Rems-Murr-Kreis

Kfz-Innung Region Stuttgart: Diesel werden moderner, aber immer weniger

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Symbolfoto. © Adobestock/aurorastudio miura

„Die Diesel-Pkw werden immer moderner, aber auch langsam weniger“, so fasst Obermeister Torsten Treiber zusammen, wie sich die Nachfrage bei dieser Antriebsart entwickelt hat. Genau drei Jahre ist es am Jahreswechsel her, dass in Stuttgart Dieselfahrverbote ausgerufen wurden. Was hat’s gebracht? „Vor allem wurden Millionenwerte bei den privaten Dieselbesitzern vernichtet“, sagt Torsten Treiber, der Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart.

Schon die Debatte um die Fahrverbote 2019 trieb die Dieselzahlen und -werte nach unten. 2018 sanken die Dieselzahlen in der Region bis zum Inkrafttreten der Fahrverbote um fast 18.000 Pkw auf etwas über 505.000. Aktuell sind regionsweit noch 430.000 Diesel-Pkw im Bestand. „Die größte Dieselvernichtungsaktion aller Zeiten hat für 75.000 Diesel weniger im Bestand gesorgt, aber der Diesel lebt immer noch“, bringt es Innungsgeschäftsführer Christian Reher auf den Punkt.

Um fast 8500 ist der Dieselbestand im Rems-Murr-Kreis in dieser Zeit gesunken. Aber Pkw gibt es heute in der Region deutlich mehr als zu Beginn der Fahrverbote: „Der Bestand hat um rund 35.000 Pkw auf 1,67 Millionen zugenommen“, sagt Obermeister Torsten Treiber: „Gefahren wird weiter, dann eben mit anderen Antriebsarten“, bringt er’s auf den Punkt. Aber die Luft ist sauberer geworden? „Aktuell 36 Mikrogramm Stickstoffdioxid am Neckartor sind weniger als 53 Mikrogramm Stickstoffdioxid, die als Jahresmittelwert im ersten Jahr des Fahrverbotes 2019 herauskamen. 2018 waren es noch 71 Mikrogramm Stickstoffdioxid gewesen.“

 Rechnung des Verkehrsministers ist aufgegangen

Christian Reher: „Positiv formuliert, lässt sich sagen, dass die Rechnung des Verkehrsministers aufgegangen ist, dass die Furcht vor Fahrverboten die Menschen dazu getrieben hat, alte Diesel abzustoßen. Wir dürften heute in Stuttgart eine der modernsten Dieselflotten in Deutschland haben.“ Deswegen, ergänzt Torsten Treiber, „ist es jetzt auch Zeit damit aufzuhören, die Dieselfahrer immer wieder zu Prügelknaben zu machen. Wenn jetzt durch Maßnahmen wie die CO2-Besteuerung die Treibstoffpreise steigen, dann ist es natürlich Aufgabe der Politik, für einen angemessenen Ausgleich zu sorgen.“

Nirgendwo so viele Diesel-Pkw neu zugelassen wie in Stuttgart

„Unterm Strich ist es das Zusammenspiel der Modernisierungswelle bei den Pkw samt den technischen Maßnahmen wie den Filtersäulen vor Ort“, schätzt Reiner Äckerle, der Kreisvorsitzende der Kraftfahrzeuginnung und verweist auf eine Stuttgarter Besonderheit: „Nirgendwo in der Region wurden seit 2018 so viele Diesel-Pkw neu zugelassen wie in Stuttgart.“ Insgesamt waren es mit über 66.000 fast genau so viele wie die 69.000 Diesel-Pkw, die Stand heute in der Stadt gemeldet sind. „Dass kein Diesel älter als fünf Jahre ist, lässt sich daraus aber nicht schließen“, sagt Obermeister Torsten Treiber: „Im privaten Bereich gibt es nach wie vor rund 9000 Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 abwärts, wie das Kraftfahrt-Bundesamt meldet. Darunter werden sich sicher etliche Oldtimer befinden.“

