Rems-Murr-Kreis

Kein Zufall: Drei Automaten in Winnenden und Leutenbach fliegen fast gleichzeitig in die Luft

Gesprengter Zigarettenautomat, Linsenhalde, Winnenden, 27.12.2020.
Einer der drei völlig zerstörten Zigarettenautomaten in der Linsenhalde in Winnenden. © Benjamin Beytekin

Zigarettenautomaten sind beliebte und offenbar auch lukrative Angriffsobjekte von Dieben. In der Nacht zum Sonntag sind in Winnenden und Leutenbach fast zeitgleich drei Automaten gesprengt worden. Die Polizei geht davon aus, dass dies kein Zufall war und die Täter sich abgesprochen hatten. Gegen 23 Uhr knallte es innerhalb von zehn Minuten in Winnenden in der Linsenhalde und in der Lise-Meitner-Straße sowie in Leutenbach in der Daimlerstraße. Dass es sich dabei um den oder die gleichen Täter handelte, sei vom Zeitablauf her unwahrscheinlich.

Die drei Automaten sind vollständig zerstört worden. Welchen Sprengstoff die Täter einsetzen oder ob sie Silvesterböller verwendeten, ist bisher nicht klar. Auf die Schnelle rafften die Diebe Zigarettenschachteln und Geld zusammen, so dass im Umkreis der Automaten Geld und Zigaretten liegen geblieben seien, sagt ein Polizeisprecher zum Tathergang. Der Sachschaden und die Beute bei den drei Automaten wird auf rund 30 000 Euro geschätzt.

Die Fahndung nach den Tätern wurde in der Nacht auch von einem Polizeihubschrauber unterstützt, der von 23.50 bis gegen 1 Uhr über Winnenden und Leutenbach kreiste. Laut Polizeisprecher gibt es Ermittlungsansätze und Spuren zu den Tätern.

Die Polizei hat es regelmäßig mit Delikten bei Zigarettenautomaten zu tun. Der auffälligste Fall wurde im November am Amtsgericht Waiblingen verhandelt. Der Richter verurteilte vier junge Männer zu Bewährungsstrafen wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall. Sie hatten zwischen April und Juli 22 Zigarettenautomaten aufgebrochen und Bargeld entwendet. Sie hatten es vor allem auf Geräte in abgelegenen Industriegebieten abgesehen und teils mehr als 1000 Euro Beute gemacht. Sie hantierten mit schwerem Werkzeug und wurden von Aufbruch zu Aufbruch versierter.

Brecheisen, Sprengstoff oder Gas

Mit diesen Methoden lassen sich Automaten knacken: Brecheisen und Zange, Sprengstoff – oder Gas. Mitte Dezember haben die Täter vermutlich durch einströmende Gase einen Automaten in Backnang gesprengt, der an einer Gaststätte im Zeller Weg aufgestellt war. Eine Woche zuvor hatten unbekannte Täter ebenfalls in Backnang einen Automaten in die Luft gejagt. Als der Diebstahl an einem Sonntagmittag festgestellt wurde, lagen noch Zigarettenschachteln und etwas Münzgeld neben dem Automaten. Sachschaden: circa 8000 Euro.

Die Spur der Taten zieht sich durch den gesamten Rems-Murr-Kreis. Hier noch ein paar weitere Fälle allein aus den Monaten Dezember und November 2020: Unbekannte Täter brachen gewaltsam einen Zigarettenautomaten auf, der am Gebäude des Musikvereins in Kernen-Rommelshausen angebracht war. Die im Automaten befindliche Geldkassette sowie die Zigaretten wurden entwendet. Der entstandene Sachschaden wird auf rund 3000 Euro geschätzt.

In Leutenbach-Nellmersbach hatten es Diebe auf einen Automaten in der Hans-Paul-Kaysser-Straße abgesehen und entwendeten aus diesem mehrere Hundert Zigarettenschachteln. In Waiblingen-Neustadt wurde ein weiterer Zigarettenautomat aufgebrochen und Tabakwaren sowie Bargeld gestohlen.

Weniger um Diebstahl denn um groben Unfug handelte es sich Mitte Dezember in Kernen, als sich zwei Männer mit mehreren Feuerwerkskörpern an einem Zigarettenautomaten zu schaffen machten. Der Automat wurde beschädigt. Die Polizei konnte einen 26-Jährigen als Tatverdächtigen ausmachen. Dieser muss nun mit einer strafrechtlichen Anzeige und einer Anzeige wegen des Verstoßes gegen die Corona-Verordnung rechnen.

Nicht nur im Rems-Murr-Kreis geraten Zigarettenautomaten regelmäßig ins Visier von Dieben. Zum Teil handelt es sich um Serientäter, wie ein Fall aus dem bayrischen Dachau zeigt. Dort hatte eine Gruppe von Jugendlichen von November 2019 bis ins Frühjahr reihenweise Automaten mit selbst gebastelten Sprengsätzen in die Luft gejagt.

280 000 Automaten bundesweit

Aktuell werden in Deutschland rund 280 000 Zigarettenautomaten betrieben. Alle Geräte seien mit einem sicheren und wirkungsvollen Techniksystem ausgestattet, um Kinder und Jugendliche vom Kauf am Automaten auszuschließen. Seit 2009 können an allen Geräten nur noch Personen über 18 Jahren Zigaretten kaufen, betont der Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller. Die Aufsteller der Zigarettenautomaten versuchen auf vielfältige Art und Weise, sich gegen Diebe abzusichern. Der Verband forciert das bargeldlose Zahlen an den Automaten und bietet dafür verschiedene Techniken wie die kontaktlose Girocard an.

Empfohlen wird den Mitgliedern ferner eine „ICT Security Cash Box“, die ein weiterer Baustein zur Steigerung der Sicherheit am Zigarettenautomaten darstelle. In der Cash Box befindliche Geldscheine werden durch die explosive Freisetzung von Farbstoff so eingefärbt, dass sie unbrauchbar werden. Die Auslösung erfolge durch Neigungs- und Erschütterungssensoren, die Scharf-/Unscharfschaltung durch einen Keyless Key, eine Technik, die als „Keyless Go“ aus dem Auto bekannt sei.

Zigarettenautomaten sind beliebte und offenbar auch lukrative Angriffsobjekte von Dieben. In der Nacht zum Sonntag sind in Winnenden und Leutenbach fast zeitgleich drei Automaten gesprengt worden. Die Polizei geht davon aus, dass dies kein Zufall war und die Täter sich abgesprochen hatten. Gegen 23 Uhr knallte es innerhalb von zehn Minuten in Winnenden in der Linsenhalde und in der Lise-Meitner-Straße sowie in Leutenbach in der Daimlerstraße. Dass es sich dabei um den oder die gleichen Täter

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