Rems-Murr-Kreis

Journalismus at its best: Ralf-Dahrendorf-Preis für ZVW-Redakteur Alexander Roth

Ralf-Dahrendorf-Preis 2021
Die Preisträger Alexander Roth (links) und Benjamin Schmidt mit Jury-Mitglied Annette Hillebrand. © Thomas Kunz

Hetznachrichten auf Social Media, bedrohliche Anrufe und anonyme Briefe: Immer wieder werden Lokalpolitiker im Rems-Murr-Kreis bedroht und eingeschüchtert. Viele Betroffene möchten nicht darüber sprechen, andere gehen damit bewusst an die Öffentlichkeit. ZVW-Redakteur Alexander Roth (31) hat mit Gemeinderäten und Bürgermeistern über ihre Erfahrungen gesprochen. In einer Artikelserie hat er den „Terror im Lokalen“ näher beleuchtet. Am Dienstag (12.10.) wurde Roth dafür mit dem Ralf-Dahrendorf-Preis für Lokaljournalismus ausgezeichnet.

Drohbriefe und andere Anfeindungen

In Roths Serie kommen diejenigen zu Wort, die teils jahrelang unter Bedrohungen gelitten haben. So zum Beispiel Gudrun Wilhelm, Gemeinderätin aus Kirchberg. Sie schildert, wie sie mit einer Serie von Drohbriefen fertigwerden musste. Auch Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky berichtet von Drohungen. „Die Hemmschwelle scheint zu sinken“, sagte der OB im Interview mit Roth im Februar. Gerade zu Corona-Zeiten hat es massive Anfeindungen gegenüber Rathauschefs im Kreis gegeben, wie Roths Recherche zeigt. Die Bedrohung von Lokalpolitikern ist aber kein alleiniges Rems-Murr-Problem. Das wurde auch bei der Preisverleihung am Dienstagabend in Freiburg deutlich. Alexander Roth teilt sich seinen zweiten Platz mit Benjamin Schmidt, der für die Freie Presse Chemnitz zufällig zum gleichen Thema recherchierte. Auch wenn Chemnitz und Waiblingen mehr als 400 Kilometer trennen, haben die Protagonisten der Geschichten die gleichen Erfahrungen gemacht.

Betroffene sollten an die Öffentlichkeit gehen

„Die Betroffenen sollten unbedingt an die Öffentlichkeit gehen. Nur dann können sie hoffen, Solidarität zu erfahren“, sagte Jury-Mitglied Annette Hillebrand, ehemalige Leiterin der Akademie für Publizistik in Hamburg, in ihrer Festrede. Die beiden Preisträger hätten dazu die notwendige Vor- und Mitarbeit geleistet. „Das ist Journalismus at its best.“

Hillebrand betonte in ihrer Rede auch die Aktualität des Themas und zitierte aus Angela Merkels Ansprache zum Tag der Deutschen Einheit. Merkel lenkte darin den Blick auf Angriffe auf Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. „Die verbale Verrohung und Radikalisierung, die da zu erleben sind, dürfen nicht nur von denen beantwortet werden, die ihr zum Opfer fallen, sondern müssen von allen zurückgewiesen werden“, zitierte sie die Kanzlerin.

Gestiftet wird der Preis von der Badischen Zeitung. Prämiert werden alle zwei Jahre Artikel oder Serien, die „vorbildlich und anschaulich die Funktionsweise von Demokratie in Deutschland auf lokaler Ebene transparent machen“. Den ersten Platz belegte in diesem Jahr Eike Lenz von der Main-Post. In monatelanger Recherchearbeit deckte er auf, wie eine Investitionsgesellschaft in ganz Deutschland Bahnhofsgebäude kauft und diese dann vernachlässigt. Der dritte Preis geht an Sven Wagner von der Südthüringer Zeitung. Er berichtete über einen Bürgermeister, der in die Querdenker-Szene abglitt. Ein Lob der Jury ging an Simon Haas (Badische Neueste Nachrichten). Er hatte in einem umfangreichen Datenjournalismus-Projekt dargelegt, dass viele städtische Bäume in Karlsruhe ungeeignet für die Standorte sind, an denen sie gepflanzt wurden.