Rems-Murr-Kreis

Jugendamt im Rems-Murr-Kreis: Tageseltern müssen noch mehr können

Tagesmütter
Kinderbetreuung im Rems-Murr-Kreis: Ganz gleich, ob im privaten Raum oder in der Kita – sie ist schon lange nichts Ungeregeltes mehr. © ALEXANDRA PALMIZI

Rund 1100 Kinder im Rems-Murr-Kreis werden von Tageseltern betreut. An diese Tagesmütter und -väter werden zunehmend höhere Anforderungen gestellt. Längst hat sich die Tagespflege zur zweiten Säule der Kinderbetreuung gemausert, die zumeist von Eltern von unter dreijährigen Kindern genutzt wird. Im Jugendhilfeausschuss des Kreistages stellte Holger Gläss, Leiter des Kreisjugendamtes, die Kernpunkte des neuen Teilplanes Kindertagespflege vor.

Was bedeutet das neue Qualifizierungskonzept für Tageseltern?

Die gesellschaftlichen An- und Herausforderungen wie auch die rechtlichen Vorgaben für die Tagespflege haben sich stark geändert. Das hatte gravierende Folgen für die Qualifizierung der Tagesmütter und -väter. Die für eine Erlaubnis zur Kindertagespflege notwendigen Unterrichtseinheiten wurden von 160 auf 300 Unterrichtseinheiten erhöht. Um das neue Qualifizierungskonzept im Landkreis umzusetzen und den geänderten Anforderungen und Vorgaben des Landes zu entsprechen, werden die Kurse nicht mehr wie bisher von allen sechs Tageselternvereinen, sondern seit 2022 nur noch von einem Bildungsträger, dem Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang, angeboten. Allerdings können Tageseltern bereits nach den ersten 50 Stunden ihre Arbeit aufnehmen, stellte Holger Gläss auf Nachfrage von Kreisrätin Julia Goll (FDP-FW) klar. Der Lohn für die Arbeit beträgt 6,50 Euro pro Kind und Stunde.

Wie viele Kinder darf eine Tagespflegeperson betreuen?

Neu für die Praxis der Kindertagespflege ist die Erhöhung der erlaubten Betreuungsverhältnisse von 8 auf 10 Kinder pro Kindertagespflegeperson. Bei der Betreuung in anderen geeigneten Räumen (TigeR) können nun sogar 15 Betreuungsverträge abgeschlossen werden, wenn mehrere Kindertagespflegepersonen gemeinsam die Räumlichkeiten nutzen. „Für dieses Betreuungssetting vertritt das Kreisjugendamt schon lange die Haltung, dass die jeweiligen Kinder fest einer bestimmten Kindertagespflegeperson zugeordnet sein müssen“, betonte Gläss. Dieser persönliche Kontakt zu ein und derselben Tagesmutter mache den Unterschied zum Kindergarten aus.

Welche Rolle spielt der Kinderschutz inzwischen bei den Tageseltern?

Bei den Pflichten nähern sich Tageseltern und Erzieher einander an. Zum Beispiel in puncto Kinderschutz, der auch auf die Kindertagespflege ausgeweitet wurde. „Somit müssen nun auch Kindertagespflegepersonen in Vereinbarungen mit dem Jugendamt zusichern, dass sie bei Bekanntwerden gewichtiger Anhaltspunkte für die Gefährdung eines von ihnen betreuten Kindes eine Gefährdungseinschätzung vornehmen“, heißt es in der Vorlage für die Kreisräte. Die genaue Vorgehensweise habe das Jugendamt in einem Handlungsleitfaden festgehalten, den alle Kindertagespflegepersonen zusammen mit der Vereinbarung erhalten haben.

Was müssen die Eltern für die Betreuung zahlen?

Wie viel die Betreuung eines Kindes in der Tagespflege kostet, hängt vom Alter, dem Betreuungsumfang und der Höhe des Einkommens der Familie ab. Die gültige Kostenbeitragstabelle gilt unverändert seit dem Jahr 2018. Eine Betreuung eines Kleinkindes unter drei Jahren bis zu dreieinhalb Stunden täglich kostet je nach Einkommen bis zu 85 Euro im Monat. Bei einer Betreuungszeit von Kindern über sieben Stunden können die Beträge auf 455 Euro (unter drei Jahren) oder 655 Euro (über drei) steigen. Das Jugendamt empfiehlt aus pädagogischen Gründen, unter Dreijährige höchstens 20 Stunden in der Woche betreuen zu lassen.

