Rems-Murr-Kreis

Keine Streckensperrungen im Rems-Murr-Kreis wegen Motorradlärm

Lärmschild
Im Rems-Murr-Kreis wird an vielen Stellen an Motorradfahrer appelliert, die Gashand zurückzunehmen und Rücksicht auf Anwohner zu nehmen. © Gabriel Habermann

Im Rems-Murr-Kreis werden keine Strecken aufgrund von röhrenden Motorrädern und grölenden Sportwagen gesperrt. Den Kampf gegen den Lärm aus Auspuffrohren sagt der Kreis vorerst nur mit Schildern an und den Appellen „Fahr nicht wie die Sau“ oder „Fahr nicht wie ein Esel“. Aufgestellt sind diese an Raserstrecken, an denen Anwohner vor allem an den Wochenenden unter dem Krach leiden und entnervt auf die sprichwörtlichen Barrikaden gehen.

Eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel, den Motorradlärm zu mindern, hat seit Mitte Mai zu einer regen Diskussion über Verkehrslärm bis hin zu Streckensperrungen geführt. Die Befürchtungen mancher Eiferer gehen so weit, dass der Kampf gegen Lärm durch die Hintertür zum generellen Verbot des Motorradfahrens führen soll, heißt es in einer Petition gegen Streckensperrrungen. Verbunden mit dem Hinweis, dass nicht nur Motorräder lärmen, sondern auch viele Autos gewaltig Krach fabrizieren. In Deutschland sind wegen Lärms oder aufgrund zahlreicher Unfälle ein paar Dutzend beliebte Kurven-Eldorados an Wochenenden, zum Teil aber auch komplett für Biker tabu. Darunter vier Strecken in Baden-Württemberg, wie zum Beispiel der Neuffen im Nachbarlandkreis Esslingen.

Weshalb sind Sperrungen nicht möglich?

Anwohner von Raserstrecken würden sich auch hier einen Bann für Motorräder auch für die Sulzbacher Steige oder für die kurvigen Sträßchen auf dem Welzheimer Wald oder aus dem Remstal auf den Schurwald wünschen. Doch dies sei nicht möglich, teilt das Landratsamt Rems-Murr auf Anfrage mit. Streckensperrungen seien an die StVO gebunden und immer Einzelfallentscheidungen. Allen Klagen der Anwohner zum Trotz sind Sperrungen aus folgenden Gründen ausgeschlossen:

  • Das klassifizierte Straßennetz dient der Leichtigkeit des Verkehrs und muss für alle Verkehrsarten zur Verfügung stehen.
  • Sperrungen erzeugen Verkehrsverlagerungen, welche nicht zulässig sind.
  • Sperrungen sind nicht gerechtfertigt für einen kleinen Teil von Verkehrssündern im Vergleich zu den anständigen Verkehrsteilnehmern.

Das österreichische Bundesland Tirol hat indes Nägel mit Köpfen gemacht und verbietet seit dieser Woche laute Motorräder auf den beliebtesten Strecken durch die Berge. Betroffen sind jedoch nicht nur Krawallkräder, bei denen an den Auspuffanlagen herumgeschraubt wurde. Im Visier sind selbst serienmäßige Bikes, deren Standgeräusche lauter als 95 dB sind. Das Standgeräusch lässt sich übrigens in den Fahrzeugpapieren nachlesen. Der Bann trifft die 207 PS-starke BMW S 1000 RR mit 98 dB(A), den 158-PS-Boliden Ducati Multistrada 1260 mit gewaltigen 102 dB(A) im Stand oder die Harley Dyna Street Bob.

Sound oder Krach? Über diese Frage lässt sich trefflich streiten – mittlerweile auch und gerade unter Motorradfahrern. Dem Bedürfnis eines Teils der Motorradfahrer, lautstark aufzufallen, steht der Standpunkt vieler vernünftiger Biker gegenüber, dass das Hobby und Vergnügen nicht mit Lärm einhergehen muss. An schönen Wochenenden wird die große Schar von Motorrädern auch für Biker zur Plage – und der Krach geht ihnen peinlich auf die Nerven.

Appell an die Industrie, freiwillig leisere Motorräder herzustellen

In einem offenen Brief hat der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) an die Motorradhersteller und den Industrieverband Motorrad appelliert, den serienmäßigen Krach ab Werk abzustellen. „Viele Hersteller nutzen die aktuellen Zulassungs- und Messverfahren dahingehend aus, dass sie durch geeignete technische Maßnahmen – zum Beispiel elektronisch gesteuerte Klappen im Auspuffsystem – den Lärmpegel der Maschinen außerhalb des Messbereichs erhöhen.“ Diese Maßnahmen seien aktuell legal und könnten daher von den Zulassungsbehörden bei der Typprüfung nicht beanstandet werden. Die Hersteller schieben die Schuld auf ihre Kunden, die lärmende Maschinen kaufen wollten. Dem sei aber keineswegs so, kontert der BVDM und fordert die Motorradindustrie auf, „freiwillig Motorräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb sozialverträglich leise sind!“ Leisere Maschinen seien nicht nur im Interesse von Anwohnern und Motorradfahrern, sondern auch im längerfristigen Eigeninteresse der Industrie. „Wenn es zu immer mehr Einschränkungen wie Streckensperrungen kommt, sinkt die Attraktivität des Motorrads deutlich und es lassen sich damit weniger Motorräder verkaufen.“



Der Rems-Murr-Kreis gehört zur landesweiten Initiative gegen Motorradlärm mit über 80 Mitgliedern, der auch Berglen, Großerlach, Kernen im Remstal, Leutenbach, Rudersberg, Waiblingen und Weinstadt beigetreten sind. „Der Rems-Murr-Kreis macht sich seit mehreren Jahren gegen unnötigen Verkehrslärm stark“, erklärt Landrat Richard Sigel und weist auf die „tierischen Schilder“ hin, mit denen an Motorrad- und Autofahrer appelliert wird, rücksichtsvoll unterwegs zu sein. Die Lärmschilder stünden an bekannten „Raserstrecken“. Kürzlich wurden weitere Schilder aufgestellt, und zwar in Schorndorf, Rudersberg und Berglen. Ein weiteres Schild in Althütte ist in Planung.

"Gelbe Karte" für Krawallmacher

Im Kampf gegen den Lärm setzt der Kreis auch auf die Aktion „Gelbe Karte“. Mit diesen sollen Auto- und Motorradfahrer verwarnt und abgeschreckt werden, wenn sie wegen Lärm- und Abgasbelästigungen auffallen. Die Rote Karte führt zum Entzug des Führerscheins. Landratsamt und Polizei führen darüber hinaus gemeinsame Kontrollen gegen Verkehrslärm und für mehr Verkehrssicherheit durch, damit Motorradfahrer für zu schnelles oder unnötig lautes Fahren belangt werden können. Denn beim Blitzen sei eine Ahndung wegen der fehlenden Kennzeichen vorne nicht möglich.

Im Rems-Murr-Kreis werden keine Strecken aufgrund von röhrenden Motorrädern und grölenden Sportwagen gesperrt. Den Kampf gegen den Lärm aus Auspuffrohren sagt der Kreis vorerst nur mit Schildern an und den Appellen „Fahr nicht wie die Sau“ oder „Fahr nicht wie ein Esel“. Aufgestellt sind diese an Raserstrecken, an denen Anwohner vor allem an den Wochenenden unter dem Krach leiden und entnervt auf die sprichwörtlichen Barrikaden gehen.

Eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel, den

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