Rems-Murr-Kreis

Hitzetod-Gefahr steigt auch im Rems-Murr-Kreis: So können Sie sich schützen

Symbolfotoklinik
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

In dieser Woche (18. bis 24.7.) soll es in Baden-Württemberg tagelang weit über 30 Grad heiß werden. Die Zahl der Hitzetoten könnte deshalb auch im Rems-Murr-Kreis ansteigen. Das Statistische Landesamt rechnet aufgrund des Klimawandels mit „jährlich 180 bis 400 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen“. Expertentipps aus dem Haus Miriam in Waiblingen und der Haus-Elim-Tagespflege in Winnenden, wie insbesondere ältere Menschen die Hitzewelle unbeschadet überstehen.

Immer mehr Hitzetote auch in Baden-Württemberg

1000 hitzebedingte Sterbefälle hat das Statistische Landesamt auf seiner Website allein für den Jahrhundertsommer 2003 geschätzt und sich insgesamt die Übersterblichkeit in den Monaten Juni, Juli und August der Jahre 2000 bis 2019 angeschaut. Es verzeichnete einen weiteren drastischen Anstieg: Im Jahr 2019 sind wahrscheinlich rund 1700 Menschen aufgrund hoher Temperaturen im Ländle gestorben. Das waren 6,3 Prozent der rund 26.400 landesweiten Sterbefälle in den drei Sommermonaten 2019.

Die Ermittlung eindeutiger, verlässlicher Todesfallzahlen ist allerdings schwierig, „weil Hitze als Todesursache gewöhnlich nicht im Totenschein steht“, erläutert Leonie Graf, Pressesprecherin des Rems-Murr-Landratsamts, sondern zum Beispiel Herz-Kreislauf-Versagen oder Ähnliches. „Unser Gesundheitsamt erfasst die Todesursache statistisch auch nur, wenn sie meldepflichtig ist. Hitze ist da jedenfalls nicht dabei.“

Dehydrierung und Sonnenstich erkennen und die Symptome ernstnehmen

Nicht von ungefähr warnte das Landesgesundheitsministerium auf seiner Website für diese Woche (18. bis 24.7.) vor möglichen Gesundheitsgefahren durch die Hitze. „Häufig erkennen Menschen Hitzesymptome zu spät“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha in Stuttgart. „Im schlimmsten Fall kann Hitze jedoch lebensbedrohlich sein. Achten Sie deshalb auf hitzebedingte Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit oder Erbrechen und nehmen Sie die Symptome ernst.“

Verwirrtheit könne ebenfalls auf Dehydrierung hindeuten, sagt Thomas Sixt-Rummel, Leiter der Senioreneinrichtung Haus Miriam in Waiblingen. Schwierig sei die Erkennung der Symptome insbesondere für zu Hause, womöglich gar alleine lebende ältere Menschen. „Ich kenne das auch von meiner Oma. Im Alter nimmt das Durstgefühl ab. So trinken Seniorinnen und Senioren von sich aus tendenziell eher zu wenig.“

Das A und O des Hitzeschutzes für Seniorinnen und Senioren

Das Pflegedienstteam im Haus Miriam sei sensibilisiert und fachkundig, so dass es die Bewohnerinnen und Bewohner auch immer wieder proaktiv zu jeder Gelegenheit ans Trinken erinnert und diesen Getränke anbietet, sagt Sixt-Rummel. Genügend zu trinken gehöre zum A und O bei Hitze. Ebenso wie „sich nicht direkter Sonne auszusetzen, entsprechend in kühlen Abend- und Morgenstunden zu lüften und in den Hitzestunden tagsüber im Schatten zu bleiben und die Wohnung abzudunkeln, eventuell Rollläden herunterlassen“.

Auch mal ein Speiseeis zu essen könne dabei helfen, die Hitze auszuhalten: „Unser Freundeskreis hat für diesen Montag (18.7.) einen Eiswagen zu uns eingeladen“, sagt Sixt-Rummel. „Zwischen 15 und 17 Uhr können Bewohner, die wollen, sich ein Eis holen.“ Und wer nicht mehr so gut zu Fuß ist, dem werde auch Eis aufs Zimmer gebracht, wenn gewünscht.

Im Haus Miriam in Waiblingen leben insgesamt 70 Seniorinnen und Senioren in fünf Wohngruppen à 14 bis 15 Personen. Jede Gruppe hat eine eigene Wohnbereichsküche. „Und dort gibt’s immer was zu trinken. Dafür sorgt das Betreuungsteam und füllt immer nach. Neben Mineralwasser gibt's auch Apfelsaftschorle, Multivitaminsaft und Tee. Natürlich haben die Leute auch auf ihren Zimmern Getränke“, sagt Sixt-Rummel.

