Rems-Murr-Kreis

In 15 Minuten zum Ausbildungsplatz? Erfahrungen beim Speeddating in Schorndorf

AzubiSpeeddating
Endlich fand das Azubi-Speeddating wieder in Präsenz statt. © Gaby Schneider

Für Ausbildungsunternehmen ist es in den vergangenen Jahren schwerer geworden, Stellen zu besetzen, sagt Manuela Seidel-Hönes, Geschäftsführerin von Mayr-Hönes Metallumformung in Plüderhausen. Wie lief das Azubi-Speeddating am Dienstag (5.4.) in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf für sie und andere Unternehmen? Und was halten Bewerber/-innen von dem „Event“ der Agentur für Arbeit?

„Es ist eine gute Gelegenheit, um in kurzer Zeit viele Unternehmen kennenzulernen“, sagt Muhammed Özsu, der im kaufmännischen Bereich einen Ausbildungsplatz sucht. „Vielleicht auch in Richtung Einzelhandel“, so der 24-Jährige. Auf die Veranstaltung wurde er aufmerksam, nachdem er sich bei der Prometall GmbH in Fellbach beworben hatte. Dort habe man ihn dann zum Gespräch beim Azubi-Speeddating eingeladen.

„Das lief sehr gut“, sagt Özsu. Die Veranstaltung habe ihm weitergeholfen. Auch die direkten Gespräche seien hilfreich gewesen. „Der persönliche Kontakt hat vorher sehr gefehlt“, meint er. Das Azubi-Speeddating eigne sich auch um einzuschätzen, ob es persönlich passt. „Ich kann es jedem jungen Mann und jeder jungen Frau empfehlen, die ihre Zukunft selbst gestalten wollen“.

Die Teilnehmer der Veranstaltung sind hauptsächlich Schüler. Einige sind mit einem Elternteil da. Die Gespräche scheinen gut zu laufen. Alle teilnehmenden Unternehmen haben Termine im Voraus vereinbart. Doch nicht überall sind die Angemeldeten auch erschienen.

„Heute lief es verhalten“, sagt Manuela Seidel-Hönes. Zwei der Bewerber seien nicht erschienen. „Vor circa vier Jahren haben wir schon mal teilgenommen. Da war mehr los“. Das sei aber auch den Umständen in der Pandemie geschuldet. „Die jungen Leute trauen sich nicht mehr“. Das Azubi-Speeddating sei besser als nur eine Bewerbungsmappe vorliegen zu haben. Denn: „Man lernt den Menschen kennen.“

Leider habe die Erfolgsquote der Azubis in den letzten Jahren nachgelassen, sagt Manuela Seidel-Hönes. „Besetzt haben wir die Stellen immer, aber die Erfolgsquote hat nachgelassen“, sagt Seidel-Hönes. Man könne mit Nachhilfeangeboten nachhelfen, „aber der Wille muss da sein“, meint sie.

Passt jemand zum Unternehmen? Der persönliche Kontakt hilft bei Antwort

Auch Claudia Langerfeld und Uwe Schimmel von „tobi’s Gastrofamilie“ haben schon in den letzten Jahren am Azubi-Speeddating teilgenommen. Sie haben positive Erfahrungen gesammelt. „Wir hatten heute drei gute Gespräche“, sagt Langerfeld. „Aber es hätten ein bisschen mehr sein können. In der Gastronomie leben wir vom Spontanen“, meint Schimmel.

Der direkte Kontakt zu den Jugendlichen helfe einzuschätzen, ob jemand charakterlich zum Unternehmen passt. „Man merkt: Kann derjenige auf Kunden zugehen“, erzählt Schimmel. Dabei gehe es nicht so sehr um Noten, sondern darum, wie der Bewerber wirkt. „Aktuell haben wir acht Azubis“, sagt Claudia Langerfeld. Drei davon habe man beim Azubi-Speeddating in den letzten Jahren kennengelernt. „Wir haben eigentlich jedes Mal einen mitgenommen“, so Schimmel. Nächstes Jahr wolle man „Stand jetzt“ daher wieder teilnehmen.

