Rems-Murr-Kreis

Kind in Urbach auf Straße geworfen: Urteil gegen mutmaßlich psychisch kranken 35-Jährigen steht bevor

Landgericht
Symbolfoto. © ALEXANDRA PALMIZI

Paranoide Schizophrenie: So viel stand vor dem Stuttgarter Landgericht fest über den Mann, der in Urbach ein fremdes Kind auf die Straße geworfen haben soll, bevor das psychiatrische Gutachten unter Ausschluss der Öffentlichkeit erstattet wurde. Auch die Plädoyers waren nichtöffentlich, jedoch ist am Donnerstag, 6. Mai, ein Urteil in Sicht.

Auch am dritten Verhandlungstag waren die Eltern des Kindes als Nebenkläger vor Gericht nicht vertreten, während die Eltern des 35-jährigen Beschuldigten beim Prozess von Anfang an dabei sind. Die siebte große Strafkammer hörte zum Ende der Beweisaufnahme noch Polizeibeamte, gegen die der Mann nach der gefährlichen Körperverletzung an dem siebenjährigen Mädchen Widerstand geleistet haben soll. Ein Polizeioberkommissar aus Schorndorf war gerade in Haubersbronn, als sich am 10. Oktober vergangenen Jahres gegen 11.25 Uhr die Notrufe vom Fußgängerüberweg in der Urbacher Hauptstraße überschlugen. Als Verstärkung, sagte der Zeuge, habe er den Angeklagten erst einmal „weg von der Meute“ gebracht, die sich am Tatort versammelt habe. Die Festnahme schilderte der Polizist als schwierig. Als die Handschließen und die Kabelbinder endlich angebracht waren, gelang es einer Polizeimeisteranwärterin schließlich, den Widerspenstigen von innen in den Streifenwagen zu ziehen. Er wurde nicht zum ersten Mal in die Psychiatrie eingewiesen.

Sessel in der Wiese

„Er verstand nicht, warum die Meute auf ihn losgehen will“, erzählte der Polizeibeamte, dem bei der Festnahme seine Armbanduhr gerissen ist. Ein Polizeihauptkommissar vom Posten Plüderhausen sagte aus, der Mann habe etwa zwei Wochen vor dem Vorfall mit dem Kind Möbel vor die Türe gebracht, was den Nachbarn suspekt gewesen sei. Ein Sessel habe in der Nähe seiner Wohnung in der Wiese gestanden und vor der Türe hätten Gebrauchsgegenstände wie beispielsweise eine Klobürste gelegen. Auch damals sei die fürsorgliche Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet worden. Insgesamt beschrieb dieser Zeuge dem Vorsitzenden Richter, Reiner Skujat, die Probleme mit dem Angeklagten als „Wechselspiel zwischen Ruhe und Konflikt“. Mit der Siebenjährigen, die am Zebrastreifen durch die Luft auf den Asphalt geworfen wurde, habe er selber nicht sprechen können, schloss der Polizist.

Auf Eindrücke befragt, die Polizeibeamte bei verschiedenen Einsätzen von dem 35-Jährigen gewannen, kamen Aussagen wie „Er schrie“, „Er tanzte“, „Er sprach unzusammenhängende Sätze“, „Er befand sich augenscheinlich im Ausnahmezustand“ und „Es schienen Drogen im Spiel gewesen zu sein“.

Nicht öffentlich

Was das Opfer betrifft, so berichtete einer der Beamten, die Eltern des Kindes seien unmittelbar nach der Tat an die Presse herangetreten, worauf ein Foto „unverpixelt in der Bildzeitung“ veröffentlicht worden und dort das Schicksal des Kindes geschildert worden sei. Daraufhin habe ein „Herr aus Göppingen“, der ihm als Täter bekannt gewesen sei, dem Mädchen einen Brief geschickt und ein Geschenk angeboten, was er als Polizeibeamter zum Schutz des Kindes dringend habe unterbinden müssen.

Über die Familie des wohl drogenkranken Angeklagten wurde, außer dass er einmal seine Eltern verprügelt hat und einmal mit dem Auto seiner Schwester ohne Führerschein herumgefahren ist, vor Gericht nur noch öffentlich gesagt, dass ein Bruder des Angeklagten verstorben ist. Die Drogen- und Familienproblematik kam nur nichtöffentlich zur Sprache.

Paranoide Schizophrenie: So viel stand vor dem Stuttgarter Landgericht fest über den Mann, der in Urbach ein fremdes Kind auf die Straße geworfen haben soll, bevor das psychiatrische Gutachten unter Ausschluss der Öffentlichkeit erstattet wurde. Auch die Plädoyers waren nichtöffentlich, jedoch ist am Donnerstag, 6. Mai, ein Urteil in Sicht.

Auch am dritten Verhandlungstag waren die Eltern des Kindes als Nebenkläger vor Gericht nicht vertreten, während die Eltern des 35-jährigen

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