Der Nachtdienst achtet darauf, dass in den kühlen Stunden gelüftet werde. „Und wir empfehlen natürlich tagsüber immer wieder Beschattung. Aber dass jeder immer die Rollläden runterlässt, können wir den Menschen ja nicht vorschreiben. Mancher will nicht im Dunkeln sitzen.“

Ulrike Schubert, Pflegedienstleiterin der Haus-Elim-Tagespflege in Winnenden, weiß um all diese Problemfelder und Notwendigkeiten aus alltäglicher Erfahrung mit rund 20 Seniorinnen und Senioren, die tagsüber zur Tagespflege kommen. Sie hat ähnliche Tipps wie Thomas Sixt-Rummel. „Wir reduzieren zudem derzeit unser Gymnastikprogramm und achten darauf, dass niemand dehydriert. Außerdem haben wir mittlerweile eine Klimaanlage, die wir bei so großer Hitze auch anmachen und nutzen.“

Eigentlich verfügt der menschliche Organismus über „eine effektive Hitzeakklimatisation“ und kann sich an Temperaturen höher als 25 bis 30 Grad anpassen, teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit. Zum einen wird es dieser Tage jedoch mehr als 30 Grad heiß. Zum anderen würden die körperliche Temperaturregulation und die Hitzeanpassung „vor allem für den gesunden und jüngeren Organismus“ gelten.

„Bei alten Menschen sind diese Mechanismen nur eingeschränkt wirksam. Ähnliches gilt für chronisch kranke Menschen, besonders wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen“, so die LUBW.

Auch Säuglinge und Kleinkinder brauchen besonders Schutz vor Sonne und Hitze

Gesundheitsminister Manfred Lucha betonte zudem, dass Säuglinge und Kinder oder gesundheitlich geschwächte Personen „niemals – auch nicht für kurze Zeit – in einem geparkten Fahrzeug“ zurückgelassen werden dürften. Er rief die Bevölkerung außerdem dazu auf, sorgfältig auf die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu achten.

Untersuchungen zeigen laut LUBW eindrücklich, wie die Sterblichkeit der Bevölkerung in Hitzephasen rapide ansteige. „Bei einer Temperaturzunahme um ein Grad Celsius ist ein Anstieg der Gesamtmortalität aller Altersgruppen um ein bis  sechs Prozent zu erwarten.“ Nach einer Studie von Christina Koppe vom Deutschen Wetterdienst in Freiburg sterben an „Tagen mit starker Wärmebelastung“ – das entspricht laut LUBW einer gefühlten Temperatur von 32 bis 38 Grad – rund 13 Prozent mehr Menschen, als an „normalen Tagen“ zu erwarten wäre.

Schädliche und gesundheitsgefährdende Auswirkungen von zu viel UV-Strahlen

„Setzt man sich wiederholt ungeschützt oder zu lange der Sonne aus, sind die körpereigenen Reparaturmechanismen überfordert. UVA-Strahlen erzeugen freie Radikale, die als Auslöser des gefürchteten schwarzen Hautkrebses gelten und die Kollagenstruktur mit der Folge vorzeitiger Hautalterung schädigen“, teilt das Landesgesundheitsministerium auf seiner Website mit.

„UVB-Strahlen verursachen Sonnenbrand und können die Hautzellen zu Basalzell- und Plattenepithelkarzinomen (sogenannter heller Hautkrebs) entarten lassen. Auch das Auge ist durch starken Einfall von UV-Licht einer hohen Belastung ausgesetzt: Hornhaut- und Bindehautentzündung sowie eine Schädigung der Netzhaut und der Linse können die Folge sein.“

In dieser Woche (18. bis 24.7.) soll es in Baden-Württemberg tagelang weit über 30 Grad heiß werden. Die Zahl der Hitzetoten könnte deshalb auch im Rems-Murr-Kreis ansteigen. Das Statistische Landesamt rechnet aufgrund des Klimawandels mit „jährlich 180 bis 400 zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen“. Expertentipps aus dem Haus Miriam in Waiblingen und der Haus-Elim-Tagespflege in Winnenden, wie insbesondere ältere Menschen die Hitzewelle unbeschadet überstehen.

Immer mehr Hitzetote

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