Im Rems-Murr-Kreis liegt der Dieselbestand aktuell bei rund 70.000 Pkw

In denen stecken knapp 24.000 Fahrzeuge, die zwischen 2018 und heute zugelassen wurden. Insgesamt sank der Diesel-Bestand seit Ende 2018 um fast 8500 Fahrzeuge. „Alle wurden durch andere Antriebsarten ersetzt, sagt Reiner Äckerle: „Der Bestand ist immer weitergewachsen, liegt jetzt bei über 268.000 Pkw aller Antriebsarten.“

„Eine Rolle bei der Luftverbesserung durch moderne Diesel spielt sicher auch die Entwicklung bei den Nutzfahrzeugen“, schätzt Christian Reher: Bei den durchfahrenden, weil die Durchfahrt für Lkw inzwischen verboten ist. Bei den einheimischen, weil die Lkw-Flotte mit zuletzt über 16.000 Einheiten eine stabile Größe aufweist: „Lkw werden regelmäßig ausgetauscht, wenn sie bestimmte Fahrleistungen erbracht haben“, sagt Reiner Äckerle. Deswegen sind viele moderne Fahrzeuge im Bestand. Busse waren im Kreis zuletzt 335 gemeldet. Zugmaschinen über 12.700. „Bis jetzt dominiert in diesen Fahrzeuggruppen noch der Dieselmotor, aber die Abgasreinigung hat neue Höhen erklommen“, beschreibt Christian Reher den technischen Fortschritt.

Mit E-Fuels wäre der Verbrennerbestand „einfach klimaneutral zu machen"

Mit E-Fuels wären sowohl der Verbrennerbestand bei Pkw als auch bei Nutzfahrzeugen „einfach klimaneutral zu machen. Die Krux ist, dass das Land sich zwar bemüht, dieses Thema voranzutreiben aber die Produktionskapazitäten erst aufgebaut werden müssen“, sagt Torsten Treiber. Immerhin: „Der Verkehrsminister hat versprochen, sich um Beimischungsquoten zu kümmern.“ Auf den Stickoxidausstoß haben E-Fuels allerdings keine Auswirkung: „Da ist es wichtig, dass die Modernisierungswelle weiterrollt. Die Firmen spielen hier eine Schlüsselrolle, wie wir wissen. Zwei Drittel aller Neufahrzeuge werden von ihnen zugelassen“, ergänzt Christian Reher: „E-Autos und Plug-in-Hybride sind durch den Umweltbonus privilegiert wie kein anderes Auto. Da sind alle dafür, bei Dieseln wird Stimmung gegen das sogenannte Dieselprivileg gemacht. Doch wer sich die Preise an den Tankstellen anschaut, sieht, dass Super E10 und Diesel je nach Tageszeit nicht mehr sehr weit auseinander liegen.“ Obwohl der Staat pro Liter Benzin 65,4 Cent Energie-Steuer kassiert, pro Liter Diesel aber nur 47 Cent, also 18 Cent weniger.

E-Autos sind  bis zum 31. Dezember 2025 steuerfrei

„E-Autos sind derzeit bis zum 31. Dezember 2025 steuerfrei. Dieselfahrer zahlen dagegen 7,50 Euro Dieselzuschlag pro 100 Kubikzentimeter Motorvolumen, brauchen also erst eine bestimmte Laufleistung im Jahr, damit sich Dieseltanken für sie rechnet“, sagt Torsten Treiber und verweist auf Berechnungen des ADAC, wonach sich Dieselmotoren nur für den bezahlt machen, der jährlich mindestens 10.000 Kilometer fährt: „Unterm Strich kann man der Politik nur raten, sich nach denen zu richten, die die Autos fahren. Denn jeder kauft das Auto, das am besten zu seinen Bedürfnissen und zu seinem Geldbeutel passt. Vorausgesetzt es gibt ein Angebot, was durch die Chipkrise leider nicht immer der Fall ist.“

„Die Diesel-Pkw werden immer moderner, aber auch langsam weniger“, so fasst Obermeister Torsten Treiber zusammen, wie sich die Nachfrage bei dieser Antriebsart entwickelt hat. Genau drei Jahre ist es am Jahreswechsel her, dass in Stuttgart Dieselfahrverbote ausgerufen wurden. Was hat’s gebracht? „Vor allem wurden Millionenwerte bei den privaten Dieselbesitzern vernichtet“, sagt Torsten Treiber, der Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart.

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