Rems-Murr-Kreis

Kiloschwere Marihuana-Deals: 28-Jähriger aus Winnenden vor Gericht

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Ein Prozess um kiloweise Marihuana. © Pixabay Creative Commons CC0

Das Stuttgarter Landgericht hat den Prozess gegen einen 28-jährigen Erwerbslosen aus Winnenden eröffnet, der mit Hilfe des Krypto-Messengerdienstes Encrochat aus kiloschweren Marihuanageschäften einen Gewinn von rund 80.000 Euro erzielt haben soll.

Gegen den Mann läuft eines von bundesweit über 2000 Strafverfahren, nachdem die Polizei in Frankreich und in den Niederlanden die Software für die verschlüsselten Daten auf sogenannten „Krypto-Handys“ geknackt hat.

Der Angeschuldigte hat am ersten Verhandlungstag noch nichts zu den neun Verbrechen des gewerbsmäßigen Drogenhandels im Tatzeitraum April und Juni 2020 gesagt, die ihm Staatsanwalt Thomas Rüstig vorwirft.

(In einem großen Geldwäsche-Prozess um einen Schorndorfer spielten Krypto-Handys und Encrochat auch eine Rolle - mehr dazu hier.)

Kilo-Geschäfte mit Marihuana: Eine ganze Serie von Deals

Am 1. April 2020 soll er über sein Handy ein Zehn-Kilo-Geschäft vereinbart haben und am selben Tag drei Kilo Marihuana per Kurier in seine Winnender Wohnung geliefert bekommen haben.

Kurz vor dem 5. April habe der türkische Staatsangehörige bei einem mit Decknamen „Kurdistan“ 250 Gramm bestellt und bei Western Union 1576 Euro dafür nach Spanien überwiesen.

Ende April habe der Winnender in seiner dortigen Wohnung bei zwei Geschäften zwei und vier Kilo auf Kommission übernommen.

12.000 Euro Anzahlung sollen am 4. Mai an einen Dealer geflossen sein, damit er sieben Kilo zum Kilopreis von 4000 Euro liefert.

Vier Kilo waren laut Anklage am 10. Juni 2020 schon wieder verkauft, als der Angeklagte bei dem Mann mit dem Decknamen „Kurdistan“ schon wieder sechs weitere Kilogramm aus Spanien geliefert bekommen haben soll.

(Mit Marihuana-Geschäften müssen Ermittler sich immer wieder beschäftigen - hier ein Beispiel.)

Der große Coup mit 30 Kilo: Kam er wirklich zustande?

Den ganz großen Coup aber wollte der Winnender nach Informationen der Staatsanwaltschaft am 18. Juni in Stuttgart-Feuerbach landen, wo seine Verlobte wohnte. Ob das vereinbarte 60.000-Euro-Drogengeschäft mit einer 30-Kilo-Lieferung, die in einem Lkw versteckt war, auch wirklich umgesetzt wurde, fanden die Ermittler allerdings nicht heraus.

Richter Wolfgang Wünsch hat in diesem Fall, der nicht der einzige Krypto-Prozess am Landgericht ist, aus prozessökonomischen Gründen das Selbstleseverfahren angeordnet und am ersten Prozesstag dementsprechende Ordner ausgegeben. Bis zum 19. Juli um neun Uhr müssen alle Prozessbeteiligten die Akten gewälzt haben.

Der Angeklagte sitzt seit dem 24. Januar im Untersuchungsgefängnis Stuttgart-Stammheim. Relativ spät konnte der Prozess erst begonnen werden, weil der Winnender ausgeflogen war, als die Polizei seine Wohnung durchsuchte. Er konnte erst später in Deutschland festgenommen werden. Die Verlobte des mutmaßlichen Drogenhändlers nutzt die Chance, vor Gericht nicht gegen ihn aussagen zu müssen.

„Whatsapp für Straftäter“ - Was es mit Encrochat auf sich hat

Der Mann aus Winnenden soll einer der zahlreichen Rauschgifthändler sein, die sich das von Wickr in San Francisco eigentlich für Unternehmer, die nicht gehackt werden wollen, entwickelte Encrochat zunutze gemacht haben, um mit Straftaten das große Geld zu machen.

Encrochat, das auch „Whatsapp für Straftäter“ genannt wird, hat, nachdem die Nachrichten von der Polizei entschlüsselt werden konnten, schon wieder zwei Nachfolger namens Sky ECC und AnOm. „Krypto-Handys“ haben nach Polizeiangaben einen „Panikknopf“, mit dem der Nutzer alle Daten schnell löschen kann.

Der Vertriebsweg wird immer wichtiger: Bundesweit wurden aus Kryptogeschäften etwa 3,2 Tonnen Cannabis, rund 320 Kilo synthetische Drogen, 125.000 Ecstasy-Tabletten, 400 Kilo Kokain und zehn Kilo Heroin beschlagnahmt.

Das Stuttgarter Landgericht hat den Prozess gegen einen 28-jährigen Erwerbslosen aus Winnenden eröffnet, der mit Hilfe des Krypto-Messengerdienstes Encrochat aus kiloschweren Marihuanageschäften einen Gewinn von rund 80.000 Euro erzielt haben soll.

Gegen den Mann läuft eines von bundesweit über 2000 Strafverfahren, nachdem die Polizei in Frankreich und in den Niederlanden die Software für die verschlüsselten Daten auf sogenannten „Krypto-Handys“ geknackt hat.

Der Angeschuldigte

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