Rems-Murr-Kreis

IHK-Kammer-Präsident Claus Paal hält Gasumlage auch für Firmen für notwendig

Paal
Die Mehrkosten für die Unternehmen seien zwar gehörig, besonders hart treffe es aber andere, nämlich Mitbürger im unteren Einkommensbereich, sagt Claus Paal. © Benjamin Büttner

„So weit würde ich jetzt nicht gehen, zu fordern, dass die Unternehmen, dass die Industrie von der Gasumlage ausgeschlossen werden sollten“, sagt Claus Paal, Unternehmer und Präsident der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. „Wir alle müssen solidarisch sein und unseren Teil beitragen, zumal die Energiekrise kriegsbedingt ist, und der gesellschaftliche Frieden hierzulande geschützt werden muss.“

Die Mehrkosten für die Unternehmen seien zwar gehörig, nicht nur durch die Gasumlage, sondern aufgrund der Preissteigerungen im Energiebereich und allgemein, besonders hart treffe es aber andere, nämlich Mitbürger im unteren Einkommensbereich. „Das sind doch die normalen Leute, die zur Miete wohnen und wenn’s gut läuft, auch schon unter normalen Umständen am Monatsende froh wären, mit null rauszukommen. Die werden die ganzen Zusatzkosten und die Gasumlage hart treffen und das womöglich erst bei der nachgelagerten Nebenkostenabrechnung.“

Wie steht es um den Energiebedarf der Unternehmen im Rems-Murr-Kreis?

„Derzeit werden erst rund 53,5 Prozent des Energiebedarfs der Industriebetriebe im Rems-Murr-Kreis per Strom gedeckt“, hat der Fellbacher FDP-Bundestagsabgeordnete Prof. Stephan Seiter herausgefunden. „Für den Rest brauchen die Firmen fossile Energieträger und damit auch russisches Gas oder Öl.“

Demnach spiele Kohle für die direkte Energieversorgung der Betriebe keine Rolle. „Erdgas trägt 1.067,80 Millionen Megajoule (MJ) bei und hat damit einen Anteil von 32,24 Prozent“, sagt Seiter und verweist auf die Regionaldatenbank Genesis des Statistischen Bundesamtes und der Landesämter. Verfügbar sind Daten über den Energieverbrauch der Rems-Murr-Industrie bis Ende 2020.

Das Beispiel Stihl und Kärcher

Die Abhängigkeit vom Erdgas bei der Energieversorgung ist bei den Unternehmen im Rems-Murr-Kreis sehr unterschiedlich. Wie berichtet, entfallen zum Beispiel beim Motorsägenhersteller Stihl rund 32 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Erdgas. Stihl liegt damit im Rems-Murr-Kreis-Durchschnitt. 2021 wurden im Unternehmen weltweit 160 Gigawattstunden (GWh) verbraucht, die Hälfte davon in Deutschland. Erdgas wird bei Stihl für die Gebäudeheizung gebraucht und für unterschiedliche Prozesstechnologien wie zum Beispiel die Gießerei im Stihl-Magnesium-Druckgusswerk in Weinsheim oder die Härterei in Waiblingen, erläuterte Stihl-Pressesprecherin Sabrina Haufler dieser Zeitung (wir berichteten).

So wird die ab dem 1. Oktober 2022 geplante Gasumlage auch bei Stihl zu spürbaren Auswirkungen bei den Energiekosten führen. Bei Stihl in Deutschland werden 80 GWh jährlich und durchschnittlich 6,6 GWh (6,6 Millionen kWh) pro Monat verbraucht. Theoretisch könnten also ab Oktober bei einer angekündigten Gasumlage von 2,419 Cent für jede genutzte, aus Gas gewonnene Kilowattstunde monatliche Mehrkosten von 16.126.665 Cent anfallen: 161.266 Euro.

Viel weniger abhängig von Erdgas ist man beim Reinigungsgerätehersteller Kärcher in Winnenden. „In unserem gesamten Energieverbrauch hatte Erdgas im vergangenen Jahr einen Anteil von nur 13 Prozent“, sagte Pressesprecherin Anouk von Hochmeister. Kärcher habe im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie schon lange vor der kriegsbedingten Gasverknappung sein Energiemanagement neu ausgerichtet.

Das Unternehmen Kärcher baue gerade massiv die Infrastruktur für mehr selbst erzeugte Energie intensiv aus. „Dafür investieren wir dieses und nächstes Jahr allein in Deutschland einen siebenstelligen Betrag in Photovoltaikanlagen für die Dächer unserer Gebäude. Ansonsten heizen wir nahezu ausschließlich mit Holzhackschnitzeln, Pellets, Geothermie und Eisspeichern. Auch unsere älteren Gebäude haben wir durch entsprechende Sanierungen energetisch optimiert, womit wir die Aufwendungen für Energie um bis zu 75 Prozent senken konnten“, sagt Anouk von Hochmeister.

Und was ist mit Fernwärme und Biomasse?

Fernwärme ist bislang als Energieträger im Rems-Murr-Kreis für die Betriebe nicht relevant, sagt FDP-Bundestagsabgeordneter Stephan Seiter mit Blick auf die Statistiken. „Beim aktuellen Strommix in Deutschland kommt auch hier noch über die Hälfte aus Kraftwerken, die mit Erdgas, Stein- und Braunkohle oder Kernbrennstoff betrieben werden.“ Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft hatten nach den Daten des Fraunhofer-Instituts zuletzt einen Anteil von 45,7 Prozent.

Biomasse stecke auch in den Meldungen aus den Betrieben über den Energieträger „erneuerbare Energien“, so Seiter. Im Rems-Murr-Kreis hat diese Energieklasse 35,03 Millionen MJ erreicht. Aber damit ist kein Strom aus Wind, Wasser oder Sonne gemeint. Statistisch umfasst der Begriff „erneuerbare Energiequellen“ beispielsweise Holzreste, Sägespäne, Pellets, Schwarzlauge, Tiermehl, Stroh, Pflanzenöle, Methanol, Biogas, Klärgas, Deponiegas, aber auch die Energie aus Wärmepumpen.

„So weit würde ich jetzt nicht gehen, zu fordern, dass die Unternehmen, dass die Industrie von der Gasumlage ausgeschlossen werden sollten“, sagt Claus Paal, Unternehmer und Präsident der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. „Wir alle müssen solidarisch sein und unseren Teil beitragen, zumal die Energiekrise kriegsbedingt ist, und der gesellschaftliche Frieden hierzulande geschützt werden muss.“

Die Mehrkosten für die Unternehmen seien zwar gehörig, nicht nur durch die Gasumlage, sondern

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