Rems-Murr-Kreis

Hartes Jahr für Winzer: Wengerter im Kreis rechnen dennoch mit gutem Wein 2021

C66A9538
„Das Längenwachstum der Triebe war enorm. Sie sind innerhalb weniger Tage über den Drahtrahmen hinausgewachsen“, sagt Werner Kuhnle (vorne rechts). © Benjamin Büttner

Weinberge mit Totalausfall hüben, runde, pralle, verheißungsvoll schöne Trauben drüben – es gibt alles in diesem verrückten Weinjahr. Die Wengerter im Rems-Murr-Kreis haben geschuftet und gekämpft. Jetzt sagen sie: Der Wein kann gut werden. Wenn, ja wenn die Sonne noch eine Weile durchhält.

Erst mild, dann Frost, dann Dauerregen

Erst mild, dann Frost, dann Dauerregen – es ging schon im zeitigen Frühjahr los mit den Herausforderungen. Die Wengerter haben in ihre Trickkiste gegriffen, damit im Weinberg was wächst. Üblicherweise, sagt Sven Ellwanger vom Großheppacher Weingut, lässt der Fachmann am Stock nur eine Rute stehen, an der dann alles austreibt. In diesem Jahr aber brauchte es die zweite, die Notreserve: Denn nachdem der Winter recht warm gewesen war und die Weinstöcke schon früh in den Startlöchern standen, machte die Kälte im April so einigen Augen den Garaus. Bei Riesling und Burgunder hat Ellwanger keinen Frostschaden. Bei den früheren Sorten und in jungen Anlagen, die auch früher treiben, aber schon.

Nicht anders geht’s den Fellbacher Weingärtnern, den Wengertern der Remstalkellerei und Werner Kuhnle vom Strümpfelbacher Weingut. Der stand am 6. April getroffen vor Lemberger, Muskateller, Chardonnay und Garanoir.

Nach dem Frost kam die Nässe. Und die blieb und blieb. Steilere Lagen konnten kaum bearbeitet werden. Der Boden hielt den Traktoren nicht stand. Wenn’s dann mal eine Wasserpause gab, dann, sagt Sven Ellwanger, dauerte der Arbeitstag von morgens um fünf Uhr bis abends um zehn.

Erst übrigens war’s nass und kalt, und es ging nichts voran. Dann wurde es nass und warm, die Vegetation explodierte: „Das Längenwachstum der Triebe war enorm. Sie sind innerhalb weniger Tage über den Drahtrahmen hinausgewachsen“, schreibt Werner Kuhnle. Die Arbeit wurde nicht weniger. Es habe, schreibt Kuhnle, eine „angespannte Stimmung“ geherrscht. Alles musste auf einmal laufen.

Und der echte und der falsche Mehltau fühlten sich auch noch wohl. Das war besonders hart für Sven Ellwanger. Das Weingut stellt auf Bio um – das erste Jahr ist Ellwanger jetzt dabei. Wer Bio will, kann den Pilz nicht mehr mit Fungiziden bekämpfen, sondern darf nur vorbeugende Mittel spritzen. In einem Jahr mit solch extremem Wetter diese Erfahrungen zu sammeln, das braucht Durchhaltevermögen. Auch Tom Seibold, Vorstandsvorsitzender der Fellbacher Weingärtner, berichtet von erst großen Sorgen. Doch am Ende hatte man den Mehltau – den echten wie den falschen – gut im Griff. Erst wurde zwecks besserer Durchlüftung das Laub reduziert, jetzt gehen die Wengerter durch die Reihen und sortieren die Trauben aus, die halt doch befallen sind.

Die letzten Tage aber, sagt Tom Seibold, waren „ein Traum“. Warme Sonne, kühle Nachttemperaturen – das „beruhigt die Nerven“. Es könne ein „qualitativ guter Wein werden“. Demnächst geht’s los mit der ersten Ernte – bei den Fellbachern wie bei allen anderen.

Der neue Wein verspricht noch Gutes

Sven Ellwanger sagt, er sei „halbwegs zufrieden, wie wir’s hingekriegt haben“. Werner Kuhnle spricht von „gutem Mut“. Peter Jung, Vorstandsvorsitzender der Remstalkellerei, will sich mit einer „fundierten Aussage zur letztendlichen Qualität des Jahrgangs“ noch zurückhalten, bis die Ernte eingefahren und im Keller ist. Doch eigentlich sollte er zuversichtlich sein: Für neuen Wein wurden schon Müller-Thurgau, Acolon und Regent geerntet und man habe sich über „gute Qualitäten“ freuen können. „Der gekelterte Most entfaltete wunderbar sortentypische Aromen.“

Weinberge mit Totalausfall hüben, runde, pralle, verheißungsvoll schöne Trauben drüben – es gibt alles in diesem verrückten Weinjahr. Die Wengerter im Rems-Murr-Kreis haben geschuftet und gekämpft. Jetzt sagen sie: Der Wein kann gut werden. Wenn, ja wenn die Sonne noch eine Weile durchhält.

Erst mild, dann Frost, dann Dauerregen

Erst mild, dann Frost, dann Dauerregen – es ging schon im zeitigen Frühjahr los mit den Herausforderungen. Die Wengerter haben in ihre Trickkiste

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper