Rems-Murr-Kreis

Impfgipfel an diesem Freitag (16.4.): Endlich Gerechtigkeit für den Rems-Murr-Kreis und Transparenz bei den Impfquoten je Kreis?

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Symbolbild. © Benjamin Büttner

Der Rems-Murr-Kreis setzt angesichts der sich auftürmenden dritten Corona-Welle große Hoffnung auf den Impfgipfel, der an diesem Freitag (16.4.) ab 11 Uhr per Videoschalte stattfinden wird. Landrat Dr. Richard Sigel und der Corona-Krisenstab appellieren im Vorfeld erneut an Sozialminister Manfred Lucha, Transparenz bei den Impfquoten je Kreis herzustellen und die Impfstoffe gemäß den Bevölkerungszahlen der Kreise und nicht gemäß der Anzahl der Kreisimpfzentren zu verteilen.

Der Rems-Murr-Kreis wird bislang benachteiligt. Er ist der siebtbevölkerungsreichste Landkreis Baden-Württembergs, hat aber nur ein Kreisimpfzentrum (KIZ) genehmigt bekommen. Nur die ersten sechs bevölkerungsreichsten Kreise haben zwei KIZ. Das führt zu der absurden Situation, dass zum Beispiel der Hohenlohekreis mit nur 112.964 Einwohnern genauso viel Impfstoff vom Land ausgeteilt bekommt wie der Rems-Murr-Kreis mit 426.635 Einwohnern.

Der Rems-Murr-Kreis zählt zu den bevölkerungsreichsten Landkreisen, erhält bisher aber genauso viel Impfstoff wie kleinere Kreise. Dies ist laut Landrat Sigel trotz der Nähe zu den zentralen Impfzentren in Stuttgart nicht akzeptabel, und zwangsläufig kommt die Impfkampagne im Landkreis trotz aller Anstrengungen – zumindest gefühlt – langsamer voran als andernorts. Zudem verunsichern Gerüchte, dass man sich in kleineren Landkreisen bereits ohne Einhaltung der Priorität und ohne Termin impfen lassen kann. Diesen Gerüchten kann und muss der Impfgipfel jetzt mit Transparenz und nachvollziehbaren Verteilungsschlüsseln beim Impfstoff entgegengetreten. „Wir müssen Dinge auch überdenken, wenn sie keinen Sinn mehr machen und einen schnellen Fortschritt hindern. Damit meine ich die Priorisierungsgruppen, die inzwischen mehr Fragen aufwerfen und bremsen, als Impfgerechtigkeit schaffen“, so Sigel. Außerdem wäre aus Sicht des Kreisimpfzentrums mehr Planbarkeit nötig: Wie viel Impfstoff geliefert wird, erfahren die Verantwortlichen immer nur sehr kurzfristig.

Ein Impfquoten-Monitoring wird schmerzlich auch von anderen Landräten vermisst, etwa von Roland Bernhard (Landkreis Böblingen). Das Land hat aber die Impfquoten je Kreis nie veröffentlicht, womöglich gar nicht erhoben. Landrat Sigel hat deshalb bereits mehrfach – auch gemeinsam mit anderen benachteiligten Landkreisen – beim Land darum gebeten, dass Transparenz bei den Impfquoten hergestellt wird. „Wir müssen wissen, in welchen Landkreisen die Impfquote niedrig ist, und dort gezielt Tempo machen“, so sein Appell. Das Sozialministerium hatte daraufhin in einem Schreiben von Ministerialdirektor Uwe Lahl angekündigt, dass die Verteilung des Impfstoffs nach Bevölkerungsdichte Ende April kommen soll. Damit würde der Rems-Murr-Kreis mehr Impfstoff erhalten als bisher, und es könnten deutlich mehr Menschen vor Ort geimpft werden.

„Wir müssen uns darauf verlassen können, dass die Erwartung, die man hier geweckt hat, auch erfüllt wird“, betont der Landrat. „Alles andere wäre fatal. Schließlich ist es gerade in dieser dritten Welle entscheidend, das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger nicht weiter aufs Spiel zu setzen.“ 

Zusätzliche Intransparenz hat dem Vernehmen nach die obgleich absolut begrüßenswerte Ausweitung der Impfkampagne auf die Hausarztpraxen gebracht. Denn die Ärzte melden ihre Impfungen entweder direkt ans Land oder das RKI. Abgerechnet wird quartalsweise via die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Das läuft also unterm Radar der Kreis-Gesundheitsämter.

Derzeit gibt es keine Möglichkeit, zu erfahren, wie viele Rems-Murr-Bürger tatsächlich schon geimpft sind. Der Rems-Murr-Kreis hat lediglich Zugriff auf die Daten des Kreisimpfzentrums Waiblingen, auf die mobilen Teams und den Impftruck. Diese Zahlen werden bewusst im Corona-Dashboard auf der Homepage des Landratsamts veröffentlicht. Die Kreisverwaltung erhält jedoch bisher keine Informationen, wie viele Rems-Murr-Bürger angesichts der Benachteiligung bevölkerungsreicher Landkreise in anderen Impfzentren waren und wie viele Menschen beim Hausarzt geimpft wurden. Hier liegen nur landesweite Zahlen vor.

Enttäuschung und Unzufriedenheit in der Bevölkerung

„Aktuell ist die Entwicklung beim Impfen trotz aller Rückschläge in den letzten Wochen positiv“, sagt Landrat Dr. Richard Sigel. „Allerdings führt die Tatsache, dass weiterhin Impfstoff fehlt, berechtigterweise zu Enttäuschung und Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Mit der Ankündigung, dass ab Montag (19.4.) alle Bürgerinnen und Bürger über 60 Jahren einen Impftermin vereinbaren können, hat das Land erneut Erwartungen geweckt. Wenn wir aber zu wenig Impfstoff und damit zu wenige Termine auf Landkreisebene anbieten können, dann sorgt das verständlicherweise für Frust. Diesem Frust können wir im Landkreis ohne Impfstoff nichts entgegensetzen. Allein im Rems-Murr-Kreis leben rund 50.000 Menschen zwischen 60 und 70 Jahren“, so der Landrat weiter.

Am Impfgipfel am Freitag (15.4.) nehmen Landräte, Vertreter der Ärztekammer, des Apothekerverbands, der Krankenhausgesellschaft sowie der Sozialverbände und des Landes-Seniorenrats teil.

Aus dem Landessozialministerium ist zu hören, dass die Impfstoff-Liefermengen in den kommenden Wochen deutlich steigen werden auf 300.000 Dosen Corona-Impfstoff insgesamt. Die Impfzentren (Kreisimpfzentren und Zentrale Impfzentren) in Baden-Württemberg haben Kapazitäten von bis zu 80.000 Impfungen täglich. Genauso viel wie die Hausärzte, so die KVBW. Im Moment werden jedoch laut Recherchen der DPA in den Impfzentren täglich nur zwischen 40.000 und 45.000 Impfungen verabreicht. In den Praxen habe es in der ersten Woche nach dem dortigen Impfstart bis einschließlich Dienstag (13.4.) rund 161.000 Impfungen gegeben. Dies entspricht rund 23 000 Impfungen am Tag.

In der kommenden Woche erhalten die Impfzentren laut Sozialministerium rund 14.400 Dosen von Astrazeneca und rund 287.000 Dosen von Biontech. Für die letzte Aprilwoche betragen die Liefermengen demnach 12.000 Dosen von Astrazenca, 199.000 Dosen von Biontech und 80.400 Dosen des Impfstoffs von Moderna. Der geringe Anteil an Astrazeneca rührt daher, dass die Impfzentren hiervon ab Ende April nur noch Dosen für Zweitimpfungen bekommen, alles andere geht ab nächster Woche an die Hausärzte.

Moderna wird derzeit übrigens gar nicht an die KIZ geliefert und nur an die Zentralen Impfzentren (ZIZ).

Welchen Umfang die Impflieferungen ab Mai haben werden, ist derzeit noch unklar. Genaue Prognosen sind weiterhin schwierig. Das zeigt der momentane Stopp bei Johnson & Johnson.

Landrat Sigel und Corona-Krisenstab fordern zudem: Weniger Bürokratie

 „Wir niedergelassenen Ärzte können entscheidend dazu beitragen, dass die Impfquote im Rems-Murr-Kreis steigt. Dazu brauchen wir aber mehr Impfstoff und weniger Bürokratie“, betont Dr. Jens Steinat, Pandemiebeauftragter der Kreisärzteschaften im Rems-Murr-Kreis, stellvertretend für die medizinische Seite des Erweiterten Krisenstabs. „Die Leidensfähigkeit der Ärzteschaft ist sehr hoch und getrieben von dem Wunsch der bestmöglichen Versorgung unserer Patientinnen und Patienten und der inneren Überzeugung zu einer pragmatischen und unkomplizierten Vorgehensweise zur Überwindung der Pandemie. Erkenntnisse, wie die Prozesse und Formulare vereinfacht werden könnten, gibt es inzwischen auch, jetzt muss umgesetzt werden.“

Der Rems-Murr-Kreis setzt angesichts der sich auftürmenden dritten Corona-Welle große Hoffnung auf den Impfgipfel, der an diesem Freitag (16.4.) ab 11 Uhr per Videoschalte stattfinden wird. Landrat Dr. Richard Sigel und der Corona-Krisenstab appellieren im Vorfeld erneut an Sozialminister Manfred Lucha, Transparenz bei den Impfquoten je Kreis herzustellen und die Impfstoffe gemäß den Bevölkerungszahlen der Kreise und nicht gemäß der Anzahl der Kreisimpfzentren zu

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