Rems-Murr-Kreis

Impfen mobil: Ist der Rems-Murr-Kreis jetzt gut bedient?

Impfen
Symbolfoto. © ZVW/Benjamin Büttner

Jochen Haußmann und Julia Goll sind nicht zufrieden: Der Rems-Murr-Kreis, so monieren die beiden FDP-Landtagsabgeordneten, würde „mal wieder benachteiligt“. Am 2. November hatte das Ministerium für Soziales und Gesundheit bekanntgegeben, dass diverse Standorte im Land mit einem eigenen mobilen Impfteam ausgestattet werden sollten – der Rems-Murr-Kreis war nicht dabei. Jetzt hat das Land noch einige Impfteams mehr geschaffen. Ein vor Ort stationiertes hat der Kreis noch immer nicht. Reicht aus, was es jetzt gibt?

Der Rems-Murr-Kreis wird in Sachen mobiler Impfangebote hauptsächlich von Stuttgart aus bedient. Auch den Impftruck, der mit impfenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kreisimpfzentrums durch die Kommunen fuhr, mietet der Kreis nicht mehr an. Das Land hatte, so heißt es aus dem Landratsamt, dazu aufgefordert, zum 1. Oktober sowohl die Arbeit im KIZ als auch alle mobilen Kreis-Angebote einzustellen.

Bislang nur sechs Impfteams für Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr

Die mobilen Impfteams aus Stuttgart kamen allerdings bislang recht sporadisch in den Kreis. Das ist vermutlich auch der Tatsache geschuldet, dass bis zum 2. November nur insgesamt sechs Teams für Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis zur Verfügung standen. Und es galt, mit diesen Teams die Booster-Impfaktionen in den Senioren- und Pflegeheimen voranzubringen. Es gab bislang auch keine kreiszentrale Planung für den Einsatz der mobilen Impfteams. Wollen Kommunen, Unternehmen und andere Initiativen eine Impfaktion, organisierten sie die Termine selbst.

Wenn ein mobiles Impfteam vor Ort den Schutz gegen Corona anbietet, ist der Andrang oft groß: Am Freitag, 5. November, beispielsweise impfte das Team des Klinikums Stuttgart zusammen mit dem lokalen DRK vor der Hermann-Schwab-Halle in Winnenden. Die Leute standen stundenlang in der Schlange, am Ende mussten viele ohne Impfung wieder nach Hause geschickt werden. Es gab Unmut, zumal so mancher von wochenlangen Wartezeiten bei den Hausärzten berichtete.

61,1 Prozent der Menschen aus dem Kreis sind bislang vollständig geimpft - das ist Platz 31 von insgesamt 44 Stadt- und Landkreisen

Im Rems-Murr-Kreis sind laut Sozialministerium, Stand 7. November, 261.276 Menschen vollständig geimpft. Das ist eine Quote von 61,1 Prozent und immer noch nur Platz 31 von insgesamt 44 Land- und Stadtkreisen in Baden-Württemberg.

Was die Auffrischimpfungen angeht, liegt  der Rems-Murr-Kreis zwar im oberen Mittelfeld. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg sind hierzulande mit Stand vom 9. November aber gerade einmal 216.968 Auffrischimpfungen von niedergelassenen Ärzten abgerechnet worden, davon

  • 8098 im Rems-Murr-Kreis, aber
  • 15.729 im Rhein-Neckar-Kreis,
  • 14.383 in Stuttgart,
  • 10.878 im Landkeis Esslingen,
  • 10.233 im Main-Tauber-Kreis,
  • 9548 im Landkreis Karslruhe,
  • 8942 im Landkreis Ludwigsburg sowie
  • 8295 im Ortenaukreis.
  • Ärzte in allen anderen Stadt- und Landkreisen haben weniger Auffrischimpfungen abgerechnet.