Nach den Empfehlungen des Gemeindetags, der Kirchen und der Kommunalen Landesverbände soll ein Kostendeckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeiträge angestrebt werden. Noch gilt im Rems-Murr-Kreis die Kostentabelle von vor vier Jahren. Aber das Jugendamt will bis 2023 eine neue Gebührenordnung erarbeiten, mit der Eltern vermutlich stärker zur Kasse gebeten werden. Ein vergleichender Blick auf die Kitagebühren lohnt sich. Sie sind gegenüber 2018 um zehn Prozent gestiegen.

Die Tagespflege im Rems-Murr-Kreis kostet insgesamt rund neun Millionen Euro, von denen die Eltern einen Anteil von etwa 1,5 Millionen Euro tragen. Der Landkreis bezuschusst die Tagespflege in diesem Jahr mit 2,7 Millionen Euro (2021: 2,9 Millionen Euro). Gut angelegtes Geld, befanden übereinstimmend die Kreisrätinnen Julia Goll (FDP-FW), Bettina Jenner-Wanek (CDU) und Gislind Gruber-Seibold (SPD).

Welchen Rechtsanspruch haben Kinder auf Tagespflege oder einen Kita-Platz?

Kinder im ersten Lebensjahr haben einen Anspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege, wenn die Erziehungsberechtigten einer Erwerbstätigkeit nachgehen, eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder arbeitssuchend sind. Auch eine berufliche Bildungsmaßnahme, zum Beispiel eine Lehre, oder eine Schul- bzw. Hochschulausbildung des Erziehungsberechtigten führe zu einem solchen Rechtsanspruch.

Kinder, die ein Jahr, aber noch nicht drei Jahre alt sind, haben einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege gegenüber dem Landkreis. Der Anspruch besteht unmittelbar ab dem Tag des ersten Geburtstags. „Weitere Voraussetzungen gibt es nicht. Insbesondere ist es auch nicht erforderlich, dass beide Eltern berufstätig sind“, so das Jugendamt. Der Begriff „frühkindliche Förderung“ weise darauf hin, dass es nicht nur darum geht, das Kind zu betreuen und zu beaufsichtigen. Vielmehr soll das Kind altersangemessen gefördert werden.

Kinder, die drei Jahre alt sind, haben bis zum Schuleintritt Anspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung. Der Anspruch besteht, sobald die Altersgrenze (dritter Geburtstag) erreicht ist. Anders als bei den unter Dreijährigen könne das Angebot von Kindertagespflege diesen Rechtsanspruch nicht ersetzen. Allerdings können bei besonderem Bedarf Kinder auch in Kindertagespflege gefördert werden.

Schulkinder bis 14 Jahre können bei besonderem Bedarf oder ergänzend auch in Kindertagespflege gefördert werden. Das waren im Rems-Murr-Kreis immerhin 270 der 1100 Kinder in der Tagespflege.

Können sich Eltern aussuchen, ob Tagesmutter oder Kita?

Tagesmutter oder Kita? Das sei beileibe kein Wunschkonzert für die Eltern, stellte Kreisjugendamtsleiter Holger Gläss klar. Ab dem Alter von drei Jahren habe der örtliche Kindergarten Vorrang vor der Betreuung bei einer Tagesmutter. Das Jugendamt mache auch keine Ausnahmen, wenn im Wunschkindergarten noch kein Platz frei ist. Dann muss das Kind die nächste, erreichbare Kita besuchen – oder aber die Eltern zahlen die Tagesmutter weiter, ganz privat und aus eigener Tasche.

Rund 1100 Kinder im Rems-Murr-Kreis werden von Tageseltern betreut. An diese Tagesmütter und -väter werden zunehmend höhere Anforderungen gestellt. Längst hat sich die Tagespflege zur zweiten Säule der Kinderbetreuung gemausert, die zumeist von Eltern von unter dreijährigen Kindern genutzt wird. Im Jugendhilfeausschuss des Kreistages stellte Holger Gläss, Leiter des Kreisjugendamtes, die Kernpunkte des neuen Teilplanes Kindertagespflege vor.

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