatzbeschaffungen handelt. Mehr als 80 Prozent der Dienstleistungsunternehmen planen Investitionen im Zusammenhang mit Digitalisierung.

Einzelhandel rechnet mit „eher verhaltenem Konsumanstieg“

Im Handel sieht’s pandemiebedingt schlechter aus als in der Industrie. Die befragten Einzelhändler/-innen rechnen mit einem „eher verhaltenen Konsumanstieg“, wobei die Einschätzungen abhängig vom Sortiment sehr unterschiedlich ausfallen: Bau- und Lebensmittelmärkte sowie Online-Händler/-innen zeigen sich mit dem laufenden Geschäft „mehrheitlich zufrieden“. Für den stationären Einzelhandel gilt das wegen der coronabedingten Einschränkungen nicht. „Vor allem die inhabergeführten, stationären Einzelhandelsgeschäfte hatten unter den Folgen der Corona-Einschränkungen enorm zu leiden und stemmen sich mit aller Kraft gegen die negativen Tendenzen,“ wird IHK-Geschäftsführer Markus Beier in einer Mitteilung zitiert.

Gastrobranche schaut skeptisch in die Zukunft

Als „erheblichen Rückschlag“ wertete das Hotel- und Gaststättengewerbe erneute Einschränkungen, die sich in den vergangenen Monaten natürlich unübersehbar auf die Geschäfte auswirkten. „Angesichts der schlechten Verfügbarkeit von Fachkräften sowie der Arbeits- und Energiekostenentwicklung sieht die Gastrobranche eher skeptisch in die nahe Zukunft“, heißt es in der Auswertung der IHK.

In der Grafik mit der Überschrift „Erwartete Beschäftigung“ zeigen die Kurven branchenübergreifend nach oben. Jedes vierte Unternehmen möchte Personal einstellen – wobei es allzu oft beim Wollen bleibt, weil gut ausgebildete Leute nur schwer zu finden sind, wie es immer heißt.

Trotz aller Widrigkeiten fühlt sich IHK-Bezirkskammerpräsident Claus Paal der Mitteilung zufolge „erleichtert“ mit Blick auf die insgesamt bessere Stimmung in den Unternehmen: „Unser IHK-Konjunkturbarometer befindet sich seit Mitte vergangenen Jahres im Aufwärtstrend und hat mit aktuell 125,6 Punkten den Durchschnittswert der letzten zehn Jahre erreicht.“

Konjunkturprognosen zielen in die Bauchgegend. Sie erzeugen gute Laune – oder auch nicht. Das wirkt sich auf Entscheidungen im Hier und Heute aus – in der Wirtschaft wie im Privaten. So gesehen ist der Blick in die Zukunft eng verflochten mit der Gegenwart.

Die neuesten Prognosen einer Reihe von Rems-Murr-Betrieben fallen naturgemäß reichlich unterschiedlich aus. In manchen Branchen hat die Pandemie die Geschäfte sogar noch angeheizt. Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel sind nach

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