Rems-Murr-Kreis

Im Ernstfall: Gibt es im Rems-Murr-Kreis noch Bunker?

BunkerRudersberg
Dicke Wände, dunkle Zimmer, ein Raum für Operationen und die Arznei: In Rudersberg wurde unter dem Schulzentrum im Kalten Krieg ein Luftschutzbunker gebaut. Der soll jetzt eigentlich Kulturzentrum werden. Inzwischen ein Plan für den Papierkorb? © Gaby Schneider

Der Krieg in der Ukraine bedrückt die Menschen. Und immer mehr stellen sich die Frage: Wie sicher sind wir, wenn das Ganze eskaliert? Landkreis und Kommunen hatten jüngst eine Katastrophenschutz-Schulung absolviert. Der Kreis bekommt außerdem einen neuen Gerätewagen für Atem- und Strahlenschutz. Doch wie kann sich die Bevölkerung retten? Gibt’s bei uns überhaupt noch Bunker?

Keine Schutzräume und Bunker mehr im Rems-Murr-Kreis?

„Es gibt im Rems-Murr-Kreis offiziell keine Schutzräume beziehungsweise Bunker mehr“, heißt es aus dem Landratsamt. Bundesweit seien diese Bauten Anfang der 2000er Jahre abgerissen oder anderen Bestimmungen zugeführt worden. In Rudersberg zum Beispiel, unter den Gebäuden des Schulzentrums, gibt’s noch ein Kellergeschoss mit ganz dicken Wänden. Das aber soll, so ist’s schon lange geplant und daran soll sich nichts ändern, ein Kulturhaus werden.

Wobei dieser Bunker gar kein Bunker im landläufigen Sinne war. Raimon Ahrens, der Rudersberger Bürgermeister, weiß, dass hier ein Hilfskrankenhaus unter die Erde gelegt worden war. Bei einer Bombardierung von Stuttgart sollte das dortige Krankenhaus nach Rudersberg in die Tiefe umziehen. Als Schutzraum für die Bevölkerung, die bei Angriff und Sirenenalarm in Sicherheit rennen sollte, war das Ganze nicht gedacht. Daher gibt es auch keine Zahlen, wie viele Menschen in der Rudersberger Unterwelt unterkommen könnten. Und auch keine Bestimmungen dazu, wer den Vortritt vor anderen hätte.

Das Rudersberger Hilfskrankenhaus war bis in die 90er Jahre betriebsbereit. Die Lüftung, auch für Bio- und Chemiewaffen passend, wurde bis in die 2000er Jahre von einem Techniker gewartet, der vom Bund beauftragt war. Ahrens denkt, dass auch heute ein Hochfahren zumindest theoretisch möglich sein müsste.

Im Bunker: Die alte Technik wird den heutigen Ansprüchen kaum genügen

Allerdings: Die Rudersberger Krankenhausausrüstung ging während des Balkankriegs in den 90er Jahren ins dortige Krisengebiet. Der Bund hat die Wartung von Lüftung und Technik längst eingestellt. Und selbst wenn die Anlage noch funktionieren sollte: Sie ist aus den 60er Jahren und dürfte den heutigen Anforderungen nicht mehr genügen.

Seit 2021 ist der Rudersberger Bunker ganz offiziell entwidmet. Das heißt: Ihm wurde seine einstige Funktion aberkannt. Er ist nur noch ein Gebäude mit dicken Mauern. Ein Kulturhaus soll dort einziehen. Diese Planungen, sagt Raimon Ahrens, laufen bislang auch trotz des Ukraine-Kriegs weiter.

Wie dem Rudersberger Bunker geht es vielen weiteren in Deutschland. „Mit dem Fall der Mauer und der Beendigung des Ost-West-Konflikts schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr zeitgemäß“, erklärt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Ursprünglich, erklärt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, unter deren Aufsicht die öffentlichen Schutzräume sind, gab es deutschlandweit 2000 öffentliche Bunkeranlagen. Übrigens ganz unterschiedliche: eigens zu dem Zweck über- oder unterirdisch Gebautes, auch Tiefgaragen, Bahnhöfe, Stollen. Jetzt sind nur noch rund 600 formal dem Zivilschutz gewidmet. Im Rems-Murr-Kreis gab es einst sechs öffentliche Schutzräume. Drei davon, einer in Schorndorf, einer in Fellbach und der Rudersberger, sind ad acta gelegt. Drei andere gehören zu den noch als Schutzraum gelisteten. Es seien Tiefgaragen, heißt es von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben: eine in Waiblingen, zwei in Fellbach. Allerdings könne nicht davon ausgegangen werden, dass sie „ihre ursprünglich vorgesehene Schutzwirkung für die Bevölkerung entfalten können“. Seit 15 Jahren wird nichts mehr instand gehalten.

Der Bund wird die noch vorhandenen Schutzräume zählen und bewerten

Aber: Die bei diesen drei Anlagen auch schon avisierte Entwidmung ist vorerst auf Eis gelegt. Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine habe sich der Bund dafür entschieden, „das Rückabwicklungskonzept für öffentliche Schutzräume zu überprüfen“. Bedeutet: Der Bund wird zunächst mit den Ländern die noch vorhandenen Schutzräume registrieren und bewerten. „Zeitnah“ soll das geschehen. Die Frage, ob und wie die Schutzräume wieder als tatsächlicher Schutzraum genutzt werden können, und was eine „Reaktivierung“, also eine Inbetriebnahme inklusive aller notwendigen Reparaturen und Modernisierungen, kosten werde, kann noch nicht beantwortet werden. Genauso wenig, wie die Frage, wie viele Plätze letztlich für die Bevölkerung durch die erneute Verwendung der Bunker als Bunker zur Verfügung stehen.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verweist in diesem Zusammenhang auf das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das schreibt auf seiner Homepage: „Dass Deutschland vor dem Hintergrund des bewaffneten Konflikts in der Ukraine einem Luftangriff ausgesetzt sein wird, ist unwahrscheinlich.“

Der Krieg in der Ukraine bedrückt die Menschen. Und immer mehr stellen sich die Frage: Wie sicher sind wir, wenn das Ganze eskaliert? Landkreis und Kommunen hatten jüngst eine Katastrophenschutz-Schulung absolviert. Der Kreis bekommt außerdem einen neuen Gerätewagen für Atem- und Strahlenschutz. Doch wie kann sich die Bevölkerung retten? Gibt’s bei uns überhaupt noch Bunker?

Keine Schutzräume und Bunker mehr im Rems-Murr-Kreis?

„Es gibt im Rems-Murr-Kreis offiziell keine

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