Rems-Murr-Kreis

Jetzt die Jüngsten viel mehr fördern: Wohin nun Geld fließt im Rems-Murr-Kreis

Jugendliche Feature
Symbolbild. © pixabay

„Aufholen nach Corona“ – die Überschrift klingt schon mal gut. Von den zwei Milliarden Euro, welche der Bund in die Hand nehmen will, um den Jüngsten zu helfen, profitieren auch Kinder und Jugendliche aus dem Rems-Murr-Kreis.

Vor allem in die Schulsozialarbeit, aber auch in die mobile Jugendarbeit fließt Geld, sprich, es werden Stellen geschaffen. „Profitieren werden vor allem Grundschulen, aber auch drei Sonderpädagogische Beratungs- und Bildungszentren (SBBZ), zwei Gemeinschaftsschulen und eine Realschule“, heißt es in Berichten, die das Kreisjugendamt diesen Montag dem Jugendhilfeausschuss vorlegte.

Aus anderen Töpfen fließt die Ausgleichsförderung, welche bereits 23 Kommunen im Rems-Murr-Kreis abgerufen haben. Erste Qualitätszirkel sind nun am Start: Dort kommen jene Beteiligte zusammen, die in den Kommunen mit Aufgaben der Kinder- und Jugendarbeit betraut sind. Es geht unter anderem um die Auswirkungen der Pandemie auf die Kinder und Jugendlichen vor Ort, um Fragen zur Jugendbeteiligung und laut Vorlage um den „steigenden Bedarf an therapeutischer Versorgung im Zuge des sprunghaften Anstiegs psychischer Auffälligkeiten bei Jugendlichen“.

Kaum hat es begonnen, endet das Förderprogramm schon wieder

Unterdessen unterliegt die Förderung aus dem „Aufholen nach Corona“-Programm einer engen zeitlichen Begrenzung: Das Förderprogramm endet bereits wieder zum Schuljahr 2022/2023. Ob die Kommunen danach aus eigener Kraft fortsetzen können, was jetzt angestoßen wird, ist offen. Wie eine gute Jugendsozialarbeit in so kurzer Zeit aufgebaut und auf eine stabile Basis gesetzt werden kann – diese Frage steht ebenfalls im Raum, zumal „der aktuelle Mangel an qualifizierten Fachkräften bereits ohne zusätzliche Stellen viele Kommunen vor Probleme stellt“.

Diesem Problem war im Jugendhilfeausschuss ein eigener Tagesordnungspunkt gewidmet; Kreisjugendamtsleiter Holger Gläss wählte gar das Wort „Dramatik“: Gutes Personal zu finden ist ganz schön schwierig geworden, und sind Sozialarbeiter/-innen mal an Bord, gehen sie viel zu oft bald schon wieder. Auch deshalb, weil sie, etwa wegen Elternzeitvertretung, eh nur einen befristeten Vertrag erhalten haben, oder wegen Schwangerschaft oder weil woanders attraktivere Bedingungen locken. Von knapp 80 Beschäftigten im Sozialen Dienst haben in den vergangenen drei Jahren 50 Personen, überwiegend Frauen, neu begonnen oder sind nach Elternzeit wieder eingestiegen, sprich: Der Anteil derer, die auf lange Erfahrung zurückgreifen können, ist kleiner geworden, und die Einarbeitung neuer Kolleg/-innen bindet unweigerlich viel Zeit.

Verlockende Angebote für Beschäftigte

„Wir müssen die Fluktuation deutlich absenken“, sagte Holger Gläss im Ausschuss. Zu diesem Zweck hat man eine Allianz gebildet, die früher so nicht möglich schien: Das Haupt- und Personalamt galt einst eher als Bremser, es bestand deshalb so etwas wie eine natürliche Gegnerschaft. Das hat sich gründlich geändert, zumal alle an einem Strang ziehen müssen, weil die Dinge sonst nicht zu bewältigen sind: Dr. Mascha Bilsdorfer, Leiterin des Haupt- und Personalamts, gab Einblick ins Gesamtkonzept, mit dessen Hilfe die Kreisverwaltung sowohl ihr Personal halten als auch neues für sich gewinnen will. Stichworte sind mobiles Arbeiten, verlockende Angebote wie Dienstfahrzeuge und Pedelecs, die man auch für den privaten Gebrauch ausleihen kann, ferner Fort- und Weiterbildungsangebote, Outdoorfitness und dergleichen mehr.

Wegen des engen Tarifrahmens im öffentlichen Dienst lässt sich nicht ganz leicht umsetzen, was der Rems-Murr-Kreis jetzt dennoch wagen möchte: Wenn möglich, will man im Jugendamt Elternzeitvertretungen unbefristet einstellen, was durchaus Flexibilität erfordert. Der Kontakt zu jenen, die sich in Elternzeit befinden, und das sind nach wie vor weit überwiegend Frauen, soll enger verlaufen – auch das ein Versuch, Personal im Haus zu halten. Doch trotz aller Mühen, so fürchtet Holger Gläss, wird sich die angespannte Personalsituation in naher Zukunft nicht groß entspannen, im Gegenteil.

Landesweites Projekt: „Jungsein in der Kommune“

Als „Spitzenreiter“ bezeichnet sich der Rems-Murr-Kreis unterdessen, was das Thema Jugendbeteiligung angeht. Eine eigene Fachstelle begleitet und berät Kommunen, wie sie junge Menschen besser erreichen, ihre Anliegen erfragen und deren Sichtweise in die Entscheidungsprozesse einfließen lassen können. Ein landesweites Projekt heißt „Jungsein in der Kommune“. Es habe die Jugendbeteiligung weiter vorangebracht; drei Viertel der Kommunen nutzen mittlerweile verschiedene Formen der Jugendbeteiligung.

Ziel ist nun, jungen Menschen auch auf Kreisebene mehr Gehör zu schenken. Konkret geht’s um die Neuauflage des Klimaschutz-Handlungsprogramms: Für Sommer 2022 ist ein erster Jugenddialog zwischen dem Landrat, der Kreisverwaltung und den Jugendvertretungen geplant.

„Aufholen nach Corona“ – die Überschrift klingt schon mal gut. Von den zwei Milliarden Euro, welche der Bund in die Hand nehmen will, um den Jüngsten zu helfen, profitieren auch Kinder und Jugendliche aus dem Rems-Murr-Kreis.

Vor allem in die Schulsozialarbeit, aber auch in die mobile Jugendarbeit fließt Geld, sprich, es werden Stellen geschaffen. „Profitieren werden vor allem Grundschulen, aber auch drei Sonderpädagogische Beratungs- und Bildungszentren (SBBZ), zwei

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper