Rems-Murr-Kreis

Hubschrauber zu laut – Notruf gewählt: Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit Einzelner kennt keine Grenzen

Polizeihubschrauber
Symbolfoto. © Gabriel Habermann

Vom Lärm eines Polizeihubschraubers fühlte sich ein Anwohner in Beutelsbach des Nachts gestört. Er wählte entnervt die 110. Die Polizei hat jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet: Er dürfte sich einer missbräuchlichen Verwendung des Notrufs schuldig gemacht haben: Die 110, das weiß jedes Kind, ist keine Hotline für Beschwerden.

Ein echter Notfall war der Grund, weshalb der Hubschrauber am späten Dienstagabend vergangener Woche über Beutelsbach kreiste. Die Polizei suchte einen 83-Jährigen aus Weinstadt, der vermisst gemeldet war. Der Senior hätte sich in misslicher Lage befinden können – weshalb man, das leuchtet unmittelbar ein, eine Vermisstensuche nicht aufschiebt bis zum Morgen, nur damit Unbeteiligte ruhig schlafen können.

Für die Belange anderer interessiert sich nicht jeder: Immer mal wieder kommt es vor, berichtet Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier, dass sich Bürger/-innen wegen Hubschrauberlärms beschweren. Nicht oft, aber manchmal missbrauchen Personen zu diesem Zweck die Notrufnummer 110.

Sie könnten ahnen, was Rudolf Biehlmaier offiziell bestätigt: Ein Polizeihubschrauber kreist nie ohne Grund lärmend über Häusern – schon gar nicht nachts. Ließe sich ein nächtlicher Einsatz aufschieben – gäbe es keinen nächtlichen Einsatz. Will heißen: Die Polizei checkt ab, ob ein Hubschrauber nötig ist des Nachts, ob die Gründe triftig genug sind. Wenn ja, muss der Wunsch nach ungestörter Nachtruhe als nachrangig gelten.

Häufige Gründe für Heli-Einsatz: Vermisstensuche oder Fahndung

Relativ häufig sind Hubschrauberpiloten mit einer Vermisstensuche beauftragt. Oder sie halten Ausschau nach einem mutmaßlichen Straftäter, der einen Einbruch begangen oder jemanden zusammengeschlagen hat. In allen Fällen hat jene Person, die im Führungs- und Lagezentrum der Polizei die Einsätze koordiniert, genug zu tun, als dass noch Zeit bliebe für Diskussionen mit lärmgeplagten Anwohnern: „Solche Anrufe beeinträchtigen die Arbeit massiv.“

Dennoch zeigt Rudolf Biehlmaier Verständnis für Bürger, die ganz einfach wissen wollen, weshalb ein Hubschrauber kreist: Das ist menschlich, und wer kann schon von sich behaupten, die Neugier quäle nicht, sobald ein blauer Heli mit der weißen Polizei-Aufschrift am Himmel auftaucht. Der beste Tipp für diesen Fall: Das Nachrichtenportal www.zvw.de des Zeitungsverlags Waiblingen aufrufen. Die Polizei informiert die Medien, sofern ermittlungstaktisch machbar, zeitnah über Hubschraubereinsätze, verspricht Biehlmaier.

Unterdessen gehen beim Roten Kreuz Rems-Murr laut Sprecher Christian Siekmann nur sehr selten Beschwerden ein, weil sich jemand vom lauten Martinshorn gestört fühlte: „Wir können feststellen, dass die Menschen großes Verständnis für das Rettungsdienstpersonal zeigen, wenn diese mit Sonderrechten fahren“, sprich, sich über die Straßenverkehrsordnung hinweg- und das Martinshorn einsetzen, weil Menschenleben zu retten sind.

Rettungswagen als "Räumer der Straße" missbraucht

Nicht ganz so selten registrieren Fahrer des Rettungsdienstes allerdings aggressives Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer: Hin und wieder missbraucht jemand den Rettungswagen als „Rammbock“, hängt sich dicht an die Stoßstange eines aus bekannten Gründen sehr schnell fahrenden Rettungswagens – wohl im Glauben, man werde dicht dahinter nicht geblitzt und dürfe den Rettungswagen als „Räumer der Straße“ betrachten. Einen Fall dieser Art hatte das Rote Kreuz Anfang Oktober vergangenen Jahres öffentlich gemacht. Seinerzeit hatte ein Autofahrer gar einen Rettungswagen im Einsatz mit Lichthupe und anderen Mitteln bedrängt: Der Fahrer wollte überholen.

Wenn möglich, merkt sich das Rettungsdienstpersonal das Kennzeichen, „um gegebenenfalls Anzeige wegen Nötigung erstatten zu können“, heißt es beim Roten Kreuz. Erstaunliches erleben Rot-Kreuz-Fahrer immer wieder auch im Stau: Ungeniert folgen Gleichgültige dem Rot-Kreuz-Fahrzeug mitten durch die Rettungsgasse.

Sanitäter dürften von Berufs wegen mit starken Nerven ausgestattet sein. Vermutlich lässt sie dennoch nicht kalt, was laut Rotem Kreuz immer mal vorkommt: Autofahrer zeigen dem Rettungsdienst, der sich mittels Martinshorn freie Bahn verschaffen muss, ungerührt den Vogel.

Mit Steinen und Sturmgewehr gegen die Polizei

An Beschimpfungen hätten sich die Rot-Kreuz-Helfer bereits gewöhnt, berichtete Rettungsdienstleiter Marco Flittner bereits vor einiger Zeit lakonisch. Seit Jahren nehme die verbale Gewalt zu – und vor einiger Zeit schlug ein alkoholisierter Patient gar einer Notfallsanitäterin gezielt ins Gesicht.

Seit Jahren beklagt auch die Polizei, dass Respektlosigkeit mehr und mehr um sich greift und Einsatzkräfte sich gegen gezielte Angriffe zur Wehr setzen müssen: Es werde gebissen und gespuckt, getreten und geschlagen, schreibt das Polizeipräsidium Aalen. „Die Mittel, zu denen die Täterschaft griff, waren mannigfaltig“, heißt es im Bericht fürs Jahr 2020: „Es wurden Glasflaschen (auch mit abgeschlagenem Flaschenhals), Steine, Tennisbälle, Feuerwerkskörper, Schlagringe, Haushaltsscheren, Messer, Kinderspielsachen, Kleidung, Mülleimer, ein Werbeaufsteller, ein Rottweiler und ein Sturmgewehr AK-47 zur Abwehr polizeilicher Maßnahmen verwendet.“

Vom Lärm eines Polizeihubschraubers fühlte sich ein Anwohner in Beutelsbach des Nachts gestört. Er wählte entnervt die 110. Die Polizei hat jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann eingeleitet: Er dürfte sich einer missbräuchlichen Verwendung des Notrufs schuldig gemacht haben: Die 110, das weiß jedes Kind, ist keine Hotline für Beschwerden.

Ein echter Notfall war der Grund, weshalb der Hubschrauber am späten Dienstagabend vergangener Woche über Beutelsbach kreiste. Die Polizei

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