Rems-Murr-Kreis

Hospizstiftung Rems-Murr sucht ehrenamtliche Helfer mit Migrationshintergrund

Hospiz
Beistand im Sterben, darum geht es in der Hospizarbeit. © Gabriel Habermann

Wir sind es uns als Menschen schuldig, andere Menschen in dieser schwierigen, buchstäblich an existenzielle Grenzen führenden Situation zu unterstützen und zu stärken, erklärt Susanne Stolp-Schmidt – und zwar ohne danach zu schauen, woher jemand kommt: Denn letztlich betrifft der Tod uns alle. Die Hospizstiftung Rems-Murr sucht dafür Helferinnen und Helfer mit Migrationshintergrund.

Susanne Stolp-Schmidt ist Hospizreferentin am Stationären Hospiz in Backnang. Die 63-Jährige kümmert sich unter anderem um den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige in ihrer letzten Lebensphase begleiten.

Der Bevölkerungsanteil an Ausländern betrug im Rems-Murr-Kreis im Jahr 2020 etwa 70.000 von insgesamt rund 427.000 Einwohnern. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Wenn für diese Menschen die Zeit gekommen ist oder sie unheilbar erkrankt sind, will Susanne Stolp-Schmidt auch sie unterstützen. Sie will dafür sorgen, dass diese Menschen und ihre Angehörigen kultursensibel begleitet werden.

Herausforderung Sprache, Herausforderung Kultur

Aus diesem Grund ist die Hospizreferentin auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die einen Migrationshintergrund haben. Einmal, um von diesen zu lernen, aber auch, um Sprachbarrieren zu überwinden. Die Ehrenamtlichen sollen schwer kranke Menschen mit Migrationshintergrund auf ihrem letzten Lebensweg in der Muttersprache begleiten können. Aber wie stellt man sich auf die Begleitung von Sterbenden anderer Kulturen ein? Gibt es da überhaupt Unterschiede zu den deutschen Patienten?

Am Hospiz in Backnang gibt es drei große Bereiche, erklärt Susanne Stolp-Schmidt. Zum einen den stationären Bereich, in dem Patienten rund um die Uhr versorgt werden. Daneben gibt es den ambulanten Hospizdienst für Erwachsene und einen weiteren ambulanten Hospizdienst speziell für Kinder. In den ersten beiden Bereichen gebe es bislang – zumindest in Backnang – kaum Patienten mit Migrationshintergrund. Anders sieht es beim Kinder-Hospiz aus.

Die größte Herausforderung sei dabei die Sprache, erklärt Susanne Stolp-Schmidt. Die Hospizreferentin weiß: „Ich kann noch so gut gewillt sein, ein bisschen mit den Augen kommunizieren oder den Patienten die Hand halten, aber wenn ich sie nicht verstehe und umgekehrt, kommen wir sehr schnell an unsere Grenzen.“

Mehr voneinander wissen, um besser auf Bedürfnisse Betroffener eingehen zu können

Doch ehrenamtlich Tätige können nicht nur wegen Sprachproblemen schwieriger auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen. Auch unterschiedliche kulturelle Lebensweisen oder der Umgang mit Krankheit und Tod beeinflussen die Hospizarbeit.

Gaby Hammer (55) ist in der Kinder-Hospizarbeit tätig und kennt die Probleme: „Ich war bei einer Familie, bei der das Kind direkt nach der Geburt gestorben ist.“ Als die Beerdigung des Kindes bevorstand, hätte Gaby Hammer die Familie gerne begleitet und unterstützt. „Ich wäre mit in die Moschee gegangen. Aber dann wurde mir gesagt, dass Frauen nicht mitdürfen. Selbst die Mutter nicht.“

Das sei für die 55-Jährige, die selber zwei Kinder hat, sehr befremdlich gewesen. Daher wünscht sie sich, dass man mehr voneinander weiß, um besser auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen zu können.

Hospizarbeit kann tatsächlich durchaus fröhlich sein

Doch warum sollte man sich für ein Ehrenamt im Bereich Hospiz entscheiden? „Wer denkt, hier gehe es nur um Trauer, der irrt sich gewaltig“, sagt Susanne Stolp-Schmidt. Natürlich gibt es die Momente, in denen Tränen fließen. Aber es gibt auch sehr fröhliche Zeiten.

Die Tätigkeit der Ehrenamtlichen besteht darin, zu schauen, was man den Schwersterkrankten noch Gutes tun kann. Sei es, einen Ausflug in die Natur zu unternehmen, ein Buch zu lesen oder gemeinsam ein Fußballspiel anzuschauen. Es gehe darum, ein letztes Mal Wünsche zu erfüllen, die die Sterbenden ganz bewusst erleben. „Jemand, der schwerst erkrankt ist, geht ganz anders in ein Café, weil er weiß, dass es vielleicht das letzte Mal sein wird, dass er dort sitzt.“

Die Ehrenamtlichen werden für ihre Aufgabe von den Hospizdiensten ausgebildet. Zunächst erfolgt ein Vorbereitungskurs, bei dem die Neueinsteiger intensiv auf die Begleitung von schwerst kranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen vorbereitet werden. Der nächste Kurs beginnt im Herbst. Interessierte können sich per Mail (info@hospiz-remsmurr.de) oder unter 0 71 91/9 27 97-0 bei Susanne Stolp-Schmidt melden.

Wir sind es uns als Menschen schuldig, andere Menschen in dieser schwierigen, buchstäblich an existenzielle Grenzen führenden Situation zu unterstützen und zu stärken, erklärt Susanne Stolp-Schmidt – und zwar ohne danach zu schauen, woher jemand kommt: Denn letztlich betrifft der Tod uns alle. Die Hospizstiftung Rems-Murr sucht dafür Helferinnen und Helfer mit Migrationshintergrund.

Susanne Stolp-Schmidt ist Hospizreferentin am Stationären Hospiz in Backnang. Die 63-Jährige kümmert

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