Rems-Murr-Kreis

Kein Klatsch- und Tratsch-Erlebnis bei dieser Landtagswahl: Ein Blick in zwei Wahllokale

Landtagswahlschwaikheim
Fabian Schwarz aus Schwaikheim setzt zum ersten Mal sein Kreuzchen bei einer Landtagswahl. © Gaby Schneider

Fabian Schwarz aus Schwaikheim ist Landtags-Erstwähler. Da muss man, findet er, vor Ort sein. Briefwahl kam nicht infrage. Einmal Wahl-Luft schnuppern. Fabian hat zwar schon mal bei den Kommunalwahlen seine Kreuzchen gemacht, doch Landtagswahl, das sei trotzdem „interessant“. Fabian wählt in der Gemeindehalle. Rein geht’s durch die linke Tür. Der Ausgang ist dann durch die rechte Tür – wenn man von außen guckt. Durch den breiten Vorraum hindurch klebt ein langer schwarz-gelber Streifen, damit sich Ankommende und Gehende nicht in die Quere kommen. Auf dem Boden leuchten rote Corona-Abstandspunkte. Und an der Hallentür, rein zu den Wahlkabinen, steht die Aufsicht, die die Wählerinnen und Wähler einzeln reinschickt, auf dass stets genügend Luftraum um die Leute ist. So bildet sich tatsächlich immer mal wieder eine Schlange, die aber genauso schnell, wie sie anwächst, auch wieder einschrumpft – Landtagswahl-Wählen geht schnell. Man hat ja nur ein Kreuzchen zu vergeben.

Trotz vieler Briefwähler: Die Wahlhelfer vor Ort hatten was zu tun

Die Nachmittagsschicht der Wahlhelfer, sie haben um 12.45 Uhr angefangen, hatte dennoch ordentlich was zu tun. Ein bisschen erstaunt nimmt man zur Kenntnis, dass ständig jemand kommt. Das liegt freilich daran, dass einige Wahllokale weggefallen sind. Es gab eben doch sehr viel mehr Briefwähler als sonst.

Aber Briefwahl hin oder her: Es sind viele im Rems-Murr-Kreis, die am Wahlsonntag wieder ehrenamtlich Stunde um Stunde in den Wahllokalen gearbeitet haben. Damit die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer sicher in ihr Amt gehen und auch hinterher nicht fürchten müssen, dass sie sich unbemerkt eine Corona-Infektion zugezogen haben, hat das Landratsamt für kostenlose Schnelltests gesorgt. Vor der Wahl hatten sich 518 Wahlhelfer testen lassen. „Alle waren negativ“, heißt es aus dem Landratsamt. Für die Schnelltests nach der Wahl am Donnerstag, 18., und Freitag, 19. März, haben sich 592 Wahlhelfer angemeldet. In Summe haben dann also im Rems-Murr-Kreis 1110 Wahlhelfer-Tests stattgefunden.

So gut wie keiner bleibt stehen

Vor der Schwaikheimer Gemeindehalle holt sich aber ganz sicher niemand das Virus: Das Klatsch- und Tratsch-Erlebnis, das Wahlen sonst immer bieten, das gibt’s in diesem Jahr nicht. Die Leute kommen und sie gehen wieder. Vor den Türen des Wahllokals bleibt so gut wie keiner stehen. Die Wahl umweht eine kleine Einsamkeit.

Coronabedingte Einsamkeit ist für Gertrud Muschenich aus Korb kein Thema: Die 88-Jährige telefoniert viel, erzählt sie, und sie hätt’s gar nicht extra erwähnen müssen, man merkt’s sofort: „Ich bin ein positiver Mensch.“ Flotten Schrittes eilt sie über den Pausenhof der Gemeinschaftsschule Korb in der Urbanstraße. Eben hat sie ihr Kreuz gesetzt, und die Entscheidung fiel ihr dieses Mal weniger leicht als sonst, erzählt die 88-Jährige. Die Masken-Affäre der CDU auf Bundesebene „hat eine große Rolle gespielt“, sagt die Korberin – und wirbt für Mäßigung beim Urteilen. „Mich kann gar nichts erschüttern“, sagt sie, und noch mal zu Corona, weil dieses Thema in keinem Gespräch ausgespart werden kann: „Ich sitz das aus.“

Wie immer beschlägt die Brille

Unterdessen beschlägt im Wahlraum mal wieder die Brille über der Maske. Es bietet sich an, das Kreuzchen ohne Nasenfahrrad zu setzen, sonst geht das noch schief mit vernebeltem Blick. Schade, dass man im Schul-Neubau brillenfrei das schicke Interieur nur eingeschränkt begutachten kann. Vermutlich haben sich einige Korber Bürger auch deshalb gegen Briefwahl entschieden, weil sie einen Blick ins neue Schulgebäude werfen wollten. Einen „schönen Eindruck“ hat Wählerin Karina Rehkugler drinnen gewonnen. Das allgegenwärtige Corona-Thema hat bei der Wahl-Entscheidung keine Rolle gespielt, berichtet Rolf Rehkugler – und zeigt sich ziemlich zufrieden damit, wie Baden-Württemberg die Krise bisher bewältigt hat. Parlamentarier standen und stehen vor schwierigen Entscheidungen – „da braucht man schon Leute, die auch dazu stehen“.

Fabian Schwarz aus Schwaikheim ist Landtags-Erstwähler. Da muss man, findet er, vor Ort sein. Briefwahl kam nicht infrage. Einmal Wahl-Luft schnuppern. Fabian hat zwar schon mal bei den Kommunalwahlen seine Kreuzchen gemacht, doch Landtagswahl, das sei trotzdem „interessant“. Fabian wählt in der Gemeindehalle. Rein geht’s durch die linke Tür. Der Ausgang ist dann durch die rechte Tür – wenn man von außen guckt. Durch den breiten Vorraum hindurch klebt ein langer schwarz-gelber Streifen,

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