Rems-Murr-Kreis

IHK-Konjunktur-Umfrage: Wie läuft’s wirtschaftlich im Rems-Murr-Kreis?

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Vor allem die Industrieunternehmen und das Baugewerbe erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte. © Pixabay

Die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis war auf dem Weg, sich nach der langen durch Corona geprägten Phase zu erholen. Mit dem 24. Februar 2022, dem Angriff Russlands auf die Ukraine, hat diese breite Aufwärtsbewegung nun einen deutlichen Dämpfer erfahren. Die Unsicherheiten durch den Krieg gegen ein europäisches Land, die rasant steigenden Energie- und Rohstoffpreise sowie ein mögliches Öl- und Gasembargo dämpfen den Optimismus in den Unternehmen im Rems-Murr-Kreis, so das Ergebnis einer Sonderauswertung der regionalen IHK-Konjunkturumfrage für den Rems-Murr-Kreis.

„Auch ohne die Einschränkungen der Corona-Pandemie wären die Herausforderungen für die Betriebe nach wie vor zahlreich gewesen – gestörte Lieferketten, hohe Inflation, Fachkräftemangel in vielen Branchen, Strukturwandel in den Kernbranchen und viele weitere Themen. Nun also noch die unmittelbaren und mittelbaren Folgen eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs,“ beschreibt IHK-Bezirkskammerpräsident Claus Paal die aktuelle Situation für viele Betriebe. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz bestätigen die Befragungsergebnisse nicht die erwartete massive Eintrübung der Stimmung. Entsprechend hoch sind aber die Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Der IHK-Konjunkturklimaindex für den Rems-Murr-Kreis beendet vorläufig seinen Aufwärtstrend, dreht ins Minus und ist wieder unter den Durchschnittswert der letzten 10 Jahre gesunken. Mit aktuell 119 Punkten liegt der Indikator sechs Punkte niedriger als zuletzt zu Jahresbeginn. Die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate zeigen jedoch einen deutlichen Abwärtstrend auf. Vor allem die Industrieunternehmen und das Baugewerbe erwarten eine Verschlechterung ihrer Geschäfte. Waren zum Jahresbeginn noch 41,5 Prozent überzeugt, die Geschäftslage verbessere sich in den kommenden Monaten, sind es jetzt nur noch 23,5 Prozent. 20,3 Prozent erwarten sogar eine deutliche Verschlechterung, das sind mehr als doppelt so viele Unternehmen wie bei der letzten Umfrage im Januar.

Während die Aussichten auf die kommenden Monate ohne pandemiebedingte Einschränkungen vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe überwiegend positiv bewertet werden, bleiben die Erwartungen im Einzelhandel sehr verhalten. Preissteigerungen sowie eine deutliche Kaufzurückhaltung der Kunden angesichts der allgemeinen Unsicherheiten hemmen das Konsumverhalten. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse rückt stärker in den Vordergrund. Daher gehen fast 30 Prozent der Handelsunternehmen von einer Verschlechterung der Geschäfte aus.

Drastische Einbrüche bei den Exporterwartungen

Drastische Einbrüche gibt es auch bei den Exporterwartungen der heimischen Wirtschaft. Die Lieferkettenproblematik, steigende Transportkosten, hohe Energie- und Rohstoffpreise und die Sanktionseinschränkungen verschärfen die Lage im Export stark. Der Krieg in der Ukraine und die damit auch einhergehende Verknappung von Rohstoffen aller Art treiben die Preise nach oben. Coronabedingte Hafensperrungen in China kommen hinzu. Diese Faktoren wirken sich auf den gesamten Welthandel aus, so dass die heimische Wirtschaft den Exporthandel über alle (Welt-)Regionen deutlich kritischer als zuletzt bewertet.

Eine Verschiebung im Vergleich zur letzten Erhebung ist bei den Investitionsmotiven der Unternehmen festzustellen. „Deutlich in den Vordergrund rücken Ersatzinvestitionen und Maßnahmen zur Digitalisierung. Wichtige Motive insbesondere im Handel sind Produkt- und Verfahrensinnovationen sowie Maßnahmen zur Rationalisierung. Hieraus können Einsparungen im Rohstoff- und Energiebereich hervorgehen. Vorübergehend deutlich an Bedeutung verlieren Investitionsabsichten in Umweltschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen,“ so Markus Beier, Leitender Geschäftsführer der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr. Angesichts eines deutlich gestiegenen Klimaschutzbewusstseins, weiter steigenden Energiekosten und Umweltschutzauflagen dürfte dieser Rückgang jedoch nur vorübergehend sein, so Beier.

Noch droht erfreulicherweise keine Entlassungswelle

Erstaunlich und zugleich erfreulich ist die Beschäftigungslage. Planen doch 58,5 Prozent und damit deutlich über die Hälfte der befragten Unternehmen trotz der unsicheren Wirtschaftslage ihr Personal zu halten. 28,6 Prozent wollen sogar ihren Personalbestand aufstocken. Dem entgegen steht der Fachkräftemangel. Die unverminderte Nachfrage nach Fachkräften kann häufig nicht bedient werden. Stellen können nicht besetzt werden, da die Anforderungen nicht mit den Qualifikationen der Bewerber übereinstimmen oder schlicht keine Bewerber auf freie Stellen da sind. Damit nimmt die Bedeutung von Qualifizierungsmaßnahmen für neu entstehende Jobs oder Berufsprofile weiter zu. Ein möglicher Schlüssel zur Lösung des Fachkräfteproblems ist auch die verstärkte Ausbildung junger Menschen. „Wenn der Arbeitsmarkt leergefegt ist, müssen die Unternehmen ihre Fachkräfte selbst ausbilden. Es wäre deshalb grundlegend falsch, an der Ausbildung von jungen Menschen zu sparen“, so Beier.

Die Wirtschaft im Rems-Murr-Kreis war auf dem Weg, sich nach der langen durch Corona geprägten Phase zu erholen. Mit dem 24. Februar 2022, dem Angriff Russlands auf die Ukraine, hat diese breite Aufwärtsbewegung nun einen deutlichen Dämpfer erfahren. Die Unsicherheiten durch den Krieg gegen ein europäisches Land, die rasant steigenden Energie- und Rohstoffpreise sowie ein mögliches Öl- und Gasembargo dämpfen den Optimismus in den Unternehmen im Rems-Murr-Kreis, so das Ergebnis einer

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