Am 5. November verkündete das Ministerium für Soziales und Gesundheit: „Für jeden Landkreis künftig ein mobiles Impfteam zuständig“. Man wolle „Schwung in die Impfkampagne“ bringen. Die landesweit zwölf Standorte, von denen bislang schon die mobilen Impfteams losgeschickt wurden, bleiben, so die Pressemitteilung, wie gehabt bestehen. Doch sie würden „gestärkt“. Die Verteilung der zusätzlichen Teams habe man an „transparente Kriterien wie die Impfquote, die Inzidenz, die Versorgung mit Arztpraxen beziehungsweise Impfpraxen sowie die bisherige Ausstattung mit Impfteams in Relation zur Einwohnerzahl geknüpft“. Für Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis gibt es jetzt insgesamt 13 mobile Teams. Rein rechnerisch kommen auf den Kreis somit 3,3 Teams. Sie kommen nach wie vor vom Klinikum Stuttgart her angefahren. Es mache, heißt es aus dem Sozial- und Gesundheitsministerium, für den einzelnen Bürger keinen Unterschied, woher die Teams kämen. Die Kapazitäten seien das Wichtige. Und würde man in jedem Kreis direkt ein mobiles Impfteam stationieren, brächte das einen enormen Bürokratie-Aufwand mit sich. „Die bisherigen Krankenhaus-Standorte stemmen die Organisation gut.“

Reicht es aus, den Rems-Murr-Kreis von Stuttgart aus zu bedienen?

Das sehen Jochen Haußmann und Julia Goll nach wie vor und auch nach der Aufstockung der Teams anders: „Den Kreis von Stuttgart aus zu bedienen, reicht nicht.“ Sie wollen mindestens ein explizites „Rems-Murr-Impfteam“, beispielsweise unterwegs im Impftruck. „Dieses soll dann dorthin, wo die Menschen tatsächlich zu erreichen sind“. Haußmann sieht dringenden Bedarf bei Schulen und Jugendeinrichtungen. Er verweist dabei auf die Inzidenzzahlen je Altersgruppe.

Laut Landratsamt werden die von Stuttgart ausgesandten Impfteams für die Drittimpfungen in den Heimen sorgen und auf Anfrage von Kommunen – und jetzt auch wieder des Kreises – Impfaktionen durchführen. Man spricht inzwischen auch von „Pop-up-Impfangeboten“. Das Landratsamt weist deutlich darauf hin, dass es dafür nicht nur die Impfteams brauche, sondern auch die entsprechende Infrastruktur, also etwa eine Halle, die zur Verfügung gestellt werden muss. Die Impfbusse des Landes kämen im Kreis nämlich nicht zum Einsatz.

Das Ziel: Jeden Werktag irgendwo im Kreis ein mobiles Impfangebot

Es sei, so das Landratsamt, noch nicht abzuschätzen, wie ausreichend der Rems-Murr-Kreis jetzt mit mobilen Impfteams versorgt ist. Das Ziel für die nächste Zukunft sei, an jedem Werktag irgendwo im Kreis wenigstens ein Impf-Pop-up anbieten zu können. Für den Anfang gibt es eine Liste, die bis zum 20. Dezember geht. Darauf sind insgesamt zwölf Impfaktionen, acht davon bestritten von einem mobilen Impfteam aus Stuttgart. Es sollen – hoffentlich – mehr werden.

Jochen Haußmann und Julia Goll sind nicht zufrieden: Der Rems-Murr-Kreis, so monieren die beiden FDP-Landtagsabgeordneten, würde „mal wieder benachteiligt“. Am 2. November hatte das Ministerium für Soziales und Gesundheit bekanntgegeben, dass diverse Standorte im Land mit einem eigenen mobilen Impfteam ausgestattet werden sollten – der Rems-Murr-Kreis war nicht dabei. Jetzt hat das Land noch einige Impfteams mehr geschaffen. Ein vor Ort stationiertes hat der Kreis noch immer nicht. Reicht

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