Rems-Murr-Kreis

Heißer Tipp für die Impfterminsuche: Portal eines Schülers lässt Check bei allen Impfzentren gleichzeitig zu

Julian Ambrozy Portal Impfterminsuche
Julian Ambrozy hat einen Weg gefunden, wie sich die Suche nach einem Impftermin vereinfachen lässt. © privat

Impfterminsuche leicht gemacht: Schön wär’s. Von Wutanfällen oder wahlweise Resignation berichten Menschen, die seit Tagen, nein, seit Wochen am laufenden Band auf impfterminservice.de nach einem Termin fahnden. Im virtuellen Warteraum kann man leicht mehr Zeit verbringen, als für die Nerven gut ist. Die noch anspruchsvollere Variante: Man dringt auf wundersame Weise bis zum ersehnten Vermittlungscode vor - um dann beim Versuch, einen Termin zu buchen, mit Volldampf gegen die nächste Wand zu laufen: „Es wurden keine freien Termine in Ihrer Region gefunden. Bitte probieren Sie es später erneut.“

Geduldig klopfen Impfwillige in der Online-Terminsuche ein Impfzentrum nach dem anderen ab. Umständlicher und zeitaufwendiger geht’s kaum noch, und wieso bitte lässt das Portal keine Suche bei mehreren Impfzentren gleichzeitig zu? Warum wird nirgends angezeigt, wo gerade neue Termine eingestellt wurden; dann könnte man sich die ewigen Klicks ins Blaue hinein samt 100-Prozent-Frustfaktor sparen?

Geduld ist auch bei dieser Version vonnöten

Ein 17-jähriger Schüler aus Ostfildern dachte sich genau das auch – und löste das Problem.

Zunächst die Kurzanleitung: Das Portal heißt „Impfterminübersicht“, und es funktioniert. Geduld braucht man auch hier, zumal nach wie vor viel mehr Impfwillige auf Terminsuche sind, als Impfstoffdosen zur Verfügung stehen. Das Portal aktualisiert sich alle paar Sekunden von selbst – und zeigt an, ob in Baden-Württemberg oder in anderen Bundesländern momentan „Impfmöglichkeiten mit Terminen“ zur Verfügung stehen. Falls das fürs Ländle zutrifft, erscheint Baden-Württemberg grün eingefärbt auf der Startseite - und man kann sofort reagieren. Einmal im Feld „Baden-Württemberg“ auf die Übersicht klicken - und es erscheinen 54 Impfstellen übersichtlich auf einer Seite. Wo aktuell neue Termine eingestellt wurden, ist leicht ersichtlich: Das entsprechende Impfzentrum leuchtet grün. Dann dort klicken, und wenn nicht schon andere schneller waren, erscheint jetzt unter dem Wörtchen „hier“ der Zugang zur Terminbuchung beim betreffenden Impfzentrum.

Arztpraxen können sich ebenfalls registrieren lassen

Julian Ambrozy, Schüler aus Ostfildern, hat das Portal entworfen, und es können sich dort auch Arztpraxen, die Impftermine zu vergeben haben, registrieren lassen.

Es kann aber durchaus sein, man erlebt auf Ambrozys Impfterminübersicht dasselbe wie gefühlte 10 000 Mal schon zuvor: keine Termine verfügbar. Nur fühlt sich das in diesem Moment weit weniger frustrierend an. Denn Suchende können sich per Mausklick für eine Benachrichtigung registrieren lassen: Sobald neue Termine eintrudeln, folgt eine Info.

Wir haben’s ausprobiert: Sofort hat’s nicht geklappt – dann aber doch. Beide Impftermine sind gebucht, zwar bei einem etwas weiter entfernten Impfzentrum, dafür mit Zusage für den heiß begehrten Impfstoff von Biontech.

