Rems-Murr-Kreis

Jona Dörr widerspricht Petra Häffner: Erneutes Nein zum sozialen Pflichtjahr

Pflichtsozialesjahr
Die Schwaikheimerin Jona Dörr engagiert sich sozial, will dazu aber nicht „von oben“ gezwungen werden. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Häffner aus Schorndorf hat sich in einem Interview am 17. August in dieser Zeitung für die Einführung eines sozialen Pflichtjahrs für Heranwachsende ausgesprochen. Sehr zum Zorn von Joan Dörr (17). "Ich fühle mich wie ein Objekt behandelt, mit dem man tun kann, was man will", erwidert die Schülerin aus Schwaikheim auf Petra Häffners Ausführungen.

Jona Dörr hatte, wie Anfang Juli berichtet, bereits einen Zornesbrief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier geschrieben, nachdem dieser die Diskussion angestoßen hatte. Die Schwaikheimerin hat ein weiteres Jahr Schule vor sich – hat schon jetzt geplant, nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Sie will in eine Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus, zum Beispiel in ein KZ. Oder sie will in Sachen Rassismus aufklären.

Sie arbeitet schon jetzt bei der Amadeu-Antonio-Stiftung im Projekt „demo:create“ und produziert „TikToks“: einminütige Aufklärungsfilme für mehr Demokratie. Bei „Jugend wählt“, einer überparteilichen Initiative von jungen Menschen aus ganz Deutschland, kämpft sie für ein Wahlalter ab 16. Und sie schreibt bei „Mitmischen.de“, einem Portal des Deutschen Bundestags für junge Menschen. Allein: Sie ist vehement gegen ein soziales Pflichtjahr.

Jona Dörrs Gegenrede im Wortlaut:

Mit Entsetzen habe ich das Interview mit Frau Häffner gelesen. Ich kann nach diesem Interview nur den Kopf schütteln: Wie kann es sein, dass jemand über die Köpfe einer ganzen Generation hinweg entscheidet und ein Pflichtjahr auch noch romantisiert? Ich fühle mich wie ein Objekt behandelt, mit dem man tun kann, was man will. Ich fühle mich nicht nur nicht gehört, sondern auch ignoriert von der Politik! Warum hört denn keiner der Jugend zu?

Unsere Bedürfnisse und Gedanken werden wieder ignoriert. Wieso entscheiden genau die Menschen über meine und unsere Zukunft, die es gar nicht mehr betrifft? Warum schuldet unsere Generation dem Land etwas? Warum müssen wir denn dem Land etwas wiedergeben? Sind wir nicht dankbar genug? Die letzten Jahre mussten wir immer zurückstecken. Und was bekommen wir zum Dank? Nichts, aber vielleicht ein Pflichtjahr aufgebrummt. Na, vielen Dank auch!

Aber der Zivildienst war der Beste von allen?! Da kann ich nur drüber lachen! Wie kann es sein, dass ein „Wehrersatzdienst“ so romantisiert wird? Wieso vergisst man gerne, dass diejenigen, die nicht nur den Wehrdienst, sondern auch den Zivildienst verweigert haben, kriminalisiert und ins Gefängnis gesteckt wurden? Soll dies dann auch mit den Verweigerern des sozialen Pflichtjahres geschehen?

Seit Juni dieses Jahres schreibe ich mir die Finger wund und kämpfe Tag für Tag gegen einen solchen Pflichtdienst. Ich fühle mich so ohnmächtig, dass man mir meine Entscheidungsfreiheit nimmt und über mich hinweg entscheidet.

Die Politik gibt mir nun das Gefühl, dass meine Meinung fehl am Platz ist und einfach ignoriert werden kann. Das aus mehreren Gründen: 1. Weil ich jung bin. 2. Laut bin und meine Meinung kundtue. Und 3. Weil ich ein Mädchen bin, das sich nicht den Mund verbieten lässt und für seine Zukunft und Träume kämpft!

Ich sage Ihnen eines: Ich werde so lange laut sein, bis man mir und meiner Generation wirklich zuhört. Ich kämpfe so lange, bis ich mir sicher sein kann, dass meine Zukunft auch mir selbst gehört!

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Häffner aus Schorndorf hat sich in einem Interview am 17. August in dieser Zeitung für die Einführung eines sozialen Pflichtjahrs für Heranwachsende ausgesprochen. Sehr zum Zorn von Joan Dörr (17). "Ich fühle mich wie ein Objekt behandelt, mit dem man tun kann, was man will", erwidert die Schülerin aus Schwaikheim auf Petra Häffners Ausführungen.

Jona Dörr hatte, wie Anfang Juli berichtet, bereits einen Zornesbrief an den Bundespräsidenten

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