Dieses Jahr fand das Azubi-Speeddating endlich wieder in Präsenz statt. „In virtueller Form hat es nicht dieselbe Wirkung“, sagt Verena Bischl, stellvertretende Leiterin der Agentur für Arbeit in Waiblingen. Die unkomplizierten persönlichen Gespräche seien das Erfolgskonzept der Veranstaltung. „Man sieht im persönlichen Gespräch: Passt dieser Mensch zu mir?“ Gerade in Zeiten der Pandemie habe sich das Azubi-Speeddating gelohnt, „weil an Berufsorientierung viel weniger stattgefunden hat“, so Bischl.

Eine der großen Schwierigkeiten der Ausbildungssuche in den letzten Jahren sei, dass man weniger Gefühl für die Ausbildungsberufe bekommen kann. „Es gab zwei Jahre lang keine Möglichkeit, in Berufe reinzuschnuppern“, sagt auch David Fais, stellvertretender Leiter der IHK Bezirkskammer Rems-Murr. „Dabei ist das Erlebbarmachen so wichtig“.

Bei Ausbildungen gebe es dieses Jahr knapp ein Viertel weniger Bewerber als noch vor ein paar Jahren. Das Verhältnis zwischen Ausbildungsplätzen und Bewerbern liege zwar bei ungefähr eins zu eins aber einige Branchen haben mehr Plätze als sie besetzen können, während andere mehr Bewerber haben, so Fais.

„Wenn ich Bankkaufmann werden will, hilft es mir ja nicht, wenn beispielsweise Mechaniker gesucht werden“, sagt Fais. Auch die Bachelorisierung mache die Situation für Ausbildungsunternehmen schwieriger. Das Studium ist nicht für jeden Jugendlichen geeignet: „Viele Junge sind mit dem Studium überfordert und haben die duale Ausbildung gar nicht auf dem Schirm“. Dabei gebe es auch mit Ausbildung gute Jobs und gutes Geld. „Und wenn man doch studieren möchte, ist das auch im Anschluss möglich“, so Fais. „Es ist deutlich schwieriger für die Unternehmen, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen“, sagt auch Verena Bischl. „Auch große Unternehmen bekommen nicht mehr Tausende Bewerbungen“.

In Ausbildungen werden aber „von Beginn an Schlüsselqualifikationen trainiert wie Teamfähigkeit“, sagt David Fais. „Das Gute an der Ausbildung ist, dass man vom ersten Tag an ausprobieren kann“. Das Ausbildungsangebot sei dabei in den letzten Jahren konstant geblieben. Wichtig in einer Ausbildung sind dabei regelmäßige Fortbildungen, rät Fais: „Das Wissen frisch zu halten ist das A und O“. Mit einer Ausbildung sei man vor allem in seinem Karriereverlauf flexibel. „Karrieren, wie von den Eltern, die den Großteil des Berufslebens in einem Beruf bleiben, sind nicht mehr Realität“, so Bischl.

29 Arbeitgeber aus der Region und 90 Bewerber/-innen nahmen teil

Bereits zum neunten Mal fand in Schorndorf das Azubi-Speeddating statt. Die von der Agentur für Arbeit ins Leben gerufene Veranstaltung gibt Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen, die Möglichkeit, mit Ausbildungsunternehmen unkompliziert ins Gespräch zu kommen. Dabei werden wie beim klassischen Speeddating 15-minütige Gespräche zwischen wechselnden Teilnehmern geführt. Hier aber zwischen Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen und Unternehmen, die diesen anbieten. Auch dieses Jahr waren wieder 29 Arbeitgeber aus der Region vor Ort. 90 Ausbildungssuchende hatten sich für die Veranstaltung angemeldet und konnten mit bis zu drei Arbeitgebern ins Gespräch kommen.

Für Ausbildungsunternehmen ist es in den vergangenen Jahren schwerer geworden, Stellen zu besetzen, sagt Manuela Seidel-Hönes, Geschäftsführerin von Mayr-Hönes Metallumformung in Plüderhausen. Wie lief das Azubi-Speeddating am Dienstag (5.4.) in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf für sie und andere Unternehmen? Und was halten Bewerber/-innen von dem „Event“ der Agentur für Arbeit?

„Es ist eine gute Gelegenheit, um in kurzer Zeit viele Unternehmen kennenzulernen“, sagt Muhammed

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