Rems-Murr-Kreis

Kinder-Pornografie: Bewährungsstrafe für Waiblinger – und Prügel in der U-Haft

Polizei Polizeidirektion Waiblingen über Beamte, die in Sachen Kinderpornographie ermitteln.
Um einen Fall von Kinderpornografie ging es am Stuttgarter Landgericht. Symbolfoto. © Habermann

Besitz und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften und sexueller Missbrauch ohne Körperkontakt: Dafür wurde ein 32-jähriger Waiblinger vom Stuttgarter Landgericht zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. In der Untersuchungshaft hatte er von Mitgefangenen für seine Taten Prügel bezogen.

Ein nächtlicher Überfall im Gefängnis

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres festgenommen, kam der Angeklagte, der vor Gericht angab, sowohl Jungen als auch Mädchen sexuell attraktiv zu finden, zunächst in die Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim.

Am 27. April dieses Jahres durchsuchten Mitgefangene seine Zelle und fanden heraus, was er gemacht hatte. Es setzte Schläge, in jener Nacht hallten laute Rufe durchs Gefängnis; worauf der Waiblinger nach Karlsruhe verlegt wurde.

Von dort wurde er mit dem Sammeltransport zu seinem Prozess wieder nach Stuttgart gebracht, wo ihm Staatsanwalt Sven Reiss zwei Anklagen aus dem Zeitraum März 2019 bis September 2021 eröffnete.

Der ersten Anklage zufolge chattete der Mann per Whatsapp mit einem 15-Jährigen und schickte diesem Bilder unter anderem von seinem Geschlechtsteil. Dabei fragte er den Jungen, ob er schon einmal Pornos gesehen habe, und bekam auch ein angefordertes Foto von dessen Geschlechtsteil zurückgeschickt.

Weitere Taten – ebenfalls an Jungen aus dem nord- und westdeutschen Raum – liefen nach demselben Schema ab, wobei es auch Videotelefonie gab, bei der sich die Beteiligten gegenseitig beim Masturbieren zuschauten.

(Es ist nicht der einzige Fall dieser Art in jüngerer Zeit.)

Ein schnelles Geständnis

Die Ermittler fanden von einem 13-Jährigen und von einem 14-Jährigen auf einem der Mobiltelefone des Angeklagten mehrere strafrechtlich relevante Fotos. Vier anderen Jungen zwischen elf und 16 Jahren schickte er zahlreiche Bilder und Videos, auf denen Kinder sexuelle Handlungen aneinander vornehmen oder Kinder von Erwachsenen sexuell missbraucht werden.

Weil ein Vater eines der Jungen die Polizei verständigte, durchsuchte diese die Wohnung des Waiblingers und beschlagnahmte im Herbst 2019 Hunderte kinder- und jugendpornografische Bilder und Videos samt Hardware.

Das brachte den Angeklagten offenbar nicht zur Besinnung. Denn 2021 beging er weitere gleich gelagerte Taten, die in eine zweite Anklage mündeten.

„Ich gebe alles zu und räume alles ein“, gab der Beschuldigte in der Hoffnung, nach fast sechs Monaten Untersuchungshaft aus dem Gefängnis herauszukommen, ein äußerst schnelles Geständnis ab. Bei den Angaben zur Person berichtete er von einer schwierigen Kindheit mit einer kranken Mutter, die sich habe umbringen wollen.

Auf die Frage von Richterin Sina Rieberg, warum er denn dann immer noch bei den Eltern wohne, verwies er auf die hohen Mietpreise und sein Bedürfnis, der Mutter Stabilität geben zu wollen. Durchs Wohnen daheim habe er viel Geld gespart und einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich anhäufen können.

Weit zurückreichende Vorgeschichte

Bislang habe er nur eine Beziehung gehabt, zu einem fast gleichaltrigen Mann, der aber dann einen anderen Partner gefunden habe. „Fühlen Sie sich zu Männern hingezogen“, fragte Richterin Rieberg. „Sowohl als auch“, antwortete der Angeschuldigte, den das Amtsgericht Waiblingen 2014 bereits einschlägig zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt hatte. Damals ging es um Tausende kinder- und jugendpornografische Dateien.

Die Bewährung hat der heute 32-Jährige damals ohne weitere Vorfälle durchgestanden und während der Bewährungszeit auch psychotherapeutische Gespräche geführt. Im Dezember 2017 bekam er seine Strafe erlassen – im Herbst 2019 aber ging es schon wieder los mit Whatsapp-Gruppen und Kinderporno-Tauschbörsen.

Mit dem neuen Urteil des Landgerichts erging nun die Weisung zur Sexualtherapie, deren Fortgang der Mann dem Gericht in der auf drei Jahre angesetzten Bewährungszeit regelmäßig nachweisen muss.

Die Befunde der Kripo

Zwei Waiblinger Kripo-Beamte erinnerten sich im Zeugenstand sehr gut an den Angeklagten. Das Zimmer des 32-Jährigen beschrieb einer der Beamten als eine Art Kinderzimmer mit vielen Spielsachen, Comic-Heftchen und Spielekonsolen, also ein „untypisches Zimmer für eine erwachsene Person“.

Ein zweiter Kripo-Mann fand auf den Handys des Angeklagten die zu Opfern gewordenen Jungen nach Vornamen, Alter und Wohnort geordnet. Zur Vorgehensweise des Täters erklärte er, die Jungen seien nicht unter Druck gesetzt und auch nicht eingeschüchtert worden. Wenn eines der Opfer nichts habe senden wollen, habe der 32-Jährige gemeint, das sei auch okay, man könne sich ja auch normal weiter unterhalten.

„Ich outdoor“: Mit diesem Kommentar versehene Bilder und Videos fand der Kriminalbeamte bei der Sichtung des Materials – zu sehen war, wie der Waiblinger an seiner Arbeitsstätte und auf öffentlichen Plätzen masturbierte. Einmal hatte er sein erigiertes Glied in einem Regionalzug oder in einer Straßenbahn fotografiert.

Mehr zur Arbeit der Polizei in diesem Bereich finden Sie hier. 

Besitz und Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Schriften und sexueller Missbrauch ohne Körperkontakt: Dafür wurde ein 32-jähriger Waiblinger vom Stuttgarter Landgericht zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. In der Untersuchungshaft hatte er von Mitgefangenen für seine Taten Prügel bezogen.

Ein nächtlicher Überfall im Gefängnis

Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres festgenommen, kam der Angeklagte, der vor Gericht angab, sowohl Jungen als auch Mädchen sexuell

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