Rems-Murr-Kreis

Harter Corona-Winter im Rems-Murr-Kreis? Wie Experten die Lage einschätzen

Krankenhaus Schorndorf Einweihung interdisziplinaere Intensivstation
Nicht die wohl „händelbaren“ Intensivpatienten-Zahlen der kommenden Monate machen den Krankenhäusern Sorgen, sondern die zu erwartenden Personalausfälle. © ZVW/Gabriel Habermann

Im Moment sei die Corona-Lage in den Krankenhäusern „nicht mehr akut“, aber insgesamt gesehen „unübersichtlich“. So lauten die Einschätzungen von verantwortlichen Ärzten aus dem Rems-Murr-Klinikum Winnenden, dem Robert-Bosch-Krankenhaus und dem Klinikum Stuttgart. Was passiert, wenn die Infektionszahlen diesen Winter 2022/2023 drastisch zulegen, wie eigentlich immer in der kalten Jahreszeit? Auch der Pandemiebeauftragte des Rems-Murr-Kreises, Dr. Jens A. Steinat, hat gewisse Sorgen, was in den kommenden Monaten passieren könnte. Der Versuchs eines Ausblicks.

Die Corona-Lage sei zwar momentan entspannter und die Infektionsfälle seien auf niedrigem Niveau stabil, sagt Dr. Steinat. Man müsse aber von einer deutlichen Dunkelziffer ausgehen. „Viele Sars-CoV-2-Fälle verlaufen vor allem bei geimpften Personen milde, so dass viele keinen Arzt aufsuchen. Die Anzahl der Testungen hat ebenfalls deutlich abgenommen.“

Die vielen milden oder asymptomatischen Krankheitsverläufe führen zu einer statistischen Untererfassung, weil sie häufig von Betroffenen selbst nicht erkannt oder erkannt werden wollen und schon gar nicht „gemeldet“ werden.

Wenn auch in den Krankenhäusern „kontrolliert“ wegen der geringen Anzahl der Covid-Patienten, so sei die Corona-Lage insgesamt mittlerweile doch „komplett unübersichtlich“, sagt Prof. Dr. Mark Dominik Alscher vom Robert-Bosch-Krankenhaus. „Wir wissen längst nicht mehr sicher, wer ist Überträger, wer nicht.“ Auch gebe es zunehmend Mehrfachinfektionen. Tatsächlich sei gerade das Phänomen zu beobachten, dass auch schon mehrfach geimpfte und geboosterte und/oder schon mal infizierte/genesene Mitarbeiter und Patienten sich erneut infizierten und Covid bekommen, bestätigt auch Dr. Torsten Ade, Chefarzt der Notaufnahme des Rems-Murr-Klinikums Winnenden und Klinikhygieniker. „Das liegt an der hohen Infektiosität von Omikron und seinen Varianten“, so Alscher. Zum Glück seien die Krankheitsverläufe aber meist milde im Vergleich zur Zeit, als der Corona-Wildtyp sich verbreitete und der Grundimmunisierungsgrad der Bevölkerung gering war.

Doch andere Probleme könnten im Corona-Winter 2022/2023 anstehen. „Wir müssen im Winter aufpassen, dass sich nicht extrem viele Menschen in extrem kurzer Zeit infizieren“, sagt Dr. Ade.

Der Kreis-Pandemiebeauftragte Dr. Steinat erwartet in diesem Corona-Winter einen deutlichen Anstieg der Infektzahlen: „Wir werden es mit den üblichen Virusinfekten im Winterhalbjahr und zusätzlich einem Anstieg der Sars-CoV-2-Zahlen zu tun haben. Ich gehe von hauptsächlich milden Verläufen aus, die allerdings das ambulant ärztliche System stark belasten und zu hohen Personalausfällen auf allen Ebenen führen werden.“

