Rems-Murr-Kreis

Kinderrechte: Im Lockdown ausgehebelt

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---> hier Namen eintragen <----- Schorndorf Kinderschutzbund Weltkindertag © Gabriel Habermann

Was hat ein WLAN-fähiger Drucker mit dem vergangenen und einem eventuell drohenden Lockdown zu tun? Der Drucker soll, wenn wieder alle Türen geschlossen werden, die Kinderrechte am Leben erhalten. Einige von diesen nämlich waren in der schlimmsten Corona-Phase das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben waren. Magdalena Hecker-Rost, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Schorndorf-Waiblingen, hat deshalb jüngst einen Antrag gestellt. Vermutlich inklusive dem Wunsch nach Unmengen an Druckerpatronen.

Grundrecht 4: Das Recht auf Bildung und Ausbildung

Zehn Grundrechte umfasst die UN-Kinderrechtskonvention, darunter das Recht auf Bildung. Das Recht auf Bildung, sagen Magdalena Hecker-Rost und Vorstandsmitglied Christina Meißner, sei in der Corona-Zeit in vielen Familien „total ausgehebelt“ gewesen. Und zwar nicht nur, weil womöglich viele Eltern ihren Kindern einfach nicht bei den Schularbeiten helfen konnten. Sondern weil es an der Grundausstattung fehlte: an Computern, an Druckern, an den sündhaft teuren Tintenpatronen. Und nicht alle Schulen praktizierten das Taxi-Prinzip, bei dem Lehrerinnen und Lehrer diejenigen regelmäßig anfuhren, von denen sie wussten, dass es eng werden könnte.

Damit in der nächsten Lockdown-Phase diese Kinder wenigstens ihre Arbeitsblätter ausdrucken können, soll zukünftig in den Räumen des Kinderschutzbunds ein WLAN-fähiger Drucker stehen. Der kann vom Handy aus benutzt werden. Ein Handy haben die meisten. Tatsächlich aber wird dieser Drucker die Not kaum lindern. Es wäre einer für wie viele Schulkinder im Kreis, die Unterstützung brauchen? Die Schulen, die Schulpolitik, sagen Magdalena Hecker-Rost und Christina Meißner, müssen reagieren. Dringend. Übrigens: In vielen Familien haben die Kinder keinen Ort, um in Ruhe lernen zu können. Manche haben nicht einmal einen Schreibtisch.

Grundrecht 1: Das Recht auf Gleichbehandlung

Wenn das Recht auf Bildung nicht mehr umgesetzt wird, ist das Recht, das an allererster Stelle steht, das Recht auf Gleichheit, direkt auch reif für den Papierkorb. Im Lockdown, sagen Magdalena Hecker-Rost und Christina Meißner, verfestigt sich, was die Gesellschaft sowieso schon teilt: der Unterschied zwischen arm und reich; die Tatsache, dass die Herkunft nach wie vor die Chancen bestimmt.

Grundrecht 3: Das Recht auf Gesundheit

Und es geht gerade so weiter: Das Recht auf Gesundheit hat der Kinderschutzbund mit Lebensmittel- und Drogeriemarkt-Gutscheinen für insgesamt 2170 Euro zu erhalten versucht. Der Lockdown hat die Familien ins Zuhause gezwungen. Alle haben von morgens bis abends zu Hause gegessen. Die Mittagessen, die die Kinder normalerweise in den Schulen und mit Finanzhilfe bekommen, waren weggefallen. Die Tafeln aber waren auch zu. Und die Billigprodukte in den Supermärkten ausverkauft. Den Familien fehlte das Geld, um den Kindern ein gesundes Essen auf den Tisch zu stellen. In einer Familie übrigens fehlte sogar ein Bett.

Grundrecht 5: Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung

In einer Mail schrieb eine alleinerziehende Mutter: Ich weiß nicht mehr, wie ich die Kinder beschäftigen soll. Ich habe keine Stifte, kein Papier, keine Spiele aber auch kein Geld mehr. Die Spielplätze sind geschlossen. Was sollen wir tun? Der Kinderschutzbund stellte eine Kiste zusammen: Farben, Papiere, Knete, Bücher. Und stellte gleich dazu noch eine offene Spielekiste, bestückt mit Spenden, ins Treppenhaus in der Karlstraße 19. Die Kiste, sagt Magdalena Hecker-Rost, war jeden Abend leer. Was solche Vergnügungen in einer Diskussion um Rechte zu tun haben? Das fünfte Kinderrecht verspricht Freizeit und Spiel.

Grundrecht 9: Das Recht auf eine Familie

Und dann gibt’s da noch das Recht auf Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause. War das im Lockdown nicht eher gestärkt, weil ja alle daheim waren? Endlich mal Zeit füreinander hatten? Bei manchen sicher. Bei anderen aber, bei manchen Trennungsfamilien, war dieses Recht quasi nicht mehr existent. Dann nämlich, wenn Kinder den Elternteil, bei dem sie nicht leben, nur dann sehen können, wenn professionelle Begleitung dabei ist. „Begleiteter Umgang“ heißt das und meist sind es Väter, die in den Räumen des Kinderschutzbunds ihre Kinder treffen. Der Kinderschutzbund aber hatte auch geschlossen. Die Kinder waren wochenlang vaterlos.

Grundrecht 7: Das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung

Um ein Kinderrecht allerdings fürchten Magdalena Hecker-Rost und Christina Meißner ganz besonders und vor allem dann, wenn tatsächlich wieder ein Lockdown kommt: um das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Wenn die Wirtschaft wieder runtergefahren wird, wenn aus der augenblicklichen Kurzarbeit Arbeitslosigkeit wird, wenn die finanziellen Sorgen zur Dauereinrichtung werden, dann „liegen die Nerven blank“. Dann „steigt das Gewaltpotenzial“.

Was hat ein WLAN-fähiger Drucker mit dem vergangenen und einem eventuell drohenden Lockdown zu tun? Der Drucker soll, wenn wieder alle Türen geschlossen werden, die Kinderrechte am Leben erhalten. Einige von diesen nämlich waren in der schlimmsten Corona-Phase das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben waren. Magdalena Hecker-Rost, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Schorndorf-Waiblingen, hat deshalb jüngst einen Antrag gestellt. Vermutlich inklusive dem Wunsch nach Unmengen an

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