Über 60-Jährige lehnen Astrazeneca trotz Empfehlung ab

Die Impfstoffe von Astrazeneca und von Johnson & Johnson sind laut Ständiger Impfkommission für Personen ab 60 Jahren oder älter empfohlen. Das hält aber eine nicht unerhebliche Anzahl von Personen dieser Altersgruppe, so ist es aus Arztpraxen zu hören, keineswegs davon ab, Astrazeneca großzügig abzulehnen: Entweder Biontech oder gar nichts, heißt es keck – der offiziellen Empfehlung zum Trotz. Hintergrund sind die zwar sehr seltenen, aber eben doch dokumentierten Fälle von Thrombosen, die nach einer Impfung mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson aufgetreten sind. Bei Jüngeren, wohlgemerkt – deshalb die entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission.

Sei’s drum: Um die knappen Biontech-Impftermine konkurrieren sehr viele Personen, und jetzt dürfen sich die Arztpraxen mit äußerst kniffligen Fragen herumschlagen: Wer kriegt wann welchen Stoff? Müssen sich über 60-Jährige, die Astrazeneca ablehnen, weit hinten anstellen für Biontech? Oder zieht man sie vor, eben weil sie älter und damit gefährdeter sind, im Zuge einer Corona-Infektion einen schweren Verlauf oder Schlimmeres zu erleiden?

Wie auch immer: Julian Ambrozy lädt auch Arztpraxen ein, sich für seine Impfterminübersicht registrieren zu lassen. „Sie können sich bei mir anmelden“, erklärt der Schüler – und dann gibt er auf dem Portal die Kontaktdaten der Praxen frei, die beispielsweise Termine für übrigen Astrazeneca-Impfstoff anbieten möchten. Noch sind für Baden-Württemberg nur zwei Praxen registriert.

Freude über Rückmeldungen: Hab einen Impftermin!

Der 17-Jährige sitzt jeden Tag nach der Schule am Rechner, beantwortet Anfragen, registriert weitere Arztpraxen – und sieht zu, wie immer mal wieder jemand versucht, das Portal mittels Zigtausender gleichzeitiger Aufrufe außer Gefecht zu setzen. Der Schüler hat Mechanismen installiert, die solche Angriffe abwehren, doch für ganz kurze Zeit ist das Portal in diesen Fällen dann doch nicht zugänglich. Julian Ambrozy sieht’s gelassen – und freut sich derweil über alle Maßen, wenn ihn auf Twitter wieder mal eine Nachricht erreicht: Hab auf Ihrem Portal einen Impftermin ergattert! Danke!

„Extrem cool“ – so kommentiert der Schüler die Erfolge. Als er vor Wochen einen Impftermin für seinen Opa buchen wollte, nervte ihn das umständliche Prozedere bei impfterminservice.de. Es folgten ungezählte Stunden Programmierarbeit, bis sein Portal am 11. April online ging. Mehrmals musste Julian Ambrozy nachjustieren: Zunächst besuchten 20 Leute seine Seite. Als die Nutzerzahlen in den fünf-, dann in den siebenstelligen Bereich schossen, kam das System nicht mehr hinterher. Der 17-Jährige änderte dies und das – und verzeichnet momentan 26 Millionen Zugriffe auf die Seite seit Start.

Sein Prinzip: Alle paar Minuten werden automatisch die Internetseiten der Impfzentren abgefragt. Die Informationen fließen laufend aktualisiert in seine Impfterminübersicht – und voilà, man kann buchen.

Sollten als Folge der wachsenden Popularität des Portals viele Arztpraxen mit einsteigen, wird Julian Ambrozy noch mehr Zeit investieren müssen für die Registrierungen. Kein Problem, sagt der Schüler: „Das macht mir ja Spaß.“

Impfterminsuche leicht gemacht: Schön wär’s. Von Wutanfällen oder wahlweise Resignation berichten Menschen, die seit Tagen, nein, seit Wochen am laufenden Band auf impfterminservice.de nach einem Termin fahnden. Im virtuellen Warteraum kann man leicht mehr Zeit verbringen, als für die Nerven gut ist. Die noch anspruchsvollere Variante: Man dringt auf wundersame Weise bis zum ersehnten Vermittlungscode vor - um dann beim Versuch, einen Termin zu buchen, mit Volldampf gegen die nächste Wand zu

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