Die Pandemie sei weniger modellierbar und vorhersehbar geworden, sagt Prof. Alscher vom Robert-Bosch-Krankenhaus. Im Winter werde aber höchstwahrscheinlich die Frage akut werden, ob die Krankenhäuser genügend gesundes, arbeitsfähiges Personal haben werden zur Versorgung der Patienten. Auch erwartet man im Robert-Bosch-Krankenhaus eine Zunahme der Covid-Patientenzahl. „Es werden sich noch mehr infizieren als jetzt schon, mit Corona und allen anderen saisonalen Atemwegserkrankungen. Die Frage ist, wer davon ins Krankenhaus kommt? Ich gehe davon aus, dass es bei den Normalbetten eine höhere Inanspruchnahme geben wird. Wenn uns nicht zu viel Personal dabei parallel ausfällt, wäre der Anstieg zu händeln. Der Knackpunkt wird also das Personal sein in der Winterwelle.“

Infiziertes, aber asymptomatisches Personal weiterarbeiten lassen?

Falls die Personalausfälle wegen Krankheit im Winter ein Ausmaß annähmen, „dass wir in eine Situation kommen, die Versorgung schwerkranker Patienten reduzieren zu müssen“, hielte es Prof. Alscher für angebracht, asymptomatisch mit Corona infizierte Mitarbeiter zu bitten, „natürlich mit vollumfänglicher Schutzkleidung wie jetzt auch schon, auf Quarantäne-Stationen mit Corona infizierten Patienten „weiterzuarbeiten“.

Im Klinikum Stuttgart hofft man, „dass durch die hohe Impfquote und die große Zahl der durchgemachten Infektionen die Grundimmunität inzwischen so groß ist, so dass wir auch im Herbst und Winter keine Patientenzahlen auf dem Niveau vorangegangener Wellen erleben werden“, sagt Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Jan Steffen Jürgensen. „Respekt haben wir vor einer möglichen Grippewelle. Die im Vergleich zur Versorgung der Patienten größere Herausforderung dürften im Winterhalbjahr weitere Ausfälle von Beschäftigten mit positivem Test werden.“

Die Krankenhäuser der Region haben auch deshalb gewisse Schutzmaßnahmen, was Corona angeht, sogar den Sommer über nicht gelockert, so auch die Rems-Murr-Kliniken nicht: „Bei uns herrschen zum Beispiel durchgehend FFP2-Maskenpflicht sowie Corona-Testpflichten für das Personal und auch für Besucherinnen und Besucher“, sagt Dr. Ade. Der Klinikhygieniker wird deshalb auch nicht müde zu betonen: „Auch außerhalb der Krankenhäuser und Pflegeheime ist Maskentragen in geschlossenen Räumen, wenn viele Menschen anwesend sind, auf jeden Fall zu empfehlen, um sich und andere nicht anzustecken.“ Ob man beim Schlendern auf dem Weihnachtsmarkt unter freien Himmel eine Maske tragen sollte, „das mag weniger Sinn machen“, so Ade.

Milde Krankheitsverläufe sind bei Virusmutationen nicht sicher

Nicht zuletzt weist der Winnender Chefarzt Dr. Torsten Ade darauf hin, dass die derzeit mehrheitlich milden Covid-Krankheitsverläufe auch bei allen bisherigen Omikron-Untervarianten nicht zwangsläufig eine Garantie sind, dass dies immer und ewig bei allen noch kommenden Virusmutationen auch der Fall sein wird. Dem pflichtet der Kreis-Pandemiebeauftrage Dr. Jens A. Steinat bei: „Viren mutieren immer. Es wird also neue Varianten geben. Welche Auswirkungen dies hat, lässt sich schwer vorhersagen. Prinzipiell können gefährlichere Varianten und weniger gefährliche auftreten.“

Im Moment sei die Corona-Lage in den Krankenhäusern „nicht mehr akut“, aber insgesamt gesehen „unübersichtlich“. So lauten die Einschätzungen von verantwortlichen Ärzten aus dem Rems-Murr-Klinikum Winnenden, dem Robert-Bosch-Krankenhaus und dem Klinikum Stuttgart. Was passiert, wenn die Infektionszahlen diesen Winter 2022/2023 drastisch zulegen, wie eigentlich immer in der kalten Jahreszeit? Auch der Pandemiebeauftragte des Rems-Murr-Kreises, Dr. Jens A. Steinat, hat gewisse Sorgen, was in

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