Rems-Murr-Kreis

Keine Astrazeneca-Impfungen mehr: Die meisten Impftermine im Rems-Murr-Kreis fallen diese Woche aus

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Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Katastrophale Nachrichten für alle Impfwilligen, selbst die mit Termin für eine Erst- oder Zweitimpfung im Kreisimpfzentrum in Waiblingen. Das Landratsamt hat am Montag (15.3.) eine Eilmeldung bestätigt, wonach auch Deutschland und Baden-Württemberg nunmehr Corona-Impfungen mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca vorerst aussetzen.

„Das Landessozialministerium hat uns gerade gemeldet, dass die Eilmeldung stimmt“, sagte Martina Keck, Sprecherin des Landratsamtes am Montag gegen 16 Uhr. „Mindestens diese Woche fallen damit alle bereits vergebenen Impftermine im Rems-Murr-Kreis flach, außer die mit Biontech am Wochenende im Kreisimpfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle, im Impftruck und in der Pilotprojekt-Arztpraxis in Oppenweiler.“ Die Abarbeitung der Wartelisten für Menschen über 80 Jahren laufe ebenso weiter, so Keck.

Pro Woche wurden bislang im Schnitt 1600 Astrazeneca-Impfungen in der Rundsporthalle verabreicht. Schlimme, lebensbedrohliche Nebenwirkungen habe es bislang im Rems-Murr-Kreis nicht gegeben, so Keck. „Wir müssen nun die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde abwarten.“ Landratsamt und Gesundheitsamt bitten deshalb, von Nachfragen abzusehen, weil die Angelegenheit nicht in ihrer Entscheidungsmacht liege.

Was passiert mit den bereits ausgemachten Terminen?

"Kommen Sie bitte diese Woche nicht ins Kreisimpfzentrum (KIZ). Ihr Astrazeneca-Impftermin kann nicht stattfinden", appelliert Keck. Das KIZ-Team habe bereits alle Atrazeneca-Termine für diese Woche per Mail oder Telefon abgesagt. "Am Donnerstag wird entschieden, wie es mit den Astrazeneca-Terminen ab der kommenden Woche weiter geht."

Wird denjenigen, deren Astrazenca-Termine nun ausfallen, ein anderer Termin angeboten oder müssen sie erneut Impflotterie unter 116117 und www.impfterminservice.de spielen?

 „Wir wissen im Moment gar nicht, wie’s weiter gehen soll. Es tut mir wirklich leid“, sagt Martina Keck. „Das müssen die Bundes- und die Landesregierung entscheiden, ob Termine, die ausfallen, ersatzlos gestrichen werden oder die Menschen neu kontaktiert werden mit erneuten Terminangeboten zum Beispiel.“ Ihr Schwiegervater, der in einem anderen Landkreis lebt, habe am Montagnachmittag auch eine Mail bekommen, dass sein Impftermin nicht stattfindet, sagte Keck. „Er bekam keine Info, ob ein Nachfolgetermin angestrebt werde.“

Prompt meldete das Sozialministerium am Montagabend: „Eine direkte Umbuchung der abgesagten Termine ist aufgrund des Impfstoffmangels nicht möglich. Die Impfzentren werden von uns gebeten, alle über 80-Jährigen, die von dieser Terminabsage betroffen sind, entweder auf einen anderen Impfstoff umzubuchen, oder sie alternativ auf eine eigens zu führende Warteliste zu setzen. Die Termine für alle anderen müssen leider ersatzlos verfallen.“

Martina Keck dazu: „Da wir Samstag, Sonntag und Montag nur Biontech impfen, haben wir bis einschließlich Freitag nun schon alle Astra-Termine abgesagt - gemäß den Vorgaben des Landes.“

Aber: "Bei uns wird nach wie vor Ü80-Jährigen ausschließlich Biontech verimpft. Daher mussten wir nichts umbuchen."

Und die Zweitimpftermine?

Auch Zweitimpftermine mit Astrazeneca wurden diese Woche ersatzlos gestrichen.
In klinischen Tests mit Blick auf das ursprüngliche Coronavirus hat der Astrazeneca-Impfstoff jedoch schon nach der ersten Dosis eine Wirksamkeit von 76 Prozent erreicht. Das bedeutet, dass die Schwere der Krankheitsverläufe bereits nach der ersten Imfpung um 76 Prozent verringert werden können. Mit der zweiten Dosis steigt die Wirksamkeit laut Studien nur noch um weitere rund acht auf 84 Prozent. Laut einer Untersuchung der Universität von Edinburgh, ging vier Wochen nach der Erstimpfung das Risiko, wegen COVID-19 ins Krankenhaus zu müssen, um 94 Prozent zurück.

Bekanntmachung des Landes-Sozialministeriums

"Baden-Württemberg hat soeben die Impfzentren im Land aufgefordert, unverzüglich die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff zu stoppen", teilte das Landes-Sozialministerium per Pressemitteilung am Montagnachmittag mit. "Kurz zuvor hatte das Bundesgesundheitsministerium darüber informiert, dass die Bundesregierung aufgrund einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) die Corona-Impfungen mit AstraZeneca vorsorglich aussetzt." Nach neuen Meldungen von Hirnvenen-Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa halte das PEI weitere Untersuchungen für notwendig. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wird entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffes auswirken.

 „Selbstverständlich haben wir sofort reagiert und die Impfung in Baden-Württemberg gestoppt. Der Gesundheitsschutz der Menschen steht über allem“, so Gesundheitsminister Manne Lucha. Alle Termine würden abgesagt, auch jene für die Zweitimpfungen.

Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI)

In seiner Stellungnahme äußert sich das Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wie folgt: „Das PEI empfiehlt nach intensiven Beratungen zu den in Deutschland und Europa aufgetretenen schwerwiegenden thrombotischen Ereignissen die vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca. Gegenüber dem Stand vom 11.03.2021 sind inzwischen weitere Fälle (Stand: Montag, den 15.03.2021) in Deutschland gemeldet worden. Bei Analyse des neuen Datenstands sehen die Expertinnen und Experten des Paul-Ehrlich-Instituts jetzt eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenen-Thrombosen (Sinusvenenthrom-bose) in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca. Die Daten werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) weiter analysiert und bewertet."

"Bis zum Abschluss der Bewertung durch die EMA werden die Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca in Deutschland ausgesetzt. Die heutige Entscheidung betrifft sowohl Erst- als auch Folgeimpfungen. Das Paul-Ehrlich-Institut weist darauf hin, dass Personen, die den COVID-19-Impfstoff Astrazeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen zum Beispiel mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, sollten sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.“